Fußballspieler Thomas Müller beim Torjubel | Alexander Hassenstein/POOL/EPA-E

Bayern München - RB Leipzig 3:3 Müller wird im Topspiel zum Bayern-Retter

Stand: 05.12.2020 21:15 Uhr

Thomas Müller hat einen ganz schwach verteidigenden FC Bayern München gegen einen groß aufspielenden Herausforderer RB Leipzig vor dem Sturz von der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga bewahrt. Das Topspiel war ein sehenswertes Spektakel.

Sportschau

Beim rasanten 3:3 (2:2) am Samstagabend (05.12.2020) sorgte der Münchner Doppeltorschütze in einem hochintensiven Topspiel-Schlagabtausch in der 75. Minute für den Schlusspunkt. Mit dem Unentschieden rettete der deutsche Serienmeister den Zwei-Punkte-Vorsprung auf die Sachsen, die sich aber als echter Titelkonkurrent präsentierten. Aufwand und Effektivität stimmten lange gegen die Bayern, bei denen die Abwehr einmal mehr und ausnahmsweise auch inklusive Torhüter Manuel Neuer schwächelte.

Leipzigs Spielmacher Marcel Sabitzer sagte nach der Partie der Sportschau: "Es war sehr interessant und sehr amüsant, wir hatten einen guten Matchplan. Nach 60 Minuten gingen die Kräfte etwas verloren, aber vor allem in der ersten Halbzeit haben wir die Bayern schon vor Probleme gestellt."

Müller: "Hatten zu viele Ballverluste"

Doppel-Torschütze Müller kommentierte: "Es war nicht alles perfekt, aber man schießt nicht jedes Spiel zwei Tore. Insgesamt ist es okay und auch gut, dass wir Tabellenführer bleiben. Wir haben aktuell sicherlich auch Problemchen, hatten zu viele Ballverluste - auch ich selbst. Der Kader ist stark belastet, aber damit müssen wir umgehen."

Flick: "Ein wildes Spiel"

Bayern-Coach Hansi Flick war hin- und hergerissen: "Wir müssen auf der einen Seite zufrieden sein. Wichtig war, dass wir das Spiel nicht verloren haben. Es war ein wildes Spiel. Wir haben einige einfache Tore bekommen. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir häufiger mal wechseln müssen. Wir haben aber auch drei Tore geschossen und sind zweimal zurückgekommen. Das Pensum, das wir jetzt seit fast einem Jahr haben, ist einfach Wahnsinn."

Sein Leipziger Kollege Julian Nagelsmann analysierte: "Wenn man die erste Halbzeit gesehen hat, hatten wir riesige Möglichkeiten. Wir haben es ganz gut gespielt, in der Art und Weise, wie wir es machen wollten. Die Qualität der Bayern ist manchmal einfach sehr, sehr gut. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, wir nehmen den Punkt mit."

Nkunku, Kluivert und Forsberg treffen

Christopher Nkunku (19. Minute) Justin Kluivert (36.) und Emil Forsberg (48.) sorgten für die ersten Leipziger Bundesligatore in München. Die eigentlich ausgeruhteren Münchner waren auch offensiv in vielen Phasen nicht auf der Höhe ihres Könnens, auch wenn sie mit einem Doppelschlag von Youngster Jamal Musiala (30.) und Routinier Thomas Müller (35.) die rasante Partie vor der Pause kurz zu wenden schienen. Bayern-Coach Hansi Flick hatte das Spitzenspiel zu einem Abend für "Champions" angekündigt.

Die noch titellosen Leipziger präsentierten sich aber als echter Herausforderer der Münchner Triple-Sieger. Zwar erklärte Trainer Julian Nagelsmann die kommende und entscheidende Champions-League-Partie gegen Manchester United zum "wichtigeren Spiel", aber eine Schonhaltung nahmen die Sachsen nicht ein. Sie stressten mit hohem Laufaufwand und Aggressivität die ausgeruhteren Bayern.

Viel Tempo und hoher Kräfteverschleiß

Es entwickelte sich ein hochintensives Topspiel mit großem Tempo, hohem Kräfteverschleiß und auch ruppigen Zweikämpfen. Die Bayern brauchten einige Anlaufzeit, um Lücken in den von den Leipzigern insbesondere im Zentrum gut zugestellten Räumen zu finden. Und die Sachsen schalteten immer wieder glänzend um. Schon in der 2. Minute schoss Kapitän Marcel Sabitzer an die Latte.

Die Münchner Abwehrschwächen offenbarten sich bei den Gegentoren. Emil Forsberg schickte Nkunku wunderbar steil beim Konter - und Nationaltorhüter Neuer patzte, als er herauslief, aber ins Leere grätschte. Mit einem Doppelschlag schlug die beste Offensive der Liga zurück. Erst traf der 17-jährige Musiala, der den verletzten Javi Martínez (Leiste) frühzeitig ersetzte, mit einem platzierten Flachschuss.

Flick jubelt nur kurz

Dann schloss Müller einen Bayern-Spielzug über Robert Lewandowski und Kingsley Coman erfolgreich ab. Flick jubelte am Spielfeldrand - und ärgerte sich nur Sekunden später schon wieder nach dem viel zu leicht erzielten 2:2 von Kluivert. Der 21-Jährige erzielte nach Zuspiel von Amadou Haidara ungestört sein erstes Pflichtspieltor für RB. Die defensive Verwundbarkeit der Bayern deckten die Leipziger auch nach der Pause auf. Eine wunderbar geschlagene Flanke von Angeliño konnte Forsberg unbedrängt im Zentrum einköpfen - Jérôme Boateng und Niklas Süle hatten den Schweden nicht auf dem Radar.

Es war ein echter Wirkungstreffer. Das Aufbäumen der Bayern war erstaunlich matt. Auch die Einwechslung von Serge Gnabry für den wirkungslosen Leroy Sané verpuffte. Aber die Bayern hatten Coman und Müller. Der an allen drei Toren beteiligte Franzose flankte präzise in den Strafraum, wo Müller ungehindert zum 3:3-Endstand einköpfte.

Ein Lust- und ein Endspiel

Die Bayern haben nun am Mittwoch (09.12.2020) in der Champions League die sportlich bedeutungslose Partie gegen Lokomotive Moskau vor der Brust. In der Liga geht es dann am Samstagabend zu Union Berlin. Auf Leipzig wartet in der Königsklasse das Matchball-Spiel gegen Manchester United, dann komt Werder Bremen in die Arena.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Dezember 2020 um 21:01 Uhr.