Mitglieder der Handball-Nationalmannschaft (Archivbild: April 2019) | Bildquelle: dpa

Deutschland bei Handball-EM Auftaktspiel gegen Niederlande

Stand: 08.01.2020 09:51 Uhr

Die DHB-Männer treffen bei der Handball-EM am Donnerstag (09.01.2020, 18.15 Uhr) zum Auftakt auf die Niederländer, die erstmals bei einer Europameisterschaft dabei sind und ein bisschen aus dem Schatten ihrer Landsfrauen heraustreten wollen.

Von Robin Tillenburg (Trondheim)

"Likes sind die Währung der Neuzeit." Ein Zitat, dem man nicht ohne Weiteres zustimmen möchte, dem man aber auch das berühmte Körnchen Wahrheit nicht absprechen kann. Der Instagram-Account der niederländischen Männer-Nationalmannschaft im Handball hat etwas über 5.000 Abonnenten, also "Fans" (Stand 07.01.2020). Der der Frauen-Nationalmannschaft indes fast zehnmal so viele.

Auch wenn die Vergleichsgröße angesichts der Einwohnerzahl der jeweiligen Heimatländer unfair ist: Uwe Gensheimer hat 235.000 Abonnenten.

Frauen sind Teil der Weltspitze

Dass diese Zahlen natürlich erst einmal nichts über die sportliche Leistungsfähigkeit der jeweiligen Teams oder Sportler aussagen, ist klar. Doch im Fall der Niederländer/innen gibt sie doch einen Fingerzeig auf ebendiese. Während die Frauen frischgebackene Weltmeisterinnen sind und bei den jüngsten sechs großen Turnieren immer mindestens im Halbfinale standen, haben die Männer bis auf die WM 1961 noch kein großes Turnier bestritten. Bis jetzt.

Dass die erstmalige Teilnahme an einer Europameisterschaft auch dadurch begünstigt wurde, dass es nun erstmals 24 Teilnehmer gibt, liegt auf der Hand. Doch die Niederländer haben auch eine der besten Mannschaften zusammen, die sie je hatten.

Niederländisches Team so gut wie nie?

Die Stars spielen in der Bundesliga, die Außen Bobby Schagen (rechts, TBV Lemgo) und Jeffrey Boomhouwer (links, Bergischer HC) gehören mit 29, beziehungsweise 31 Jahren, zu den erfahrenen Akteuren und Leistungsträgern im Team. Genau wie Kreisläufer Toon Lenders (33, HSG Nordhorn-Lingen). Im Tor steht in "Gerrie" Eijlers (39, früher unter anderem Magdeburg und Minden, heute Volendam) außerdem der wohl prägendste Akteur des holländischen Männerhandballs überhaupt.

Einer, der ihm diesen inoffiziellen Titel möglicherweise streitig machen könnte, ist nicht dabei. Der Lemgoer Fabian van Olphen, der früher mit Magdeburg unter anderem den DHB-Pokal und den EHF-Cup gewann, hat sich im Training am Knie verletzt und wurde von Trainer Erlingur Richardsson wohl auch deshalb aus dem Kader gestrichen. Auch der Coach, der seit 2017 im Amt ist, ist im deutschen Aufgebot kein Unbekannter: Vom Sommer 2015 bis zum Dezember 2016 trainierte der meist stoisch und ruhig agierende Isländer die Füchse Berlin.

"Klein" aber gefährlich

Man sei der klare Favorit - und das sind die Deutschen auch ohne Zweifel - die Niederländer seien aber hochmotiviert und vor allem auf die Bundesliga-Legionäre müsse man aufpassen - so der Tenor aus dem deutschen Lager. Doch klammheimlich hat man sich bei "Oranje" den ein oder anderen sehr vielversprechenden, spielstarken Nachwuchsmann "herantrainiert". Da ist der 1,82-Meter-Spielmacher Dani Baijens (21), den man auch aus der Bundesliga vom TBV Lemgo kennt, aber da sind eben auch noch andere.

Kay Smits ist 22 Jahre alt, spielt im linken Rückraum und ist trotz seiner für einen Rückraumspieler nur 1,85 Meter durchaus torgefährlich. Er verdient sein Geld inzwischen in Dänemark bei Holstebro - seit seinem Wechsel vom Wilhelmshavener HV dorthin ist seine Leistung noch einmal explodiert. Körperlich noch eine Nummer kleiner, aber dadurch auch sehr unangenehm zu verteidigen, ist Spielmacher Luc Steins, der sich meist mit Baijens abwechselt. Mit seinen quirligen 1,72 Metern stellt er eine Herausforderung dar, die zwar ein nicht ganz so kompromissloses Blockspiel, aber schnelle Beine erfordert.

Die Niederländer ins gebundene Spiel zwingen

Physisch und in Sachen individueller Klasse dürfte die deutsche Mannschaft gegen die Niederländer klar vorne liegen, doch die haben überhaupt keinen Druck und sind in Sachen Tempospiel durchaus zu beachten. Im Angriff sollte die Fehlerquote der DHB-Auswahl daher niedrig bleiben, um niederländische Tempogegenstöße möglichst komplett zu verhindern.

Wenn das gelingt, sollte dem Auftaktsieg nicht viel im Wege stehen, denn aus dem gebundenen Spiel dürften die Niederländer sich gegen die deutsche Defensive extrem schwer tun. Würfe über den groß gewachsenen DHB-Innenblock wird es vermutlich nicht allzu viele geben.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Januar 2020 um 13:00 Uhr.

Darstellung: