Leerstehendes Wohnhaus (Archivbild) | dpa
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Trotz massiven Bedarfs Jede sechste bundeseigene Wohnung steht leer

Stand: 03.05.2022 05:03 Uhr

Viele Immobilien im Besitz des Bundes sind unbewohnt - zum Teil jahrelang. Zu den Gründen zählen mangelhafte Bausubstanz und massive Sanierungsrückstände.

Von Robert Bongen und Jan Körner, NDR

Die Zahl der bundeseigenen Wohnungen, die leer stehen, hat einen neuen Höchstwert erreicht: 6455 der insgesamt rund 38.000 Wohneinheiten im Bestand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) waren am Stichtag 31. März 2022 nicht genutzt. Das entspricht einer Gesamtfläche von mehr als einer Million Quadratmetern.

Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Schriftliche Frage der Linkspartei-Bundestagsabgeordneten Caren Lay hervor, die dem NDR-Politikmagazin Panorama 3 vorliegt. Damit steht mittlerweile jede sechste bundeseigene Wohnung leer. Besonders eklatant ist der Leerstand in Nordrhein-Westfalen mit 2204 ungenutzten Wohneinheiten.

Deutlicher Anstieg 

Der Wohnungsleerstand der BImA hat sich damit in den vergangenen anderthalb Jahren nahezu verdoppelt. Am 31.10.2020 waren noch 3260 von damals rund 35.800 bundeseigenen Wohnungen ungenutzt. Die Gesamt-Leerstandsquote wuchs von 9,1 Prozent auf 17,0 Prozent an.

"Der starke Anstieg des Leerstands in bundeseigenen Liegenschaften ist nicht hinnehmbar, angesichts der Wohnungsnot und der explodierenden Mieten in den vergangenen Jahren", so Caren Lay, wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. Dass jede sechste Wohnung der BImA leer stehe, sei ein handfester Skandal.

BlmA: Viele Wohnungen nicht vermietbar

Auf Nachfrage von Panorama 3 bestätigte die BImA den Wert zum Wohnungsleerstand. Dieser sei allerdings nur rein rechnerisch richtig, weil er wichtige Bezugsgrößen außer Acht lasse. So müsse man die Wohnungen abziehen, die sich im Verkaufsportfolio der BImA befinden.

Dann blieben nur 12,5 Prozent aller Wohnungen aus dem Portfolio übrig, die die BImA zwar schnellstmöglich vermieten möchte, "es derzeit aber aus verschiedenen gewichtigen Gründen gar nicht kann", teilte die Anstalt mit: "Diese Wohnungen weisen entweder erhebliche Mängel auf, haben einen großen Sanierungsbedarf oder sind noch nicht nutzbar, weil beispielsweise notwendiges Planungsrecht fehlt." So komme man auf eine Leerstandsquote der vermietungsfähigen Wohnungen von lediglich 2,9 Prozent.

Offenbar Sanierungsrückstand

Nach Panorama 3-Recherchen gibt es etwa in Hamburg BImA-Häuser, die seit mehr als vier Jahren ungenutzt sind und auf ihre Sanierung warten. "Immer mehr Menschen finden keine Wohnung. Hinzu kommen jetzt Geflüchtete aus der Ukraine. Leer stehende Wohnungen müssen sofort vergeben werden", fordert Linken-Politikerin Lay. Darüber hinaus müsse der Umbau von Büros und weiteren Immobilien zu Wohnungen dringend angegangen werden, um neuen Wohnraum zu schaffen

Die BImA verzeichnete zum Stichtag laut Bundesregierung einen Gesamtgebäudeleerstand in Höhe von über fünf Millionen Quadratmetern; dazu gehören neben Wohnraum vor allem Büroflächen mit etwa 1,5 Millionen Quadratmetern sowie weiteren Nutzungsarten wie Dienstleistungs- und Lagerflächen mit insgesamt etwa 2,9 Millionen Quadratmetern.

Die BImA teilte mit, dass sie aktuell Ländern, Landkreisen und Kommunen mehr als 58.000 Unterbringungsplätze zur Unterbringung von Asylbegehrenden und Geflüchteten mietzinsfrei überlassen habe. Davon seien derzeit über 29.000 Plätze belegt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. April 2022 um 08:23 Uhr.