Szene aus dem Spiel Deutschland-Türkei | Bildquelle: dpa

DFB-Elf gegen Türkei Dreimal einen Vorsprung verspielt

Stand: 07.10.2020 22:58 Uhr

Ohne die Spieler des FC Bayern und von RB Leipzig hat sich die deutsche Nationalmannschaft im Testspiel gegen die Türkei den Sieg in der Nachspielzeit noch aus der Hand nehmen lassen. Gleich dreimal wurde eine Führung verzockt.

Von Christian Hornung

Beim 3:3 (1:0) am Mittwoch (07.10.2020) gegen die munter mitspielenden Türken bekam Bundestrainer Joachim Löw trotz des verschenkten Erfolges einige Hinweise, wen er als Alternativen zu seinen Stammspielern in den anstehenden Partien der Nations League am Samstag (10.10.2020) in der Ukraine und am Dienstag (13.10.2020) danach gegen die Schweiz (jeweils im Live-Ticker bei sportschau.de) bringen kann. Zudem verhalf Löw zwei Gladbachern und einem Dortmunder zu ihrem ersten Einsatz im Nationalteam.

Ärger bei Kapitän Draxler

"Wir haben die Türken eingeladen, hier noch den Ausgleich zu erzielen. Wie schon zuletzt auch schaffen wir es einfach nicht, mal so eine Führung über die Zeit zu bringen", ärgerte sich Kapitän Julian Draxler nach der Partie bei "RTL". "Es war natürlich nicht leicht, in dieser neuen Formation gleich zusammenzufinden. Trotzdem dürfen wir nach hinten nicht so viele Situationen zulassen und müssen es nach vorne konsequenter machen."

Löw gab zu: "Natürlich ist man nach dreimaliger Führung und wieder ohne Sieg jetzt erstmal enttäuscht und angefressen. Wir haben unsere Tore sehr schön herausgespielt, aber es sind dann immer diese unnötigen Ballverluste, die es uns selbst schwermachen. Vor dem 2:2 muss der Schiedsrichter natürlich abpfeifen, es war ein klares Foul. Aber jetzt werden wir die Themen aufarbeiten und gucken, was wir selbst besser machen müssen."

Nur Can aus der Stammformation

In der Startelf der Deutschen stand mit Emre Can nur ein einziger Stammspieler, dafür verhalf Löw dem Mönchengladbacher Florian Neuhaus zum Länderspiel-Debüt.

Auch die Türken waren nicht mit ihrer kompletten A-Elf angetreten. Und so entwickelte sich in der ersten Hälfte ein Duell auf Augenhöhe, aber auch auf sehr überschaubarem Niveau.

Havertz und Draxler lange kaum im Spiel

In der 7. Minute hatte die DFB-Elf vor coronabedingt nur 300 Zuschauern in Köln ihre erste Torchance, doch Luca Waldschmidt scheiterte aus kurzer Distanz am türkischen Torhüter Mert Günok. Den Nachschuss versenkte Draxler zwar, stand dabei aber im Abseits.

In der Folge wechselte die Herrschaft über das Geschehen immer wieder hin und her. Die Türken wurden mutiger, zielstrebiger, waren aber trotz mehrerer aussichtsreicher Situationen immer wieder zu hektisch, um Bernd Leno im deutschen Gehäuse vor gravierende Probleme zu stellen. Bei den Deutschen waren Neuhaus und Julian Brandt zwar Aktivposten, von Draxler und 100-Millionen-Mann Kai Havertz war aber extrem wenig zu sehen.

Führungstreffer gut herausgespielt

Das änderte sich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Benjamin Henrichs eroberte auf der rechten Seite den Ball, Havertz passte perfekt in den Lauf von Draxler, der sich im Zweikampf gut behauptete und die Kugel elegant über Günok ins Tor lupfte (45.+2 Minute).

Nach dem Wechsel wurden dann aber auch die Türken für ihren couragierten Auftritt belohnt. Nach einem Fehlpass des Dortmunder Ersatzspielers Nico Schulz schalteten die Gäste schnell um, Brandt verweigerte den entscheidenden Zweikampf und Ozan Tufan schlenzte den Ball sehenswert in den rechten Winkel (49.).

Neuhaus trifft nach Traum-Kombination

Kurz danach hatte die Türkei sogar die Chance zur Führung, doch Cengiz Ünder scheiterte in der 52. Minute nach einer schnellen Kombination an Leno. Ein noch besseres Kurzpassspiel zelebrierten kurz danach die Deutschen. Waldschmidt legte den Ball mit der Hacke auf Neuhaus, der kam nach Doppelpass mit Havertz erneut an die Kugel und vollendete den herrlichen Angriff mit einem präzisen Linksschuss zum 2:1 (58.).

Mit Jonas Hofmann kam kurz danach auch der zweite Gladbacher zu seinem Länderspieldebüt, beinahe hätte er zügig das 3:1 miterlebt - doch Günok parierte gegen Brandt. In der 66. Minute sah Hofmann dann ein klares Foul von Efecan Karaca an Neuhaus, der Türke rannte den Deutschen einfach und ziemlich plump von hinten um - doch der französische Schiedsrichter Benoit Bastien hatte eine ganz exklusive Sicht auf diesen Zweikampf: Er ließ weiterspielen.

Efecan kann es selbst nicht glauben

Efecan zögerte selbst zunächst ungläubig, schaute nochmal in Richtung des Unparteiischen, doch als der tatsächlich einfach nicht pfiff, schlenzte der Halbstürmer der Gäste den Ball einfach an Leno vorbei ins Tor (66.). Es herrschte allgemeine Fassungslosigkeit, Can fing sich noch die Gelbe Karte wegen Meckerns - doch das 2:2 hatte Bestand.

Danach wechselte das Momentum wieder eher auf die Seite der Türken, ohne dass sie sich aber klare Torchancen erspielen konnten. Die Deutschen, inzwischen mit Mo Dahoud vom BVB als drittem Debütanten, waren da effektiver. Zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit klärten die Gäste eine Hereingabe des eingewechselten Robin Gosens nur unzureichend, an der Strafraumgrenze nahm Waldschmidt die Einladung mit seiner großartigen Schusstechnik dankend an - und hämmerte den Ball nach kurzer Annahme mit der Brust glashart zum 3:2 ins linke Eck (81.).

Latten-Pech und Tor-Glück für Karaman

Die Türken drängten in der Folge auf den erneuten Ausgleich, hatten aber Pech: Der Düsseldorfer Stürmer Kenan Karaman traf in der 87. Minute nach einem beherzten Solo nur die Latte des deutschen Tores. In der vierten Minute der Nachspielzeit nutzte Karaman dann aber doch noch eine Schläfrigkeit in der deutschen Abwehr zum glücklichen, aber nicht unverdienten Ausgleich.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Oktober 2020 um 22:15 Uhr.

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