DFB-Nationalspieler Leon Goretzka, zweiter von rechts, nach seinem Ausgleich gegen Serbien zum 1:1. | Bildquelle: dpa

Fußball-Länderspiel Goretzka rettet Löw den Neustart

Stand: 21.03.2019 10:00 Uhr

Der vielbeschworene Neustart für Bundestrainer Joachim Löw nach der Ausmusterung von drei 2014er-Weltmeistern verlief zäh: Immerhin bewahrte der eingewechselte Leon Goretzka das DFB-Team vor einer Niederlage - und die letzte halbe Stunde versöhnte auch die Fans ein wenig.

Von Christian Hornung

Insgesamt war das 1:1 (0:1) aber eine Enttäuschung, denn neben teilweise krassen Stellungsfehlern in der deutschen Abwehr war vor allem die Chancenverwertung im zweiten Durchgang hanebüchen. Immerhin: Das Bemühen um ein direkteres Spiel in die Spitze war ab der 60. Minute deutlich erkennbar.

"Das war zu wenig"

Goretzka zeigte sich nach der Partie selbstkritisch: "Das war zu wenig, wir hatten genug Chancen, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben aber oft zu viel Zeit damit verschwendet, den Ball hinter die letzte Kette des Gegners zu spielen." Marco Reus sah es genauso: "Wir müssen einfach den Anspruch haben, so ein Spiel zu gewinnen - deshalb ist dieses Ergebnis einfach zu wenig. Die zweite Halbzeit war besser, aber ingesamt war das nicht ausreichend."

Auch Löw gab zu: "Man hat im ersten Durchgang gemerkt, dass die Automatismen bei dieser jungen Mannschaft noch fehlen. Aber nach der Pause haben wir gute Signale ausgesendet, dass wir Druck erzeugen und nach vorne spielen wollen."

Leipziger Schwerpunkt in der Abwehr

Löw hatte das Drücken der Reset-Taste nach der Ausmusterung von Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels mit der alten Taktik begonnen: Viererkette, Doppelsechs, dazu Kai Havertz auf der Zehn plus drei Angreifer: Leroy Sané, Timo Werner und Julian Brandt. Auffällig beim Personal war ein Leipziger Schwerpunkt, neben Werner bildeten mit Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann zwei weitere Rasenballer die Außenpositionen in der Abwehrreihe.

Einen Vorgeschmack auf die beabsichtigte neue Ausrichtung gab es bereits nach 45 Sekunden, als sich Klostermann gleich vorne einschaltete - seinen Schuss von der Strafraumgrenze platzierte er aber knapp neben das Tor.

Jovic völlig frei

Die Deutschen blieben danach am Drücker, durften dann aber auch gleich beweisen, wie sie mit einem Rückschlag klarkommen: Luka Jovic nutzte in der 12. Minute per Kopf aus kurzer Distanz eine kollektive Unpässlichkeit der neuformierten Viererkette zum 1:0 für die Serben - Manuel Neuer hatte keine Chance.

Es dauerte eine Zeitlang, bis sich das DFB-Team von diesem Schock erholte. Erst ein präziser Steilpass von Kai Havertz in der 22. Minute brachte wieder Gefahr, doch Timo Werner scheiterte an Serbiens Keeper Marko Dmitrovic.

Werner vergibt den Ausgleich

War diese vergebene Chance noch mit dem etwas ungünstigen Schusswinkel zu erklären, sorgte Werners nächste Gelegenheit in der 37. Minute für Fassungslosigkeit im Wolfsburger Stadion: Den bereits geschlagen am Boden liegenden Torhüter aus fünf Metern anzuschießen, war deutlich schwieriger, als den Ball über die Linie zu schieben - aber der Leipziger Mittelstürmer brachte es fertig und verwehrte damit Klostermann auch den Assist für dessen brillantes Zuspiel.

Die Strafe wäre beinahe auf dem Fuß gefolgt, doch auch die Gäste erwiesen sich als großzügig im Umgang mit ihren Chancen: Adem Liajic jagte vollkommen unbehelligt von den einmal mehr abwesenden Jonathan Tah oder Niklas Süle die Kugel aus acht Metern über das Tor.

Dmitrovic pariert gegen Reus

In der Pause wechselte Löw, brachte wie bereits vor der Partie angekündigt Marc-André ter Stegen für Neuer und kurbelte mit Marco Reus anstelle von Havertz das Offensivspiel an. Reus brauchte eine Viertelstunde, um seinen Rhythmus zu finden, zwang dann aber nach einer starken Einzelleistung Dmitrovic zu einer Glanztat.

Danach folgte die beste Phase des DFB-Teams, doch zunächst scheiterte Sané nach Halstenbergs Hereingabe per Kopf aus kurzer Distanz am serbischen Keeper, weil er keinen Druck hinter den Ball bekam. Dann umkurvte Ilkay Gündogan Dmitrovic, schloss aber so schwach ab, dass Nemanja Maksimovic den Ball noch von der Torlinie kratzen konnte.

Erlösung durch Goretzka

Doch die Deutschen blieben am Drücker und schnürten Serbien in der eigenen Hälfte ein. Der Lohn war der Ausgleich durch den in der 56. Minute eingewechselten Goretzka: Nach einer schönen Kombination über Gündogan und Reus ließ Goretzka mit einer Schussfinte zwei Gegenspieler ins Leere laufen und vollstreckte aus zwölf Metern hart und platziert ins linke Eck (63.).

Von Serbien kam praktisch gar nichts mehr, doch die immer stärker aufdrehenden Reus und Sané scheiterten ein ums andere Mal an Dmitorvic oder der vielbeinigen Abwehr der Gäste. Die zunehmende Hilflosigkeit der Mannschaft von Mladen Krstajic gipfelte gegen Ende der Partie in immer größerer Härte.

Rot für brutales Foul an Sané

Schiedsrichter Bobby Madden sah dem Treiben zu lange tatenlos zu, erst in der 93. Minute zeigte er dem eingewechselten Milan Pavkov für ein brutales Foul an Sané die Rote Karte - Krstajic entschuldigte sich gleich am Spielfeldrand bei Löw für die widerliche Aktion.

Mutmacher aus deutscher Sicht: Statt der Pfiffe zur Pause gab es zum Ende der Partie auch viel Beifall für die Gastgeber. Luft nach oben ist dennoch jede Menge - besser machen kann es das DFB-Team bereits am Sonntag (24.03.19) beim EM-Qualifikationsspiel in den Niederlanden (Live-Ticker bei sportschau.de ab 20.30 Uhr).

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 20.03.19, 22.50 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. März 2019 um 22:15 Uhr.

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