Der Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton nach seinem Sieg in Italien. | AP

Formel 1 Hamilton siegt auch in Imola

Stand: 01.11.2020 15:32 Uhr

Michael Schumachers Siegrekord hat Lewis Hamilton ja schon gebrochen, aber er bleibt weiter hungrig: Auch beim Großen Preis der Emilia Romagna am Sonntag (01.11.2020) in Imola holte sich der Brite den Triumph - die Konstrukteurs-WM ist Mercedes damit bereits sicher.

Von Christian Hornung

Auf Rang zwei hinter Lewis Hamilton kam sein Teamkollege und Polesetter Valtteri Bottas über die Ziellinie, Daniel Ricchiardo belegte im Renault Rang drei ganz knapp vor dem überraschend starken Daniil Kvyat im Alpha Tauri.

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Hamilton: "Meinen Enkel davon erzählen"

Hamilton, der nun auch kurz vor der Krönung zum erneuten Fahrer-WM-Titel steht, war glücklich: "Es war ein sehr erschöpfendes Rennen, aber jetzt ist es ein überwältigendes Gefühl. Die echten Helden sind die Frauen und Männer in meinem Team, die immer weiter pushen und Tag und Nacht so hart für den Erfolg arbeiten. Sieben Konstrukteurstitel hintereinander sind Wahnsinn, das kann ich eines Tages meinen Enkeln erzählen."

Nicht ganz so begeistert war Bottas: "Ich hatte heute ziemliches Pech, nur der Start war gut. Ich bin dann leider über Trümmerteile gefahren und habe mir meinen Unterboden beschädigt. Ich habe dann noch versucht, hart zu pushen und Max nicht vorbeizulassen. Jetzt schaue ich halt auf das kommende Wochenende in der Türkei."

Ricciardo jubelte: "Es war fast ein bisschen bizzar. Ich dachte am Anfang, Rang vier wäre das absolut höchste der Gefühle, dann kam am Ende noch Kvyat aus dem Nichts - aber wir haben es ins Ziel gebracht, und es hat richtig Spaß gemacht."

Verstappen zunächst an Hamilton vorbei

Gleich nach dem Start hatte sich zunächst die Vorhersage von Hamilton bewahrheitet: "Max wird sofort Jagd auf mich machen." Der angesprochene Verstappen tat genau das und saugte sich im Windschatten vom führenden Bottas relativ locker am britischen Weltmeister vorbei von Rang drei auf zwei.

Dahinter ging es gewohnt ruppig zu: Kevin Magnussen im Haas berührte das Heck von Sebastian Vettel, der Däne drehte sich und verlor viel Zeit, aber dem Deutschen war dafür überhaupt kein Vorwurf zu machen. Eine Untersuchung der Kollision blieb dann auch folgenlos.

Bitteres Aus für Gasly

Ganz bitter war die Anfangsphase für Pierre Gasly, der seinen Alpha Tauri im Qualifying auf einen brillanten vierten Platz gefahren hatte. Schon vor dem Start hatte sich bei ihm ein Motorenproblem angedeutet, dass die Ingenieure nicht in den Griff bekamen. In der achten Runde musste er aufgeben.

Vettel dümpelte derweil zunächt weiter im defensiven Mittelfeld herum, zögerte aber seinen Boxenstopp so lange heraus, dass er mit guten Rundenzeiten plötzlich bis auf Rang vier vorgespült wurde.

Schlimmer Stopp für Vettel

Sein Halt in der 40. Runde war dann aber gleich wieder das Ende aller Träume. Über elf Sekunden Standzeit benötigten seine Techniker, weil der Schlagschrauber beim Reifenwechsel verkantet war - eine Katastrophe ausgerechnet beim Ferrari-Heimspiel, die aber wieder mal sinnbildlich für die aktuelle Saison des Vierfach-Weltmeisters stand.

Noch deutlich schlimmer erwischte es dann aber 13 Runden später Verstappen. Mit einem geplatzten Hinterreifen flog er von der Strecke, drehte sich ins Kiesbett und musste auf Platz zwei liegend aufgeben.

Platztausch zwischen Hamilton und Bottas

Vor Verstappen lag zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr Bottas, sondern Hamilton. Die Mercedes-Strategen hatten den Finnen bereits in der 20. Runde an die Box beordert und Hamilton deutlich länger auf der Strecke gelassen. Hamilton kam dann erst in der 31. Runde zum Reifenwechsel und hatte in der Zwischenzeit soviel Vorsprung herausgefahren, dass er knapp vier Sekunden vor Bottas blieb.

Viele Fans diskutierten in den sozialen Netzwerken sofort, dass sich Mercedes damit "endgültig unglaubwürdig" gemacht hätte. Teamchef Toto Wolff hatte vor dem Rennen freie Fahrt für beide Piloten angekündigt - dieser Platztausch sah nach dem praktizierten Gegenteil aus.

Technische Probleme beim Einlenken

Im weiteren Rennverlauf zeigten sich bei Bottas aber auch technische Probleme beim Einlenken, die dann auch zum Überholmanöver von Verstappen führten. Es wäre also fraglich gewesen, ob Bottas auch ohne die Strategie seines Teams echte Siegchancen gehabt hätte. Aam Ende des Rennens stabilisierte er sich aber wieder und fuhr letztlich in Sichtweite von Hamilton über die Ziellinie.

Für Ferrari endete auch dieses Wochenende wieder enttäuschend: Charles Leclerc verpasste als Fünfter trotz Verstappens Aus klar das Podium, Vettel kam nach einem am Ende möglicherweise überflüssigen Boxenstopp während einer Safetycar-Phase nur auf Rang 13, wurde dann dank einer Zeitstrafe für Romain Grosjean auf zwölf vorgestuft - aber nur 15 Autos waren überhaupt im Ziel.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. November 2020 um 15:00 Uhr.