Spielszene | Bildquelle: dpa

EM-Qualifikation DFB-Team verliert gegen die Niederlande

Stand: 06.09.2019 22:36 Uhr

Die Niederlande haben sich für die Hinspielniederlage in der EM-Qualifiaktion revanchiert und Joachim Löws junge Nationalmannschaft auf dem Weg zur EM wieder unter Zugzwang gebracht. Trotz der vom Bundestrainer geforderten kollektiven Energieleistung kassierte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes im Prestigeduell eine bittere 2:4 (1:0)- Niederlage.

Von Hartmut Bick

Serge Gnabry brachte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw am Freitag (06.09.2019) vor 51.000 Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion früh in Führung (8. Minute). Frenkie de Jong (59.) und ein Eigentor von Jonathan Tah (66.) drehten dann die Begegnung zugunsten der Gäste. Ein von Toni Kroos verwandelter Handelfmeter brachte das DFB-Team zurück in die hin- und herwogende Partie (73.). Allerdings nur für sechs Minuten - dann traf Donyell Malen zur erneuten Gästeführung und Georginio Wijnaldum setzte dann den Schlusspunkt zum 4:2 (90.+1).

Erste Niederlage in EM-Qualifikation

Es war die erste Niederlage der DFB-Auswahl auf dem Weg zur EM 2020. In der Gruppe C steht das DFB-Team nun mit neun Punkten aus vier Spielen da und sollte am kommenden Montag gegen die noch verlustpunktfreien Nordiren dreifach punkten, um in der EM-Qualifikation nicht in die Bredouille zu kommen.

Vier Gegentore für Werner "nicht erklärbar"
Vier Gegentore für Werner "nicht erklärbar"

Löw zeigte sich nach der Partie nicht nur vom Ergebnis ernüchtert: "Zunächst bin ich auch enttäuscht, weil wir unter unseren technischen Möglichkeiten gespielt haben. Holland war über 90 Minuten die bessere Mannschaft, wir haben verdient verloren. Obwohl wir 1:0 in Führung waren, hatte man nie das Gefühl, dass wir das Spiel unter Kontrolle haben." Torschütze Gnabry kritisierte die Fehlerquote seines Teams: "Wir kriegen die Gegentore viel zu leichtfertig, schenken das 2:3 einfach so her. Das darf uns einfach nicht passieren. Wir waren gut im Spiel bis zum 2:3, da kann dann so ein Spiel auch mal kippen."

Keine Überraschungen in der Startaufstellung

Knapp ein halbes Jahr nach dem 3:2-Erfolg in Amsterdam überzeugte Löws Auswahl zwar lange mit großer Geschlossenheit und taktischer Disziplin. Der Aufwärtstrend beim Neuaufbau nach dem WM-Desaster konnte aber letztlich nicht bestätigt werden. Erstmals in der laufenden Qualifikation und erstmals seit Oktober 2015 ging nach 14 Siegen wieder ein Spiel in einer Ausscheidungsrunde für ein großes Turnier verloren.

Nico Schulz fällt für Nordirland-Spiel aus

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss im richtungweisenden EM-Qualifikationsspiel am Montag (09.09.19) bei Tabellenführer Nordirland den nächsten personellen Rückschlag wegstecken. Linksverteidiger Nico Schulz fällt wegen eines Teilrisses eines Bandes in der linken Fußwurzel aus. Das gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Tag nach der bitteren 2:4 (1:0)-Niederlage am Freitag gegen die Niederlande bekannt. Der Profi von Borussia Dortmund ist bereits aus dem Mannschaftshotel in Hamburg abgereist.

Bei der Startaufstellung für den prestigeträchtigen Klassiker hatte Löw auf Überraschungen verzichtet. Timo Werner nahm den Platz des verletzten Leroy Sané ein. Vor Manuel Neuer im deutschen Tor agierte wie erwartet eine Dreierkette mit Abwehrchef Niklas Süle, Matthias Ginter und Tah. Auf den Außen kamen Lukas Klostermann und Nico Schulz zum Einsatz, im Mittelfeld bildeten Joshua Kimmich und Kroos die Schaltzentrale. Im Dreier-Angriff spielten Marco Reus und Gnabry neben Werner.

