Bochum's Locadia jubelt mit seinen Mannschaftskollegen über seinen Treffer. | AP/ Martin Meissner

Fußball-Bundesliga Bochum düpiert die Bayern

Stand: 12.02.2022 18:50 Uhr

Riesen-Überraschung am 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga: Aufsteiger VfL Bochum hat den FC Bayern München mit einem Gala-Auftritt in der ersten Halbzeit überrollt und einen verdienten Heimsieg gefeiert.

Von Thorsten Rosenberg

Beim 4:2 gelangen dem VfL Bochum am Samstag alle vier Treffer in der ersten Hälfte. Robert Lewandowski hatte Bayern München zwar früh in Front gebracht (9.).

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Doch der wie entfesselt spielende Aufsteiger aus Bochum drehte die Partie und traf noch vor der Pause viermal durch Christopher Antwi Adjei (14.), Jürgen Locadia per Handelfmeter (38.), Cristian Gamboa (40.) und Gerrit Holtmann (44.). Lewandowski gelang nur noch der Anschlusstreffer (75.).

Beide Teams mussten auf ihre etatmäßigen Torhüter verzichten. Beim VfL nahm Michael Esser den Platz zwischen den Pfosten für den verletzten Stammkeeper Manuel Riemann ein. Bayerns Manuel Neuer - nach einer Meniskus-OP längerfristig nicht einsatzbereit - wurde von Sven Ulreich vertreten. Abwehrspieler Niklas Süle, der vor wenigen Tagen seinen Wechsel zum Rivalen Borussia Dortmund im Sommer bekannt gemacht hatte, stand ebenfalls in der Münchener Startelf.

Bochum bemühte sich vor 8.500 Zuschauern von Beginn an mutig die Initiative gegen den Favoriten zu übernehmen. Doch die erste echte Chance hatten die Bayern mit ihrem ersten Angriff - und der führte direkt zur Führung des Spitzenreiters.

Lewandowski, der eine Coman-Vorlage klasse aus sechs Metern verwertete, markierte mit seinem 25. Saisontreffer das 0:1 (9.). Nun wurden Erinnerungen wach an das Hinspiel, als der Aufsteiger mit 0:7 in München untergegangen war.

Antwi-Adjei antwortet auf Lewandowskis Tor

Christopher Antwi-Adjei vom VfL Bochum dreht nach seinem Treffer gegen den FC Bayern München zum Jubeln ab | Ralf Ibing /firo Sportphoto

Christopher Antwi-Adjei vom VfL Bochum dreht nach seinem Treffer gegen den FC Bayern München zum Jubeln ab Bild: Ralf Ibing /firo Sportphoto

Doch daran dachte schon bald niemand mehr. Der VfL belohnte sich für sein engagiertes Auftreten mit dem Ausgleich durch Antwi-Adjei (14.). Holtmann wurde von Locadia auf der linken Seite mit einem Pass steil geschickt. Dessen Hereingabe landete bei Antwi-Adjei, der aus zentraler Position aus vierzehn Metern einnetzte. Süle war da nicht nah genug an seinem Gegenspieler.

Das Tor machte die Gastgeber noch mutiger. Das Team von Trainer Thomas Reis suchte sein Heil in schnell und hingebungsvoll vorgetragenen Angriffen, denen zwar manchmal die letzte Präzision fehlte, doch die Bayern waren so in der Defensive beschäftigt.

Bis auf den Angriff zum Führungstor kamen die Gäste selten so zum Zuge, wie man es eigentlich von dem Rekordmeister gewohnt ist. Lediglich Kingsley Coman sorgte mit einigen Dribblings auf der linken Seite für gefährliche Aktionen.

Drei Bochumer Tore in sechs Minuten - 4:1!

Nach einer halben Stunde dennoch fast das 1:2. Serge Gnabry kämpfte sich gegen Maxim Leitsch auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durch, doch Lewandowskis sehenswerter Seitfallzieher wurde von Gamboa kurz vor der Torlinie geklärt (32.). Fünf Minuten später führte dann der Außenseiter. Nach einem Handspiel von Upamecano an der linken Strafraumgrenze zeigte Schiedsrichter Robert Schröder auf den Elfmeterpunkt.

Grenzenloser Jubel der Spieler des VfL Bochum nach dem 2:1 gegen Bayern München. | Reuters/Thilo Schmuelgen

Grenzenloser Jubel der Spieler des VfL Bochum nach dem 2:1 gegen Bayern München. Bild: Reuters/Thilo Schmuelgen

Obwohl Keeper Ulreich in der richtigen Ecke lag, war er gegen den scharf getretenen Elfmeter von Locadia chancenlos. Und es kam noch schlimmer für die Bayern.

Frech und selbstbewusst tunnelte Gamboa auf der rechten Coman. Nach einem Doppelpass mit Patrick Osterhage knallte der Außenverteidiger den Ball von der Strafraumkante in das lange Eck - ein Traumtor (40.)!

Und das Unglaubliche setzte sich fort: Nur drei MInuten später vernaschte Holtmann ebenfalls mit einem Tunnel Upamecano und schlenzte den Ball von der linken Strafraumgrenze über Ulreich hinweg wunderschön ins lange Eck. Der Tabellenführer war geschockt vom rotzfrechen Auftritt des VfL und ging mit vier Gegentreffern in die Kabine.

Vier Gegentore noch vor der Pause: Das hatten die Bayern schon lange nicht mehr erlebt. Im November 1975 war das letztmals beim 0:6 (0:5) bei Eintracht Frankfurt passiert.

Bayern erhöht den Druck, Bochum lauert auf Konter

Bayern-Coach Julian Nagelsmann reagierte und wechselte Corentin Tolisso für Upamecano ein. Doch der VfL machte zunächst dort weiter, wo er aufgehört hatte und traf nach vier Minuten sogar erneut, doch Antwi-Adjei hatte bei seinem Treffer zuvor im Abseits gestanden.

Doch die Bayern kamen nun zumindest in der Offensive wieder besser zurecht und drängten den VfL immer mehr in die eigene Hälfte. Nach einem Steilpass stand Lewandowski frei vor Esser, doch der Torwart konnte den Polen nach außen drängen, so dass dessen Schuss aus steilem Winkel von Armel Bella-Kotchap geklärt werden konnte (53.).

Die Reis-Elf verteidigte den Vorspung leidenschaftlich. Die Bayern mühten sich, aber wie eine echte Aufholjagd sah das nicht aus, was die Nagelsmann-Elf auf dem Platz zustandebrachte.

Auch nachdem Lewandowski nach einem Kimmich-Freistoß verkürzen konnte (75.), gelang es den Westfalen, den Gegner mit Geschick und hohem Einsatz größtenteils vom eigenen Tor fernzuhalten. Glück hatte der VfL noch einmal, als Lewandowski mit einem Freistoß aus 22 Metern nur die Latte traf (86.).

Doch dann war Schluss und die Sensation perfekt. Den leidenschaftlich kämpfenden Bochumern gelang der große Coup gegen die Münchener, die an diesem Tag überhaupt nicht zu ihrem Spiel fanden.

Bochum in Stuttgart, Bayern gegen Fürth

Bochum spielt am kommenden Samstag (19.02.22, 15.30 Uhr) beim VfB Stuttgart, Bayern muss in der Liga am Sonntag (20.02.22, 15.30 Uhr) gegen die SpVgg Greuther Fürth ran. Zuvor steht am Mittwoch das Achtelfinalspiel in der Champions League bei RB Salzburg an (21 Uhr).

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die Sportschau am 12. Februar 2022 um 18:30 Uhr im Ersten.