Das offizielle Banner des UEFA-Champions-League-Finales 2022 im Krestowski-Stadion in St. Petersburg. | EPA

Champions League UEFA entzieht Sankt Petersburg das Finale

Stand: 24.02.2022 19:43 Uhr

Die UEFA reagiert auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und wird nach Sportschau-Informationen Sankt Petersburg das Endspiel entziehen.

Von Chaled Nahar

Für Freitag (25.02.2022) hat die UEFA eine Sondersitzung des Exekutivkomitees anberaumt. Dringendster Punkt ist angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine die Verlegung des Endspiels der Champions League, das nach bisheriger Planung am 28. Mai 2022 in der Gazprom-Arena Sankt Petersburg stattfinden sollte.

Sportschau

Nach Informationen der Sportschau ist diese Maßnahme bereits beschlossene Sache, das Exekutivkomitee soll diese am Freitag bestätigen. Auch die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press und der Sportinformations-Dienst berichten über die Verlegung. Über einen neuen Spielort soll ebenfalls beraten werden. Ob in dieser Hinsicht eine Entscheidung fällt, ist noch nicht klar.

UEFA will "Situation bewerten und alles Notwendige unternehmen"

"Nach der Entwicklung der Situation zwischen Russland und der Ukraine in den letzten 24 Stunden" habe der UEFA-Präsident Aleksander Ceferin beschlossen, die außerordentliche Sitzung des Exekutivkomitees einzuberufen, teilte die UEFA mit. Bei diesem Termin solle "die Situation bewertet und alles Notwendige unternommen werden". Später äußerte sich UEFA konkret zum Krieg. "Die UEFA verurteilt die anhaltende russische Militärinvasion in der Ukraine auf das Schärfste", hieß es in einer MItteilung: "Wir bleiben entschlossen in unserer Solidarität mit der Fußballgemeinschaft in der Ukraine und sind bereit, dem ukrainischen Volk unsere Hand zu reichen."

An dem in Sankt Petersburg geplanten Endspiel hatte es angesichts der russischen Aggression gegen die Ukraine Kritik aus der Politik gegeben. Der britische Premierminister Boris Johnson, mehrere Bundestagsabgeordnete und Mitglieder des Europäischen Parlaments forderten eine Verlegung des Spiels.

Rainer Koch, Karl-Heinz Rummenigge und ein Gazprom-Funktionär dabei

Teilnehmer der Sitzung werden auch der DFB-Präsident Rainer Koch und Bayern Münchens ehemaliger Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als Vertreter der Klub-Vereinigung ECA sein. "Es ist eine sehr heikle Situation, die sich stündlich ändern kann und die wir natürlich alle im Blick haben", teilte Koch auf Anfrage der Sportschau am Dienstag mit: "Aktuell geht es um die Sicherung des Weltfriedens und damit um weitaus Wichtigeres als Fußball. Etwaige Folgen für den Fußball wird die UEFA gegebenenfalls kommunizieren." Rummenigge äußerte sich auf Anfrage nicht.

Mit Alexander Dyukov ist zudem der Präsident des russischen Fußballverbandes stimmberechtigt. Dyukov ist außerdem Vorstandsvorsitzender des russischen Erdölkonzerns Gazprom Neft, einer Tochtergesellschaft des staatlichen russischen Energieunternehmens Gazprom. Bei Abstimmungen im Exekutivkomitee ist eine einfache Mehrheit unter den 20 Mitgliedern nötig, bei einem Patt entscheidet der Präsident. Mit Andrii Pavelko sitzt auch der Präsident des ukrainischen Verband in dem Gremium, die Sitzung am Freitag findet online statt, niemand muss reisen.

Enge Verbindungen zwischen Gazprom und UEFA

Alexander Dyukov, Chef von Gazprom Neft und Mitglied der UEFA-Exekutive | Yegor Aleyev via www.imago-images.de

Alexander Dyukov, Chef von Gazprom Neft und Mitglied der UEFA-Exekutive Bild: Yegor Aleyev via www.imago-images.de

Zwischen Gazprom und der UEFA besteht schon lange eine enge Zusammenarbeit. Seit 2012 ist das Unternehmen Sponsor der Champions League. Die Partnerschaft wurde vergangenes Jahr bis 2024 verlängert und schließt nun auch die Nations League und die EM 2024 in Deutschland mit ein. Die russischen Funktionäre, die in der jüngsten Vergangenheit im UEFA-Exekutivkomitee oder im Auftrag der UEFA im FIFA-Rat saßen, hatten einen Bezug zu dem Unternehmen. Das gilt auch für Dyukov, seit 2021 Mitglied der UEFA-Exekutive.

