FC Bayern Campus, Akademie, Nachwuchsleistungszentrum | Bildquelle: imago images/foto2press

Mitarbeiter im Nachwuchsleistungszentrum Rassismus-Verdacht beim FC Bayern

Stand: 13.08.2020 16:25 Uhr

Die Polizei München ermittelt aufgrund der Berichterstattung des WDR-Hintergrundmagazins "Sport inside" wegen des Rassismus-Verdachts im Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern. Der beschuldigte Mitarbeiter steht offenbar vor der Entlassung.

Von Matthias Wolf

Ein für den Staatsschutz zuständiges Kommissariat der Polizei München ermittelt gegen mindestens einen Mitarbeiter des FC Bayern aus dem Nachwuchsleistungszentrum. "Wir haben das Legalitätsprinzip", sagte der Münchner Polizei-Pressesprecher Werner Kraus am Mittwoch (12.08.2020), "das heißt, wir müssen ermitteln, wenn es um eine Straftat geht."

In diesem Fall seien Mitarbeiter der Polizei am Dienstag auf den Beitrag "Rassismus auf dem FC Bayern Campus?" auf sportschau.de aufmerksam geworden. "Würden sich die Vorwürfe bestätigen, dann läge hier in eindeutiger Art und Weise eine rassistische Handlung vor", sagte Kraus: "Es wäre dann eine Straftat." Deshalb habe man die Ermittlungen nun aufnehmen müssen.

FC Bayern zu Mitarbeit aufgefordert

Diese Ermittlungen wurden kurz darauf auch von Florian Weinzierl, Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft I, bestätigt. Nähere Auskünfte dazu gäbe es derzeit noch nicht. Polizeisprecher Kraus betonte, der FC Bayern sei nun zur Mitarbeit aufgefordert worden: "Ist das vorliegende Material belastbar?"

Hierbei geht es offensichtlich vornehmlich um die Klärung, ob die Chatverläufe echt sind. In diesen hatte der Mitarbeiter des FC Bayern sich mehrfach eindeutig rassistisch geäußert. Der Polizeisprecher betonte, derzeit sei völlig unklar, was am Ende der Ermittlungen stehen werde. Anders als etwa bei einem Mordfall bestehe keine "Eilbedürftigkeit". Unter anderem solle auch von den Ermittlern zu möglichen Opfern und Zeugen Kontakt aufgenommen werden.

Mitarbeiter offenbar vor Entlassung

Am späten Mittwochabend erfuhr "Sport inside" aus mehreren Quellen, dass der FC Bayern sich offenbar von dem beschuldigten Mitarbeiter trennen wird. Das wolle der Verein am Donnerstag dann auch offiziell verkünden, hieß es. Eine Bestätigung des Vereins gab es dazu am Abend noch nicht.

Zuvor aber hatten Jochen Sauer und Holger Seitz aus der administrativen und sportlichen Leitung des FC Bayern Campus bereits einen Brief an Spieler-Eltern verschickt. In diesem war um Mithilfe bei der Aufklärung des Falls gebeten worden. Der Verein, so hieß es in dem Schreiben, "verurteilt jegliche Art von Diskriminierung und Rassismus" und sei auch bereit, "wenn notwendig, Konsequenzen zu ziehen". Damit war die offenbar nun beschlossene Trennung bereits angedeutet worden.

Beschuldigter Trainer stellt Strafanzeige

Gleichzeitig ist der beschuldigte Trainer in die Gegenoffensive gegangen. Er hat offenbar Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Hierbei geht es um den (mittlerweile gelöschten) Fake-Account unter seinem Namen bei Twitter. Dort waren Teile der Chatverläufe, die "Sport inside" seit Wochen vorliegen, vor einigen Tagen veröffentlicht worden. 

Unterdessen treibt auch der FC Bayern offensichtlich seine interne Untersuchung voran. Nach Informationen von "Sport inside" wurden am Mittwoch mehrere Personen, die an dem vermeintlichen Chat beteiligt waren, von der Rechtsabteilung des Klubs befragt.

Quelle: sportschau.de

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