Schottische Fans waren am weitaus stärksten im Zusammenhang mit der EM von Corona betroffen. | Tayfun Salci/ZUMA Wire/dpa

Laut EU-Gesundheitsbehörde 2500 Corona-Fälle mit Verbindung zur EM

Stand: 07.07.2021 09:58 Uhr

Die europäische Gesundheitsbehörde hat im Zusammenhang mit der Fußball-EM bislang mehr als 2.500 Corona-Infektionen gezählt. Die EM-Macher haben nach Ansicht der Experten bei ihren Planungen die Delta-Variante des Coronavirus nicht einkalkuliert.

Schottische Fans waren am weitaus stärksten im Zusammenhang mit der EM von Corona betroffen. | Tayfun Salci/ZUMA Wire/dpa

Schottland-Fans Bild: Tayfun Salci/ZUMA Wire/dpa

Sportschau

Vor den Finaltagen der Fußball-Europameisterschaft hat die europäische Gesundheitsbehörde ECDC einen erheblichen Anstieg der Corona-Infektionen im Zusammenhang mit der EM festgestellt.

Bis zum Ende der dritten Turnierwoche habe es mehr als 2500 Fälle in sieben Ländern gegeben, die sich mit der EM in Verbindung bringen ließen, bestätigte die EU-Agentur auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Entwicklung sei angesichts der Corona-Lage "nicht unerwartet", sagte die zuständige Direktorin Vicky Lefevre. Großveranstaltungen mit Menschenmassen seien weiter mit Risiken behaftet.

Um die Austragung der EM während der Pandemie und die Zulassung tausender Zuschauer in den elf Spielorten war vor allem in Deutschland heftig debattiert worden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Haltung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) als "absolut verantwortungslos" bezeichnet. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich im Hinblick auf die Zulassung von 60.000 Fans bei Halbfinals und Endspiel im Londoner Wembley-Stadion "sorgenvoll und skeptisch".

Schottland am stärksten betroffen

Bei den in Zusammenhang mit der EM bisher registrierten Infektionen ist Schottland nach Angaben des ECDC mit 1.991 Fällen am weitaus stärksten betroffen. Die schottische Mannschaft trug ihre EM-Gruppenspiele in Glasgow und im Londoner Wembley-Stadion aus. In Großbritannien breitet sich die als ansteckender geltende Delta-Variante des Virus stark aus. ECDC-Direktorin Lefevre wies darauf hin, dass die Delta-Variante noch nicht "auf der Bildfläche" gewesen sei, als die Planungen für die EM-Spiele mit Zehntausenden Zuschauern festgezurrt worden waren.

In Finnland seien in Verbindung mit dem Fußballturnier zuletzt 436 Fälle registriert worden, vor allem nachdem Finnlands Team in St. Petersburg spielte und Fans offensichtlich das Virus aus Russland mitbrachten. Einige Fälle wurden auch aus Dänemark, Frankreich, Schweden, Kroatien und den Niederlanden gemeldet. In Deutschland sind demnach keine Corona-Infektionen direkt im EM-Zusammenhang festgestellt worden.

Unklar, wo sich Fans angesteckt haben

Nicht sicher ist, wo sich die betroffenen Fans angesteckt haben. Dies könne sowohl in Stadien als auch in Fanzonen, bei der Reise wie auch bei privaten Treffen im Umfeld der Spiele passiert sein, erklärten die ECDC-Experten. Durch das Reisen von Fans zu EM-Spielen in Länder mit höheren Infektionszahlen könnten die Rückkehrer die Verbreitung des Virus in ihrer Heimat beschleunigen, warnte die Behörde erneut.

Für das ECDC prüfen täglich mindestens zwei Experten das Infektionsgeschehen rund um die Fußball-EM. Die Untersuchungen begannen eine Woche vor Turnierbeginn und enden eine Woche nach dem Endspiel an diesem Sonntag.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Juli 2021 um 07:20 Uhr.