Kimmichs exzellenter Pass leitet Führung ein

Für die bis dahin aktiveren Niederländer zwang Memphis Depay mit seinem Distanzschuss Torwart Neuer zum ersten Male Arbeit auf (8.). Der direkte Gegenzug endete dann mit der etwas überraschenden deutschen Führung: Kimmich mit einem exzellenten Pass hinter die Kette auf Klostermann, der seinen Schuss aber genau auf den Körper von Keeper Jasper Cilessen platzierte. Den Abpraller allerdings setzte der unaufhaltbar heranstürmende Gnabry in die Maschen (9.).

Die folgenden Minuten glichen einer Blaupause: Aus einer starken Defensive heraus startete die DFB-Elf immer wieder blitzartige Gegenangriffe. Beim aussichtsreichsten dieser Konter versuchte sich Gnabry am aussichtslosesten Abschluss - und lupfte Cilessen seinen Heberversuch direkt in die Arme (27.).

Holländer finden keine Lösungen gegen deutsche Defensive

Die Gäste ihrerseits fanden gegen die geschickt verteidigende deutsche Defensive, in der Klostermann und Schulz die Dreierkette häufig zur Fünferkette aufstockten, keine Lösungen. Bezeichnend, dass die beste Chance aus einem Standard resultierte, als Matthijs De Ligt einen Kopfball nach Freistoß von Daley Blind knapp neben den linken Pfosten setzte (22.). Richtig gefährlich wurde es in der ersten Hälfte nur noch vor dem anderen Tor, als Reus nach Pass von Kroos freistehend und aus kurzer Distanz mit seinem Schuss an der blitzschnell hochzuckenden Hand Cilessens scheiterte (43.).

De Jong und Babel drehen die Partie

In der Anfangsphase von Halbzeit zwei übernahm Löws Team deutlich das Kommando. Der enorm agile und gefährliche Gnabry sorgte schnell für den ersten offensiven Akzent, als der Münchner den Ball extrem scharf vor das Gästetor passte - und de Ligt damit fast zu einem Eigentor zwang (50.). Die Partie nahm nun deutlich Fahrt auf. Doch als ein zweiter deutscher Treffer nur noch eine Frage der Zeit schien, bekam das Spiel seine zweite überraschende Wende: Nach Flanke von Ryan Babel tauchte Frenkie de Jong alleine vor Neuer auf und vollendete zum Ausgleich ins linke Eck (59.). Zumindest ein halbes Geschenk, denn Schulz und Tah waren bei dieser Aktion beide nicht auf der Höhe.

Löw enttäuscht aber "Ergebnis geht in Ordnung"
Löw enttäuscht aber "Ergebnis geht in Ordnung"

Auch die Einwechslungen von Kai Havertz für Werner und Ilkay Gündogan für Reus (jeweils 61.) brachten keine Impulse in den deutschen Angriff. Nur wenige Minuten später drehten die Niederländer die Partie komplett: Einen Kopfball von Europas Fußballer des Jahres Virgil van Dijk kratzte Neuer mit einem Reflex noch von der Linie, die folgende Hereingabe beförderte Tah im Gewühl ins eigene Tor (66.).

Andauerndes Hin und Her

Doch damit waren noch längst nicht alle Kapitel in der Geschichte dieser Partie geschrieben: Als de Ligt im eigenen Strafraum eine Abseitsstellung von Schulz reklamierte, sprang ihm der Ball an die Hand. Der portugiesische Schiedsrichter Artur Dias deutete dennoch direkt auf den Elfmeterpunkt. Kroos verwandelte abgeklärt links unten (73.) - ein mehr als glücklicher Treffer. Wer gedacht hätte, die Gäste würden sich nun an den eigenen Strafraum zurückziehen, sah sich getäuscht: Depay bediente Malen traumhaft im Strafraum, und der vollendete per Direktabnahme zur erneuten Gästeführung (79.). Den Schlusspunkt setzte Wijnaldum nach einem Konter in der Nachspielzeit (90.+1).

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2019 um 04:52 Uhr.

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