Dani Olmo (l.) im Duell mit Bremens Josh Sargent | dpa

DFB-Pokal Leipzig bezwingt wacker kämpfende Bremer

Stand: 30.04.2021 23:11 Uhr

Werder Bremen hat im Pokal-Halbfinale leidenschaftlich gekämpft und RB Leipzig in die Verlängerung gezwungen. Dort wurde es turbulent - und die Entscheidung fiel erst ganz spät.

Von Volker Schulte

Leipzig steht nach dem spannenden 2:1 (0:0, 0:0) n.V. gegen Bremen im Pokalfinale und kann sich bei Emil Forsberg für den Siegtreffer bedanken. In der Nachspielzeit der Verlängerung am Freitag (30.04.2021) verwandelte er volley aus kurzer Distanz nach schöner Ablage von Hee-Chan Hwang (120.+1 Minute). Zuvor hatten in der Verlängerung Hwang (93.) für Leipzig und Leonardo Bittencourt (105.+1) für Werder getroffen.

Sportschau

Kohfeldt bleibt Werder-Trainer

Bremen zeigte einen derart couragierten Auftritt, dass Bremens Sportchef Frank Baumann schon kurz nach der Partie im Sportschau-Interview sagte: "Florian bleibt natürlich Trainer." Nach zuletzt sieben Bundesliga-Niederlagen in Folge hatte Baumann Anfang der Woche eine deutliche Reaktion der Mannschaft im Spiel gegen Leipzig gefordert.

"Die haben wir heute gesehen", sagte Baumann. "Die Mannschaft hat einen absoluten Pokalfight geliefert. Die Spieler haben aufopferungsvoll gekämpft, waren deutlich aktiver, haben sich Chancen herausgespielt, sind nach dem Rückstand zurückgekommen - das ist der Spirit, den wir auch in den nächsten Wochen brauchen, um den Klassenerhalt zu schaffen."

Rückendeckung von den Spielern

Auch die Spieler stärkten Kohfeldt den Rücken. "Wir haben natürlich Interesse, mit Florian weiterzumachen", sagte Bremens Torschütze Bittencourt. "In den vergangenen Wochen haben wir oft den Kopf in den Sand gesteckt, das ist heute nicht passiert."

Angreifer Davie Selke sprach seinem Trainer einen "Riesenrespekt" aus. "Es war nicht einfach für ihn. Nach sieben Niederlagen in Folge hat er uns betreut, und wir haben so eine Leistung gezeigt - das ist Antwort genug."

Bremens Körperlichkeit bereitet Leipzig Probleme

Das Finale wird an Christi Himmelfahrt (13. Mai) um 20.45 Uhr in Berlin angepfiffen. Den Endspielgegner spielen am Samstagabend Borussia Dortmund und Zweitligist Holstein Kiel aus (20.30 Uhr, live im Ersten).

Wie in Bremen stand auch bei den Leipzigern unter der Woche die Trainer-Personalie im Fokus. RB gab bekannt, dass der US-Amerikaner Jesse Marsch von Red Bull Salzburg im Sommer die Nachfolge von Julian Nagelsmann antreten wird, der zum FC Bayern München wechselt und weiter die Chance hat, sich mit einem Pokalsieg zu verabschieden. "Wir waren der verdiente Sieger, auch wenn es natürlich immer ein bisschen glücklich ist, wenn du in der Verlängerung gewinnst", sagte Nagelsmann. "Bremen hat versucht, mit einfachen, geradlinigen Mitteln und viel Körperlichkeit vorne reinzukommen. Das hat uns schon Probleme bereitet."

Bremens Sargent mit Großchance

Bremen musste gegen Leipzig ohne Milot Rashica auskommen, der wegen muskulärer Probleme nicht im Kader stand. Für ihn begann der ehemalige Leipziger Selke neben Niklas Füllkrug im Sturm. Allerdings hatte die Angriffsreihe von Beginn an einen schweren Stand, denn Leipzig übernahm direkt die Kontrolle. Der Bundesliga-Zweite spielte selbstbewusst und dominant, hatte deutlich mehr Ballbesitz und Torabschlüsse.

Bremen hielt angetrieben vom lautstark dirigierenden Kohfeldt mit viel Einsatz dagegen, ließ so keine Großchancen zu - und hatte selbst die beste Gelegenheit der ersten Hälfte: Joshua Sargent schob nach einem Konter den Ball frei vor Torwart Peter Gulacsi rechts am Leipziger Tor vorbei (30.).

Videobeweis: Gräfe nimmt Elfmeterpfiff zurück

Kurz vor der Pause sorgte ein Sturz von Selke im Leipziger Strafraum für Aufregung. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied zunächst auf Elfmeter für Werder, wurde jedoch von Video-Assistentin Bibiana Steinhaus in die Review-Area beordert.

Dort sah Gräfe am Bildschirm, dass Selke im Zweikampf mit Nordi Mukiele eingefädelt hatte und einen Elfmeter herausholen wollte. Zu Recht nahm Gräfe nach langer Bedenkzeit seine Entscheidung zurück, es blieb beim 0:0 zur Halbzeitpause.

Leipzig kommt mit Schwung aus der Kabine

Auch im zweiten Durchgang startete Leipzig dominant und wirkte jetzt auch zwingender. Mukiele stand bei seinem Pfostentreffer aber knapp im Abseits (52.), und Angelino zirkelte einen direkten Freistoß aus 18 Metern am rechten Torwinkel vorbei (59).

Kurz darauf fehlten nur wenige Zentimeter zur Leipziger Führung: Angreifer Alexander Sörloth köpfte den Ball nach einer Ecke an die Unterkante der Latte, und Jean-Manuel Mbom klärte den Abpraller knapp vor Mukiele (65.).

Nkunku trifft den Pfosten

In der 78. Minute klatschte der Ball erneut ans Aluminium, als erst Niklas Moisander und dann Pavlenka einen Abschluss von Nkunku an den Pfosten lenkten.

Mit Glück, Einsatz und disziplinierter Defensivarbeit hielt Bremen die Null. In die Nähe des Leipziger Tores kam Werder in der regulären Spielzeit nur noch bei den durchaus gefährlichen Standardsituationen.

Verlängerung: Hwang schlägt früh zu

In der Verlängerung schlug Leipzig dann früh zu. Nach einer schönen Kombination über viele Stationen landete der Ball mit etwas Glück beim eingewechselten Hwang. Der Südkoreaner überwand Pavlenka aus kurzer Distanz.

Werder wirkte geschlagen, profitierte dann aber von einem Aussetzer von Dayot Upamecano. Leipzigs Verteidiger rutschte der Ball bei einem Pass über den Fuß, sodass Bittencourt frei durch war. Der eingewechselte Mittelfeldspieler umlief den weit herausgestürmten Gulacsi und traf mit Gefühl zum Ausgleich.

Leipzig vergab im Anschluss noch mehrere gute Gelegenheiten. Als dann alles nach einem Elfmeterschießen aussah, setzte der erst kurz zuvor eingewechselte Forsberg nach schöner Vorarbeit von Hwang und Kevin Kampl den Schlusspunkt.

Bremen jetzt gegen Leverkusen

Für Bremen steht nun wieder Abstiegskampf in der Bundesliga an, am Samstag (08.05.2021) ist um 15.30 Uhr Bayer Leverkusen zu Gast. Leipzig tritt zur selben Zeit bei Borussia Dortmund an.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. April 2021 um 23:20 Uhr.