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Betrug im sozialen Netzwerk Immer mehr Fake-Shops auf Instagram

Stand: 31.08.2021 05:00 Uhr

Instagram wird nach Recherchen des SWR-Magazins Marktcheck zunehmend für betrügerische Angebote genutzt. Das soziale Netzwerk tut jedoch bisher wenig gegen den Missbrauch. Die EU will nun Abhilfe schaffen.

Von Nick Schader, SWR

Die Plattform Instagram wird nach Recherchen des SWR-Verbrauchermagazins Marktcheck immer häufiger von betrügerischen Fake-Shops genutzt, die dort Werbeanzeigen schalten. Diese Anzeigen haben oftmals eine Reichweite von mehreren Millionen Usern. Die Betreiber der betrügerischen Shops nutzen dabei aus, dass sie gegen eine entsprechende Gebühr Werbeanzeigen auf Instagram schalten können, um die Nutzer dann auf betrügerische Internet-Seiten zu leiten.

Von Instagram zum Fake-Shop

Die Werbeanzeigen führen per Link zum Teil zu dubiosen Internetshops. Diese sehen auf den ersten Blick seriös aus. Zudem ist meist nicht zu erkennen, dass die Betreiber in China sitzen. Für die Bezahlung wird auch der Bezahldienst PayPal genutzt.

Wer bei diesen Anbietern etwas bestellt, bekommt allerdings nicht das Produkt geliefert, das beworben wird. Stattdessen werden billige, minderwertige Produkte an den Käufer versandt, die zum Teil kaum etwas mit der Bestellung zu tun haben.

Testbestellungen deuten auf Betrug hin

Zu Testzwecken hatte der SWR bei zehn Anbietern Waren bestellt, die sehr große Werbekampagnen auf Instagram geschaltet haben. Einige der Werbevideos hatten fast fünf Millionen Aufrufe, allein auf Instagram.

Der statt dem Ofen gelieferte Eimer

Eimer statt Ofen: Die getesteten Fake-Shops lieferten andere Produkte oder Müll.

Bei keinem der Testkäufe wurde das beworbene Produkt geliefert. In einem Fall wurden statt eines Laptopständers einige Holzbrettchen verschickt - in einem anderen Fall bekam der SWR statt eines Outdoor-Ofens aus Edelstahl einen billigen Blecheimer aus China.

IT-Experte: Betrugsmasche als "Massenphänomen"

Die Mitarbeiter der "Watchlist Internet" aus Wien beobachten seit Langem betrügerische Aktivitäten im Internet, auch im Auftrag der Österreichischen Regierung. In ihrer Datenbank befinden sich bereits mehr als zehntausend betrügerische Internet-Seiten.

Declan Hiscox

IT-Experte Hiscox befürchtet, dass sich das Phänomen weiter ausbreitet.

IT-Experte Declan Hiscox von der Watchlist warnt vor der Betrugsmasche auf Social-Media-Plattformen: "Wenn wir uns das Phänomen von betrügerischen Onlineshops ansehen, dann geht da der Trend absolut nach oben. Das gleiche gilt auch für die Werbeschaltungen auf Social-Media-Plattformen, wie Instagram, TikTok oder Facebook für genau solche Angebote."

Betrug trotz PayPal-Käuferschutz

Auch wer das Produkt per PayPal bezahlt hat ist trotz des sogenannten Käuferschutzes nicht unbedingt sicher - auch das haben die SWR-Recherchen gezeigt. Nach der Beschwerdemeldung wird der Käufer von PayPal stets aufgefordert, das Produkt an den Fake-Shop zurückzuschicken.

Doch bei Anbietern, die mit einem falschen Impressum agieren, ist eine Rücksendung unmöglich. Zudem sind die Kosten für einen Paketversand nach China in der Regel höher als der Kaufpreis der Produkte - damit wird eine Retoure finanziell sinnlos.

