Salih Oezcan am Ball | Getty Images

Köln gegen Leverkusen Packendes Rhein-Derby endet ohne Sieger

Stand: 24.10.2021 17:15 Uhr

Ausverkauftes Stadion, super Stimmung in Köln und ein "gefühlter" Sieger im rheinischen Klassiker: Der 1. FC Köln macht gegen Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga einen Rückstand wett und feiert das 2:2 (0:2).

Von Jens Mickler

Mit einem Doppelschlag innerhalb von 100 Sekunden waren die Gäste aus Leverkusen am Sonntag (24.10.2021) durch Patrik Schick und Karim Bellarabi in Führung gegangen und sahen nach starker erster Halbzeit wie der sichere Sieger aus.

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Doch die Kölner drehten die Partie in der zweiten Hälfte und bejubelten vor allem ihren Goalgetter. Anthony Modeste sorgte mit seinen beiden Toren (63. Minute/82.) für den Ausgleich in einem tollen Fußball-Spiel. Für Köln war es nach drei Derby-Niederlagen ein kleiner Erfolg.

"Wir haben das Spiel umgedreht, das ist unsere Stärke in dieser Saison. Das ist unser Wohnzimmer, da kann man eben nicht so einfach gewinnen", sagte Matchwinner Modeste, der auf seiner Ehrenrunde mit Standing Ovations und Sprechchören gefeiert wurde.

Corona ganz weit weg

Die Bedingungen für den rheinischen Klassiker konnten schon vor Beginn nicht besser sein. Strahlender Oktober-Sonnenschein über dem Stadion in Köln-Müngersdorf und erstmals wieder ein volles Haus in Corona-Zeiten: 50.000 Fans - ausverkauft:

Entsprechend stimmungsvoll ging es los. Und die Kölner Fans hatten sich gleich auf Florian Wirtz eingeschossen. Den Leverkusener Jung-Nationalspieler und "verlorenen Sohn", der als 17-Jähriger auf die andere Rheinseite gewechselt war, begleiteten bei jeder Ballberühung gellende Pfiffe. Auch FC-Trainer Steffen Baumgart hatte kurz vor dem Derby nochmal seinen Senf zum pikanten Wechsel von Anfang des vergangenen Jahres dazugegeben, um das Spiel anzuheizen.

Wirtz leitet Tore ein

In der 16. Spielminute wurde es allerdings dann abrupt leise im Stadion, denn Wirtz - unbeeindruckt vom Kölner Publikum - hatte Diaby mit einem gefühlvollen Pass in Szene gesetzt, Diaby leitete direkt weiter auf Schick, der ebenfalls mit einem Kontakt einnetzte - eine gekonnte Ballstaffette, bei der die Kölner nur zuschauen konnten. Damit nicht genug stellte die Werkself zwei Minuten später auf 2:0.

Wieder leitete Wirtz den Treffer ein, als er an der Strafraumgrenze mehrere Gegenspieler austanzte, zu Robert Andrich spielte, der wiederum auf den völlig freistehenden Bellarabi weiterleitete. Der Ex-Nationalspieler drosch den Ball mit seinem ersten Saisonstreffer unhaltbar ins Tor.

Frimpong verschenkt das 3:0

Vor allem mit den sehr schnellen Umschaltmomenten der Bayer-Elf kam Köln auch im weiteren Verlauf nicht klar. Fast hätte der FC noch das 0:3 kassiert, doch der zu lässige Jeremie Frimpong scheiterte nach einem weiteren Turboangriff aus bester Position an der Latte.

Zweimal meldeten sich die Kölner allerdings durch den zurückgekehrten Jonas Hector (33./44.) mit einem guten Weitschuss und einem missratenen Kopfball.

Modeste ganz cool

Der Anschlusstreffer wollte zunächst nicht fallen. Die Stimmung auf den Rängen blieb dennoch auf Top-Level, auch wenn Leverkusen zunächst an die starke erste Halbzeit anknüpfte. Das Tor fiel aber auf der anderen Seite. Perfekte Flanke von Hector, Modeste stoppte seelenruhig und schob zum 1:2 ein - bereits sein fünftes Saisontor. Jetzt feierten die FC-Fans wie in allerbesten Vor-Corona-Zeiten. "Wir wussten, wenn wir ein Tor machen, dann ist das Stadion da, so ist es dann auch gekommen", meinte nachher FC-Kapitän Hector trocken.

Der FC - angetrieben von seinen Fans - machte jetzt plötzlich mehr Druck, auch weil sich die Leverkusener im Angesicht der geschmolzenen Führung viel zu sehr zurückzogen. Die Sonne schien weiterhin, aber die Partie war nun im Vergleich zur ersten Hälfte nicht mehr wiederzuerkennen.

Leverkusens Coach Gerardo Seoane probierte mit Wechseln, den Trend der Partie zu stoppen, aber der FC hatte längst das Spiel in die Hand genommen - und er wurde belohnt. Sebastian Andersson verlängerte einen Einwurf mit dem Kopf, Modeste kochte Kossounou ab und traf schon wieder. Beste Karnevalsstimmung herrschte nun auf den Tribünen.

Am Ende war es nach diesem Spielverlauf vor allem für den FC ein Erfolg und die Leverkusener waren bedient. "Wenn du im Derby als führende Mannschaft von 0:2 auf 2:2 fällst, fühlt es sich wie eine Niederlage an. Wir hätten 3:0, 4:0 durch Kontersituationen führen können und dann schalten wir ab, das kotzt mich an", schimpfte Torwart Lukas Hradecky.

FC jetzt gegen Stuttgart, Bayer gegen Karlsruhe

Der FC bekommt es nun am Mittwoch (20.45 Uhr) in der zweiten Pokalrunde auswärts mit dem VfB Stuttgart zu tun. In der Liga steht am Samstag um 15.30 Uhr die Auswärtspartie bei Borussia Dortmund an. Leverkusen empfängt am Mittwoch um 18.30 Uhr im Pokal Zweitligist Karlsruher SC und am Samstag um 15.30 Uhr den VfL Wolfsburg.

Quelle: sportschau.de