Deutschlands Nationalspieler Timo Werner | ddp/Sven Simon

Nations League Gegen Italien ist die Offensive gefragt

Stand: 14.06.2022 14:22 Uhr

Das Offensivspiel der deutschen Nationalmannschaft hakt. Ein Quartett von hoch veranlagten Spielern wartet schon lange auf einen Treffer gegen einen Topgegner.

Marcus Bark

Es sagt sich einfach daher, im Abschluss „nur noch“ konsequenter werden zu müssen, die Chancen „nur noch“ effizienter nutzen zu müssen. Ein Defensivspiel nahe der Perfektion ist schon sehr schwierig einzustudieren. Aber immerhin gibt es dabei Abläufe, die weitestgehend einstudiert werden können.

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Eine Offensive an der Taktiktafel und danach auf dem Trainingsplatz zu entwerfen, die dann nach immer wiederkehrenden Mustern vor das Tor des Gegners kommt und etwa jede zweite Großchance nutzt, ist der Traum von Trainern, aber eben nur ein Traum.

Probleme in der Offensive

In der deutschen Nationalmannschaft hakt es derzeit in der Offensive. Die vergangenen vier Spiele endeten 1:1, und es war nach keiner Partie so, dass Hansi Flick anschließend über Chancenwucher klagen durfte.

Die Bilanz des neuen Bundestrainers liest sich immer noch glänzend: In zwölf Spielen gab es acht Siege und vier Unentschieden bei 37:6 Toren. Das sieht nach einer prächtigen Offensive aus, doch  die Namen einiger Gegner in der Qualifikation zur WM relativieren das schnell: Liechtenstein (2:0 und 9:0), Armenien (6:0 und 4:1).

Keine Tore für Havertz, Werner, Sané und Gnabry

Erst die vergangenen vier Spiele wurden gegen Mannschaften bestritten, die auch in der höchsten Klasse der Nations League vertreten sind, und diese endeten eben 1:1. Die Torschützen in diesen Partien waren zweimal Jonas Hofmann, Joshua Kimmich und Thomas Müller.

Kai Havertz, Timo Werner, <span lang="fr">Serge</span> Gnabry und <span lang="en">Leroy</span> Sané blieben ohne Treffer. Das so hoch veranlagte Quartett, auf dem Flicks Offensivhoffnungen für die Weltmeisterschaft in Katar ruhen, setzte damit einen Trend fort, der schon im vergangenen Kalenderjahr eingesetzt hatte. In Spielen gegen Mannschaften aus der oberen Kategorie blieben Werner, Gnabry und Sané seit Beginn des 2021 ohne Tor. Lediglich Havertz traf, jeweils in den Spielen der verspäteten EURO 2020 gegen Portugal (4:2) und Ungarn (2:2).

Gnabry traf zuletzt 2020 gegen ein Topteam

Seit dem peinlichen Aus bei der Weltmeisterschaft 2018 bestritt die deutsche Mannschaft 45 Spiele, dabei erzielte sie 111 Tore. Davon gehen 17 und damit die meisten auf das Konto von Serge Gnabry. Sein letzter Treffer in einem Spiel gegen ein Topteam datiert aus dem Oktober 2020, beim 3:3 in der <span lang="en">Nations League</span> gegen die Schweiz. Gut einen Monat später trafen Werner und Sané bei einem Sieg gegen die Ukraine.

„<cite>Dynamik, Tempo und Überzeugung</cite>“, forderte Flick vor dem letzten Länderspiel der Saison, am Dienstagabend (20.45 Uhr, live hören und im Ticker bei sportschau.de) in Mönchengladbach gegen Italien.

Idee eines Offensivspiels kaum zu erkennen

Hält sich der Bundestrainer an seine Worte nach dem Spiel gegen England eine Woche zuvor in München, wird er erneut mit einer 4-2-3-1-Grundformation spielen lassen. Sieben Spieler durften sich bislang in den drei Partien des Juni auf den vier offensiven Positionen versuchen. Hofmann und Jamal Musiala überzeugten dabei, Werner, Havertz, Sané, Gnabry und auch Thomas Müller enttäuschten.

Das Spiel mit einem Mittelstürmer, obwohl keiner der aufgeführten Spieler ein Mittelstürmer ist, zieht sich seit Jahren als Problem bei der Eliteauswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durch. Im Vertrauen auf die Stärke der einzelnen Spieler und seinen von hohem Pressing und Gegenpressing geprägten Stil macht Flick weiter keine Anstalten, bei der Personalauswahl oder dem System etwas zu ändern.

Die Idee seines Offensivspiels war in den jüngsten Partien nur in Ansätzen zu erkennen. Vor dem Spiel gegen Italien sagte Flick: <cite>„Die Mannschaft muss wissen, welche Stärke sie hat. Wir haben großartige Spieler in unseren Reihen.“</cite> Sie müssen es nur noch mit Toren messen lassen.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Juni 2022 um 09:00 Uhr.