Julia Hendrich (l.) aus Deutschland streckt die Fußspitze zum Ball vorbei an Laura Feiersinger aus Österreich. | IMAGO/GEPA pictures/ Ashley Western

2:0-Sieg gegen Österreich Deutschland kämpft sich ins EM-Halbfinale

Stand: 21.07.2022 23:36 Uhr

Deutschlands Fußballerinnen sind im EM-Viertelfinale gegen Österreich ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Der Rekordeuropameister musste allerdings Schwerstarbeit verrichten, bevor der 2:0 (1:0)-Erfolg feststand.

Hanno Bode
Sportschau

Am Tag des Todes von Fußball-Legende Uwe Seeler erzielten Lina Magull (25.) und Alexandra Popp (90.) die Treffer in einer von beiden Seiten über die gesamte Distanz sehr intensiv geführten Partie. Österreich verlangte dem Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am Donnerstagabend (21.07.22) alles ab und stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass der Halbfinal-Einzug bei der EM vor fünf Jahren kein Zufallsprodukt war.

"Sie haben alles reingelegt, was sie reinlegen konnten. Ich denke, wir sind trotzdem als verdienter Sieger vom Platz gegangen sind", sagte Voss-Tecklenburg. In der Vorschlussrunde trifft Deutschland, das 2017 schon in der Runde der letzten Acht gescheitert war, am kommenden Mittwoch (27.07.22, 21 Uhr MESZ) auf den Sieger der Partie zwischen Frankreich und den Niederlanden, die sich am Sonnabend (23.07.22) gegenüberstehen.

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Voss-Tecklenburg: "Spielen auch für Uwe Seeler"

Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die mit Trauerflor auflief, hatte nach ihrer Spieltagsbesprechung im Mannschaftshotel die Nachricht vom Tod Seelers erhalten. Das habe "Betroffenheit" ausgelöst, erklärte Voss-Tecklenburg wenige Minuten vor dem Anpfiff im Ersten. "Ich weiß, dass er das Spiel heute schauen wollte. Deswegen sind wir tief berührt und werden auch ein Stück weit für Uwe Seeler spielen", sagte die 54-Jährige.

Bei der Schweigeminute für den verstorbenen Ehrenspielführer der Nationalmannschaft stand Voss-Tecklenburg mit geschlossen Augen an der Auswechselbank. Im Brentford Community Stadium zu London, auf dessen Anzeigetafel in diesen Sekunden ein Bild der HSV-Legende in Siegerpose zu sehen war, herrschte absolute Stille.

Österreich zu Beginn gefährlicher

Nach diesen ebenso emotionalen wie traurigen Momenten war es für beide Teams gewiss nicht einfach, sich sofort auf das Viertelfinal-Duell zu konzentrieren. Österreich fand etwas schneller in die Partie und besaß durch Julia Hickelsberger-Füller, die an Merle Frohms scheiterte (9.), und Marina Georgieva (Pfostentreffer nach einem Eckstoß/13.) zwei gute Chancen zur Führung.

Auf der Gegenseite wurde Alexandra Popp direkt nach Hickelsberger-Füllers Möglichkeit gut in Position gebracht, verzog aber deutlich (9.).

Magull sorgt für Halbzeit-Führung

Hernach tat sich der Rekordeuropameister schwer, gegen die Bundesliga-Auswahl Österreichs - acht Deutschland-Legionärinnen standen in der Startelf des Außenseiters - in die gefährliche Zone zu kommen. Der Überraschungs-Halbfinalist der EM 2017 verteidigte konzentriert und war sehr griffig in den Zweikämpfen. Einmal aber leistete sich die Elf von Teamchefin Irene Fuhrmann in Person von Kapitänin Carina Wenninger einen folgenschweren Ballverlust.

Die 31-Jährige ließ sich von ihrer bisheriger Münchner Teamkameradin Klara Bühl das Spielgerät stibitzen und sah anschließend nur noch die Hacken der Angreiferin. Bühl legte klug zurück, Popp ließ den Ball clever zu Magull durch, die mit einem Flachschuss ins lange Eck zum 1:0 traf. Es war das zweite Turniertor der zuletzt angeschlagenen 27-Jährigen, die im letzten Gruppenspiel gegen Finnland (3:0) geschont worden war.

Aber auch mit der Führung im Rücken blieb die Aufgabe für die deutsche Elf hochkompliziert. Österreich übte weiter viel Druck auf die Ballführende aus, erzwang so Fehlpässe und stand in der Defensive weiter sehr kompakt. Das 1:0 des DFB-Teams zur Halbzeit war nicht unverdient. Aber es war gegen diesen sehr leidenschaftlich und auch fußballerisch sehr ansprechend auftretenden Gegner wahrlich kein beruhigender Vorsprung.

Aluminium-Pech auf beiden Seiten

Mit einem schnellen zweiten Tor hätte der Rekordchampion die Begegnung vielleicht etwas befrieden können. Und beim Schuss von Giulia Gwinn kurz nach dem Wiederbeginn fehlten zum 2:0 nur Zentimeter. Er landete am Außenpfosten (46.). Und wie reagierte Österreich auf den Aluminium-Schock? Mit einem Aluminium-Treffer! Barbara Dunst zirkelte den Ball aus rund 35 Metern ans Lattenkreuz, nachdem Frohms zuvor den Ball unfreiwillig in die Füße von Nicole Billa gespielt hatte (53.).

Die deutsche Nummer eins war bald darauf ein weiteres Mal mit dem Gestänge ihres Gehäuses im Bunde. Diesmal rettete der rechte Pfosten bei einem Schuss von Sarah Puntigam für die bereits geschlagene Keeperin (57.).

Popp mit Glück zum 2:0

In der "Alu"-Wertung lag die Alpenrepublik nun also mit 3:1 vorn, worauf die Fuhrmannschen Fußballerinnen gewiss gerne verzichtet hätten. Auch Bühl wäre ein Eintrag in die Torschützenliste sicher lieber gewesen. Stattdessen beteiligte sich die deutsche Angreiferin in der 78. Minute ebenfalls am Latten-Contest und verpasste das 2:0. Hatte die 21-Jährige in dieser Situation noch Pech gehabt, versagten ihr bald darauf nach einem präzisen Pass von Popp aus wenigen Metern die Nerven. Sie schoss den Ball freistehend am Tor vorbei - und zwar erstaunlich weit.

So musste die DFB-Elf weiter zittern, bis Österreichs Keeperin Manuela Zinsberger kurz vor Ultimo Popp anschoss und der Ball vom Bein der Kapitänin zum 2:0 ins Tor sprang. "Es war extrem intensiv heute", resümierte die Wolfsburgerin und befand: "Wir haben es uns verdient heute."

Österreichs Teamchefin Fuhrmann trauerte derweil den vergebenen Chancen hinterher: "Die Mannschaft kann sehr, sehr stolz auf ihre Leistung sein. Wir haben Deutschland alles abverlangt, aber der Ball wollte heute einfach nicht rein."

Quelle: sportschau.de