Spielszene aus dem Champions League-Spiel Sporting Lissabon gegen Borussia Dortmund | Carlos Rodrigues/firo Sportphoto

Champions League Dortmund patzt bei Sporting Lissabon

Stand: 24.11.2021 23:23 Uhr

Mehr Ballbesitz, mehr Schüsse - aber auch mehr gravierende Fehler: Borussia Dortmund hat nach einer selbst verschuldeten Pleite bei Sporting Lissabon die Königsklasse verspielt.

Von Christian Hornung

Durch die 1:3 (0:2)-Niederlage am Mittwoch (24.11.2021) bei den Portugiesen hat der BVB nach dem 1:0 im Hinspiel auch den direkten Vergleich verloren - damit ist bei drei Punkten Rückstand auf Sporting am letzten Gruppenspieltag am 7. Dezember die K.o.-Runde nicht mehr zu schaffen.

Sportschau

"Schwer zu akzeptieren"

"Das war ein beschissener Abend. Wir sind raus, das ist die bittere Wahrheit. Sporting hat gar nichts für das Spiel gemacht und gewinnt 3:1. Das ist schwierig zu akzeptieren", haderte Marco Reus nach dem Schlusspfiff und gab zu: "Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht." Trainer Marco Rose analysierte schwer enttäuscht: "Es ist zu einfach, gegen uns Tore zu machen. Der Gegner war kompromissloser. Wir müssen daran arbeiten, konsequenter zu werden. Es ist eine herbe Niederlage. Klares Ziel war es, nächstes Jahr in allen drei Wettbewerben dabei zu sein. Das ist schon ein Einschnitt."

Ajax Amsterdam war mit fünf Siegen bereits vor dem Anpfiff als Spitzenreiter sicher durch. Dabei war für die Dortmunder deutlich mehr drin gewesen. Wie die mit drei Brechern besetzte Innenverteidigung von Sporting zu knacken ist, zeigte Manuel Akanji nach einer knappen Viertelstunde. Nach einer Balleroberung zog er sofort das Tempo an und schickte den schnellen Donyell Malen mit einem Pass in die Schnittstelle der Abwehrkette in die Tiefe - Sporting-Keeper Antonio Adán parierte aber sicher.

BVB mit über 60 Prozent Ballbesitz

Die Portugiesen enttäuschten in der ersten halben Stunde komplett. Für einen Titelkandidaten in der heimischen Liga, der punktgleich mit Spitzenreiter FC Porto auf Rang zwei liegt, kam vor allem offensiv unheimlich wenig. Dortmund hatte das Mittelfeld klar im Griff, lag bei über 60 Prozent Ballbesitz, spielte fast doppelt so viele Pässe und gestattete den Gastgebern nicht einen einzigen Abschluss.

Der erste saß dann aber gleich - und dabei half der BVB tatkräftig mit. Sportings Abwehrchef Sebastian Coates bolzte die Kugel in Ermangelung einer spielerischen Idee einfach weit in die gegnerische Hälfte, Nico Schulz wollte klären, verlängerte aber unfreiwillig in den Lauf von Pedro Gonçalves. Gregor Kobel versuchte noch, Schlimmeres zu verhindern, kam aber zu spät aus seinem Tor.

Gonçalves äußerst effektiv

Dass dieser Pedro Gonçalves dringend mehr Aufmerksamkeit erfordert hätte, bewies er neun Minuten später gleich noch einmal. Akanji setzte vor dem heranstürmenden Pablo Sarabia zur Grätsche an, spielte aber unfreiwillig in die Mitte und genau in die Füße von Gonçalves - mit dem Innenrist hämmerte er die Kugel aus gut 20 Metern ins linke Eck.

Erst danach machten auch die Dortmunder aus ihrem Plus beim Ballbesitz mal wieder Torchancen: Gonçalo Inácio klärte nach Malens Solo für den geschlagenen Antonio Adán noch auf der Linie, kurz danach setzte Reinier einen Kopfball aus kurzer Distanz über die Latte.

Rot für Emre Can

Aus der Kabine kam Dortmund mit Emre Can für den überforderten Schulz, der wie sein Pendant auf der rechten Seite, Thomas Meunier, auf der Außenposition ein Ausfall war. Angetrieben von Can und vor allem Jude Bellingham machten die Gäste jetzt enormen Druck, hatten aber weiterhin Probleme, sich klare Abschlüsse zu erarbeiten.

Dann gingen Can die Nerven durch. Als die Gastgeber mal wieder eine vermeintliche Verletzung sehr zeitintensiv zelebrierten, wollte Bellngham den Ball ins Aus schieben. Can hatte aber eine Showeinlage von Paulinho erkannt und wollte weitermachen - darauf kam es zu einer Rudelbildung, in deren Verlauf Can den Ellenbogen ausfuhr und die Rote Karte sah (74. Minute).

Zagadous Aussetzer bringt die Entscheidung

Ein Tor hätte den Dortmundern zu diesem Zeitpunkt aber gereicht, um die Entscheidung noch einmal zu vertagen. Der nächste Patzer war dann aber zu viel: Paulinho wollte mit dem Ball gerade wieder aus dem BVB-Strafraum herausdribbeln, da traf ihn Dan-Axel Zagadou am Knöchel. Nach Videostudium gab der gute Schiedsrichter Carlos Del Cerro Grande den berechtigten Elfmeter, den Kobel zunächst parierte - doch den Abstauber verwandelte Pedro Porro zum 3:0.

In der Nachspielzeit besorgte Malen nach einer durch Marco Reus verlängerten Flanke von Julian Brandt noch das 1:3, für mehr reichte es dann aber trotz einer Schlussoffensive mit zehn Mann nicht mehr.

Für den BVB geht es im letzten Gruppenspiel gegen das punktlose Schlusslicht Besiktas nun um nichts mehr: Die Champions League ist passé, was angesichts einer Tordifferenz von 5:11 (!) letztlich auch nicht überraschend ist. Die Europa League hingegen ist als Tabellendritter gesichert.

Dortmund jetzt in Wolfsburg

Die Dortmunder müssen in der Bundesliga am Samstag (27.11.2021, 15.30 Uhr) beim VfL Wolfsburg antreten. Der Zweite der portugiesischen Primeira Liga spielt tags darauf gegen CD Tondela.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. November 2021 um 08:00 Uhr.