Louise Beltzung von "Watchlist Internet"

Laut Louise Beltzung von "Watchlist Internet" nutzen die Betrüger eine Lücke in den PayPal-Bestimmungen.

Das nutzten die Betrüger ganz bewusst aus, sagt Louise Beltzung von der "Watchlist Internet". Ihre Opfer würden dann oft aufgeben und auf eine Rückzahlung verzichten, was die Fake-Shops einkalkulierten. Sie hat mit ihren Kollegen daher gerade ein Browser-Plugin programmiert, das Fake-Shops vollautomatisch erkennen soll.

Nach SWR-Recherchen: Instagram sperrt Anbieter

Im Rahmen der Recherchen hat der SWR sowohl Instagram als auch PayPal die Namen von Fake-Shops übermittelt. Doch zu den konkreten Fällen äußerten sich beide Firmen nicht. Lediglich ein Anbieter wurde nach den Anfragen des SWR von Instagram gesperrt. Ein anderer Shop wurde, offenbar vom Betreiber, sofort aus dem Netz genommen, nachdem sich die SWR-Reporter als Journalisten zu erkennen geben hatten.

Etliche weitere Fake-Shops sind allerdings bis heute online. Damit konfrontiert, antwortet der Mutterkonzern von Instagram: "Wir arbeiten stetig daran, unsere Technologien noch weiter zu verbessern, um gegen diese Form von Betrug vorzugehen und wollen in Zukunft noch mehr tun, um solche Konten von unseren Plattformen fernzuhalten."

Bezahldienst hält sich bedeckt

Auch PayPal äußerte sich zu den konkreten Fake-Shops nicht - auch nicht auf die Frage, warum diese bis heute die PayPal-Dienste nutzen dürfen. Ganz allgemein teilte man dem SWR mit: "PayPal duldet keinen Missbrauch seiner Plattform für betrügerische Aktivitäten und geht Hinweisen auf Verstöße gegen die PayPal-Nutzungsrichtlinie nach. Jeder einzelne Fall wird von einem Team von Fachleuten […] bearbeitet."

Dem widerspricht ein langjähriger PayPal-Mitarbeiter in Berlin, zu dem der SWR im Rahmen der Recherchen Kontakt bekam. Seiner Aussage nach kümmere sich PayPal viel zu wenig um die Beschwerden: "Für PayPal ist die Rechnung ganz einfach: Wenn der Umsatz des Verkäufers stimmt spielen die Beschwerden für PayPal keine Rolle. Die Mails versanden dann in den Kundencentern in Irland oder China." Zu diesem konkreten Vorwurf äußerte sich PayPal nicht.

EU-Berater: Lücken beim Verbraucherschutz

Der Jurist Christoph Busch ist einer der Fachberater der EU-Kommission zum Thema Online-Handel. Er ist der Meinung, dass der Verbraucherschutz auf den Social-Media-Plattformen deutlich verbessert werden muss. Die aktuellen EU-Regelungen seien aus dem Jahr 1999 - "also aus einer Zeit, als es Instagram und Co. noch gar nicht gab", so Busch.

Christoph Busch

Jurist Busch hofft auf Abhilfe durch den geplanten "Digital Services Act" der EU.

Bei der EU habe man das Problem erkannt, sagt der Jurist. Derzeit arbeite die EU-Kommission an einem neuen "Digital Services Act", "und der soll Sorgfaltspflichten für Online-Plattformen, also auch für Instagram beispielsweise, formulieren und bei Plattformen, auf denen Kaufverträge abgeschlossen werden können soll eine Verpflichtung eingeführt werden, dass die Identität der Händler überprüft werden soll".

Doch bis die neuen Regelungen kommen wird es noch mindestens zwei Jahre dauern, fürchtet der Jurist. Bis dahin, so raten auch Verbraucherschützer, sollten User lieber nur bei Shops kaufen, die sie kennen - und bei unbekannten Shops außerhalb der EU lieber vorsichtig sein.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 31. August 2021 um 12:26 Uhr.

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