Max Verstappen nach dem Sieg | AFP

Sieg in Abu Dhabi Verstappen ist Formel-1-Weltmeister

Stand: 12.12.2021 20:23 Uhr

Max Verstappen hat beim Saisonfinale der Formel 1 in Abu Dhabi seinen Rivalen Lewis Hamilton kurz vor Schluss abgefangen und ist zum ersten Mal Weltmeister. Der Protest von Mercedes wurde abgewiesen.

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Aus seinem Funkspruch war ungläubiges Staunen herauszuhören: "Ja! Ja! Ja! Oh mein Gott", funkte Verstappen an seine Crew, nachdem er sich im Red Bull zum ersten niederländischen Weltmeister gekürt hatte. Der unterlegene Hamilton vom Team Mercedes erwies sich als fairer Verlierer: "Gratulation an Max", sagte er.

Dabei hätte der Titelverteidiger allen Grund gehabt, emotionaler zu reagieren. Denn das vorangegangene Saisonfinale am Sonntag (12.12.2021) in Abu Dhabi war an Spannung und Dramatik nicht zu überbieten.

Proteste abgewiesen

Die beiden Proteste, die Mercedes fristgerecht nach dem Rennen eingelegt hatte, wurden von den Rennkommissaren abgewiesen. Hamiltons Rennstall hatte versucht, das Rennergebnis in Abu Dhabi wegen zweier mutmaßlicher Verstöße gegen das Sportliche Reglement des Automobil-Weltverbandes FIA anzufechten. Allerdings kann Mercedes noch einmal Berufung einlegen.

Hamilton verpasst achten Titel

Verstappen gewann auf den letzten Runden vor Hamilton und holte den entscheidenden Sieg für den Titelgewinn. Hamilton, der bis kurz vor Schluss in Führung gelegen hatte, verpasste dagegen seinen achten WM-Titel, mit dem er Michael Schumacher überflügelt hätte und alleiniger Rekord-Weltmeister geworden wäre.

Verstappen beendet Mercedes-Ära

Nach aktueller Lage sieht es aber so aus, als habe Verstappens Triumph auf dem Yas Marina Circuit eine Ära beendet. Während Mercedes zwar bei den Konstrukteuren den achten Titelgewinn nacheinander feierte, holte zum ersten Mal seit sieben Jahren ein Fahrer den Titel, der nicht im Silberpfeil sitzt. 2014, 2015 und von 2017 an jedes Jahr hatte Hamilton gewonnen, 2016 sein damaliger Teamkollege Nico Rosberg.

Wie das geschah, das hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können: Vor dem Rennen hatten die zwei Dominatoren der Formel 1 in der Fahrerwertung punktgleich vorne gelegen, erstmals seit 1974 rasten zwei Piloten punktgleich ins Finale. Verstappen hob das Spannungslevel mit seiner Fabel-Pole im Qualifying am Samstag sogar nochmal an, Hamilton lauerte direkt dahinter.

Hamilton kassiert Verstappen schon beim Start

Dann dieser Start des Briten: Hamilton schoss förmlich davon, Verstappen rollte nur langsam los - eine Zehntelsekunde in der Reaktionszeit war nach dem Erlöschen der Roten Ampeln entscheidend.

Schon auf der ersten Runde in Kurve sechs attackierte der Niederländer am Limit, bremste extrem spät und ließ seinem Rivalen keinen Platz. Der Engländer musste den Kurs verlassen.

Erst beklagte sich Verstappen, dass Hamilton die Strecke verlassen habe. Dann beklagte sich Hamilton, dass ihn Verstappen rausgedrängt habe. "Das ist unglaublich", schimpfte Verstappen. Er sah sich nicht ansatzweise mitschuldig und flüchtete sich in die Opferrolle.

Hamilton dominiert über weite Strecken

Eine wichtige Rolle spielte in der Folge die Bereifung: Nach einem Bremsplatten in der Qualifikation war Verstappen mit der weichsten Reifenmischung ins Rennen gegangen. Diese ist zwar schneller, baut aber auch schneller ab. Hamilton hatte die haltbareren Mediums am Mercedes.

Verstappens Plan, mit den Softs einen Vorsprung rauszufahren, schlug komplett fehl. In Runde 14 wechselte der 24-Jährige als Erster die Gummis und stieg auf die härteste Mischung um.

Mercedes reagierte einen Umlauf später, obwohl Hamilton noch hätte weiterfahren können. Ein Sicherheits-Boxenstopp - dem Gegner nur keinen möglichen taktischen Vorteil lassen.

Hamilton hatte nun Verstappens Geleitschutz Perez vor sich. Knapp zwei Runden lang hielt der Mexikaner hart dagegen, kostete den Mercedes-Mann rund sechs Sekunden, ehe dieser sich wieder an die Spitze setzte.

Entscheidung nach Safety-Car-Phase fünf Runden vor Schluss

Hamilton blieb vorne, aber sein Vorsprung schmolz. Die Entscheidung dann wenige Runden vor Schluss: In Runde 53 gab es eine Safety-Car-Phase. Verstappen holte sich die schnellsten Gummis - Hamilton wurde wieder nicht reingeholt. Über Funk äußerte er seinen Unmut darüber und mögliche Konsequenzen für den Rennausgang.

Seine Vorahnung bewahrheitete sich: Nach der Rennfreigabe setzte sich Verstappen in einem unglaublichen Duell tatsächlich noch vor seinen Rivalen und schnappte sich zwei Kilometer vor Schluss den Titel - in der 1293. und allerletzten Runde einer Saison, deren Spannungsgehalt wohl niemand so hatte vorhersehen können.

"Es ist unfassbar. Ich habe immer weiter gekämpft, und dann ergibt sich diese Gelegenheit in der letzten Runde. Als kleiner Junge träumt man davon, auf dem Podium zu stehen. Und jetzt bin ich Weltmeister", sagte Verstappen überglücklich. Und auch für seinen Konkurrenten hatte er tröstende Worte übrig: "Lewis ist ein großartiger Fahrer und großartiger Konkurrent. Ich hoffe, wir sehen nächstes Jahr wieder diesen Kampf." Gegen ähnlich viel Spannung wie in dieser Saison hätte sicherlich niemand im Formel-1-Zirkus etwas einzuwenden.

Quelle: sportschau.de