Donald Trump | AP
Kommentar

Durchsuchung in Mar-a-Lago Die Razzia wird Trump kaum schaden

Stand: 10.08.2022 02:36 Uhr

Donald Trump ist ein Experte darin, sich medial effektiv als Märtyrer zu verkaufen - so wie nun gerade wieder nach der Razzia in seinem Anwesen. Die Durchsuchung wird Trump deshalb kaum schaden.

Ein Kommentar von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Eigentlich hätte Donald Trump allen Grund, sich Sorgen zu machen. Es laufen etliche Verfahren gegen ihn. Die Justizbehörden ermitteln wegen Steuerhinterziehung und unlauterem Geschäftsgebaren. Ein Untersuchungsausschuss versucht herauszufinden, inwiefern der Ex-Präsident an der Kapitol-Erstürmung beteiligt war. Und nun auch noch eine groß angelegte Hausdurchsuchung des FBI in seinem Luxus-Anwesen Mar-a-Lago in Florida.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er jetzt Schwäche zeigen würde. Statt den Kopf einzuziehen, geht er zum Gegenangriff über. Er selbst machte die Details des FBI-Besuchs auf seinem Social-Media-Kanal "Truth Social" öffentlich. Trump ist Experte darin, mediale Aufmerksamkeit für sich auszuschlachten und sich als Märtyrer zu inszenieren.

So geschehen bereits beim Impeachment Verfahren Nummer eins und beim Impeachment Verfahren Nummer zwei. Aus beiden Verfahren kam er gestärkt hervor.

Trumps Flucht nach vorne scheint erfolgreich zu sein

Was noch unglaublicher ist: Trumps Flucht nach vorne scheint erfolgreich zu sein. Seine Organisation nahm die Razzia zum Anlass, bei den Trump-Getreuen um noch mehr Wahlkampfspenden zu bitten.

Schon jetzt hat Trumps Fundraising-Komitee - bekannt als "Save America" - bei seinen Anhängern Hunderte Millionen Dollar an Spenden eingesammelt, um die Republikaner bei den anstehenden Midterms zu unterstützen und womöglich auch seine eigene Kandidatur. Alles fußend auf der unablässigen Behauptung, dass die Präsidentschaftswahl 2020 gestohlen war und Trump eigentlich der rechtmäßige Präsident der Vereinigten Staaten wäre.

Razzia wird Trumps Popularität keinen Abbruch tun

Festzuhalten ist: Sollten FBI-Agenten in Mar-a-Lago tatsächlich belastendes Material gegen ihn gefunden haben, oder sollte er sich auf irgendeine Art und Weise strafbar gemacht haben, wird das seiner Popularität keinen Abbruch tun - ganz im Gegenteil. Trump wird vermutlich einen Weg finden, eine Anklage zu umgehen oder auf unbestimmte Zeit aufzuschieben - wie er es übrigens schon unzählige Male bei anderen Verfahren gemacht hat.

Seine Anhänger werden ihn feiern und ihm den Rücken stärken - denn Fakten oder Beweise haben für eingefleischte Trump-Fans bekanntermaßen keine Relevanz. Trump selbst wird die Hausdurchsuchung vermutlich erst recht anstacheln, 2024 noch einmal anzutreten.

Den Demokraten droht der Super-GAU

Sollte das FBI allerdings keine spektakulären Ermittlungserfolge vorweisen können, wäre das der Super-GAU für die Demokraten. Ihre politischen Gegner würden ihnen Inkompetenz und politische Motive vorwerfen - statt juristisch fundiertes Vorgehen.   

Statt sich in Nebenkriegsschauplätzen zu verlieren, sollten sich die Demokraten lieber auf die Vorbereitung der nächsten Präsidentschaftswahl konzentrieren, zum Beispiel schon jetzt über geeignete Kandidaten nachdenken, die das Potential haben, einen Kontrahenten wie Trump auszuschalten. 

Denn: eine weitere Amtszeit unter Donald Trump würde nicht nur die US-Gesellschaft weiter fürchterlich entzweien, sondern auch die Demokratie auf lange Sicht aufs Spiel setzen.

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. August 2022 um 18:08 Uhr.