"Gazprom hat sich im Laufe der Jahre als einer unserer vertrauenswürdigsten Partner erwiesen", schwärmte UEFA-Marketingdirektor Guy-Laurent Epstein in einer Mitteilung zur Ausweitung des Sponsorings: "Gazprom ist nicht nur führend auf seinem Gebiet, es hat auch eine lange Tradition im Fußball, und wir freuen uns darauf, in den kommenden Jahren noch enger zusammenzuarbeiten."

Kritik am Sponsoring durch Gazprom

Mehrere Politikerinnen und Politiker forderten auch ein Ende des Sponsorings der UEFA durch Gazprom. Die Europa-Abgeordnete Viola von Cramon (Die Grünen) sagte im Gespräch mit der Sportschau: "Die UEFA müsste eigentlich alle Maßnahmen ergreifen, um den Krieg einzudämmen - auch wenn die möglicherweise wehtun: Dazu gehört, Sponsorenverträge mit Gazprom auch für die EM in Deutschland zu beenden, russische Funktionäre aus den Gremien auszuschließen und Sankt Petersburg die Austragung des Champions-League-Endspiels zu entziehen."

Zu der Höhe der Zahlungen von Gazprom und einer möglichen Einflussnahme auf Entscheidungen antwortete die UEFA auf Anfrage der Sportschau nicht. Unklar belibt zunächst, ob die UEFA das Sponsoring mit Gazprom in Frage stellen wird. Nach jetzigem Stand ist das Unternehmen, das von der Regierung politisch als geostrategisches Machtinstrument eingesetzt wird, weiter Sponsor der Champions League und auch der EM 2024, die in Deutschland ausgetragen wird.

Pandemie zwang die UEFA zu neuem Final-Termin

Die UEFA brachte auch der Faktor Zeit in die aktuelle Lage. 2019 hatte das Exekutivkomitee mehrere Endspielorte der Champions League frühzeitig bis 2023 festgelegt. Aufgrund der Corona-Pandemie entzog die UEFA aber Istanbul erst 2020 und dann 2021 erneut das Finale. Die zugesagten Endspiele an den anderen Spielorten wurden teilweise mehrfach neu terminiert.

Sankt Petersburg wurde auf diesem Weg für das Jahr 2022 bestimmt, obwohl dort ursprünglich schon 2021 hätte gespielt werden sollen. Das und die Verschiebung der EM von 2020 auf 2021 zeigen deutlich, dass die UEFA zu kurzfristigen Änderungen ihrer Pläne fähig ist.

Planung Endspiele UEFA Champions League
Jahr Planung 2019 Planung 2020 Planung 2021 aktuell
2020 Istanbul Lissabon - -
2021 Sankt Petersburg Istanbul Porto -
2022 München Sankt Petersburg Sankt Petersburg ?
2023 Wembley München Istanbul Istanbul
2024 - Wembley Wembley Wembley
2025 - - München München

Wie geht es mit den Spielen russischer und ukrainischer Teams weiter?

Ein weiterer Punkt der zu klären ist, sind die Konsequenzen für Spiele mit russischer und ukrainischer Beteiligung. Zenit Sankt Petersburg und Spartak Moskau sind noch in der Europa League vertreten. Werden sie ihre Heimspiele in Russland austragen dürfen? Zenit, eine Art Werksklub von Gazprom, spielte am Donnerstag in der Zwischenrunde bei Betis Sevilla.

Besonders heikel werden die Playoffs der europäischen Qualifikation zur WM 2022 in Katar. Am 24. März soll in Moskau Russland gegen Polen im Halbfinale spielen, auch im Endspiel am 29. März hätte Russland bei einem Weiterkommen Heimrecht, dann gegen Tschechien oder Schweden. Die Spiele in der WM-Qualifikation fallen aber unter die Regie des Weltverbands FIFA. Die Verbände aus Polen, Tschechien und Schweden schrieben in einem gemeinsamen offenen Brief an die FIFA, dass man keinesfalls in Russland spielen wolle und baten um eine Verlegung an andere Spielorte. FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz, dass die Lage weiter beobachtet werde. "Der Ratsausschuss wird eine Entscheidung treffen, sobald das nötig und möglich ist", sagte Infantino.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Februar 2022 um 15:00 Uhr.