Jonathan Tah

2:4-Niederlage der DFB-Elf Zu fehleranfällig gegen Top-Teams

Stand: 07.09.2019 10:37 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw wählt gegen die Niederlande eine vorsichtige Taktik, die deutsche Nationalmannschaft kassiert aber trotzdem vier Tore. Die DFB-Elf zeigt, dass ihr in der Defensive auf hohem Niveau zu viele Fehler unterlaufen.

Von Marcus Bark

Ein bisschen zu weit weg, ein bisschen zu spät, ein bisschen zu nachlässig - Tor, 2:4, den direkten Vergleich verloren. Das war für die deutsche Mannschaft dann ein bisschen blöd, denn so kommen doch leise Zweifel daran auf, dass die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 gelingen wird. Es dürften aber Scheinsorgen sein, denn der Spitzenreiter der Gruppe ist ein Scheinriese. Nordirland, am Montag (09.09.2019) Gegner Deutschlands, spielte bislang nur gegen die eigene Kragenweite oder schlechtere Mannschaften.

Solche Teams beherrscht die DFB-Elf, das zeigte die Vergangenheit. So kamen vor allem 14 Siege hintereinander zustande mit einer Tordifferenz von 58:7. Nun, bei der dritten Heimniederlage überhaupt in einem Qualifikationsspiel für ein großes Turnier, kassierte Manuel Neuer allein vier Tore.

Nico Schulz fällt für Nordirland-Spiel aus

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss im richtungweisenden EM-Qualifikationsspiel am Montag (09.09.19) bei Tabellenführer Nordirland den nächsten personellen Rückschlag wegstecken. Linksverteidiger Nico Schulz fällt wegen eines Teilrisses eines Bandes in der linken Fußwurzel aus. Das gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Tag nach der bitteren 2:4 (1:0)-Niederlage am Freitag gegen die Niederlande bekannt. Der Profi von Borussia Dortmund ist bereits aus dem Mannschaftshotel in Hamburg abgereist.

Löw: Kein Qualitätsproblem in der Abwehr

Ob es ein Qualitätsproblem bei seinen Abwehrspielern gebe, wurde Löw nach dem Abpfiff gefragt. Nein, so der Bundestrainer, schließlich würden diese Spieler ihre Qualität Woche für Woche in der Bundesliga unter Beweis stellen.

Vier Gegentore für Werner "nicht erklärbar"
Vier Gegentore für Werner "nicht erklärbar"

Aber der Vergleich gegen eine Mannschaft mit dem vorzüglichen Mittelfeldstrategen Frenkie de Jong und einem gar nicht mal so herausragend besetzen Angriff mit Ryan Babel, Memphis Depay und Quincy Promes widerlegte Löw. Jonathan Tah hatte auf hohem Niveau wiederholt große Probleme mit schnellen, wendigen Spielern, Nico Schulz ist in der Offensive wertvoller als auf seinem dringlicheren Aufgabengebiet, selbst Niklas Süle verlor zum Ende der Partie häufiger die Orientierung.

Wie im Hinspiel beim 3:2-Sieg, als Deutschland nach einer 2:0-Führung unter starkem Druck der Holländer ins Wanken geriet und den Ausgleich erlaubte, verlor die Auswahl des DFB jegliche Kontrolle, als der Gegner selbstbewusst und zielstrebig nach vorn spielte.

Zu vorsichtige Linie?

Dabei hatte Löw - ebenfalls wie im Hinspiel, auf ein 3-4-3-System gesetzt, das bei gegnerischem Ballbesitz ein 5-2-3 war mit dem Augenmerk, das Zentrum zu verdichten. Die Niederlande wurden erst an der Mittellinie im Aufbau gestört, im Raum der Sechser Joshua Kimmich und Toni Kroos (erstaunlich aggressiv und stark im Zweikampf) sollte dann der Ball gewonnen werden. Das gelang in der ersten Halbzeit noch gut, nach der Pause verlor die deutsche Mannschaft ihre (vorsichtige) Linie, die etwa von Marco Reus als zu vorsichtig angesehen worden war. Der Dortmunder hatte sich mehr Ballbesitzanteile gewünscht und eine mutigere Herangehensweise. So seien die Wege zum niederländischen Tor nach Ballgewinn zu weit gewesen.

In Belfast, das kündigte Löw noch im Hamburger Volksparkstadion an, sei gegen einen deutlich defensiveren Gegner mit rustikaler Spielweise ein anderer Stil gefragt.

Gepaart mit der individuellen Überlegenheit der deutschen Spieler sollte das zu einem Erfolg reichen. Siege gegen Weißrussland und Estland sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg zu einem ernsthaften Titelanwärter schon für die EM 2020 noch weit ist. Auf hohem Niveau gibt es noch zu viele Defizite, daher sollte das Testländerspiel gegen Argentinien am 9. Oktober in Dortmund sehr ernst genommen werden.

Vier Tage später in Estland ist dann nur ein lockerer Pflichtsieg abzustauben, der wie im Hinspiel vorgaukeln könnte, dass gut ein Jahr nach dem WM-Desaster schon wieder alles bestens läuft.

Löw enttäuscht aber "Ergebnis geht in Ordnung"
Löw enttäuscht aber "Ergebnis geht in Ordnung"

Quelle: sportschau.de

Darstellung: