Screenshot Sucharit Bhakdi vom Youttube-Kanal Kai Stuht - Project Fovea | youtube.com / Kai Stuht - Project Fovea

Antisemitische Aussagen Bhakdi, die Juden und das "Erzböse"

Stand: 14.07.2021 15:11 Uhr

Immer wieder fallen Kritiker der Coronamaßnahmen durch antisemitische Äußerungen oder NS-Relativierungen auf. Der Bundestagskandidat Bhakdi hat mit aktuellen Aussagen in der Hinsicht eine neue Dimension erreicht.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de
Das Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land, aus diesem Land, wo das Erzböse war, und haben ihr Land gefunden, haben ihr eigenes Land in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland war. (…) Das ist das Schlimme an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt - und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt living hell - die lebende Hölle.

So äußerte sich einer der bekanntesten Protagonisten der Maßnahmenkritiker im April in einem jetzt auf einer maßnahmenkritischen Website veröffentlichten Interview: der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi, Bundestagskandidat der Partei Die Basis. Zuvor war das Video bereits auf anderen Webseiten und in Telegram-Kanälen geteilt worden.

Wulf Rohwedder

Antisemitismus schon länger in der Szene etabliert

Es ist nicht der erste antisemitische oder NS-relativierende Ausfall von bekannten Mitgliedern der Szene. So behauptete der Rechtsanwalt Reiner Fuellmich, ebenfalls Bundestagskandidat der Basispartei, die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung seien schlimmer als der Holocaust. Gegner der Maßnahmen setzten sich mit den NS-Opfern Anne Frank und Sophie Scholl gleich. Stefan Homburg, mit Bhakdi im Vorstand der maßnahmenkritischen Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD), verglich die Situation in Deutschland mit der von 1933.

Eskalation deutlich erkennbar

Der Antisemitismusbeauftrage der Bundesregierung, Felix Klein, bezeichnet den Judenhass jedoch als zentrales Bindeglied der Corona-Proteste. Meist ergingen sie sich in Bezug auf Antisemitismus in Andeutungen und codierter Sprache, vermieden den direkten Tabubruch. Inzwischen scheinen immer mehr Protagonisten auf dieses Dogwhistling zu verzichten.

Auch laut dem Antisemitismusbeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg, Michael Blume, habe sich der Antisemitismus unter deutschen Verschwörungsgläubigen längst wieder normalisiert. Bhakdi sei in dieser Hinsicht ebenfalls schon aufgefallen, erklärt er gegenüber tagesschau.de. So habe er bereits im vergangenen Jahr eine deutsche Ministerin aus einer jüdischen Familie mit dem ungeheuerlichen Vorwurf belegt, eine "Vergiftung unserer Kinder durch CO2" zu betreiben.

Blume sieht durchaus Chancen, dass Bhakdis aktuelle Äußerungen strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Dies wäre möglich, zumal aktuell ein neuer Straftatbestand für "verhetzende Beleidigung" geschaffen worden sei. "Ich hoffe sehr, dass unsere Justiz der fortschreitenden Radikalisierung Einhalt gebieten kann", sagte er zu tagesschau.de.

Partei spricht von "billigem Framing"

Bhakdis Partei sieht in dessen Aussagen indes kein Problem. Sie sehe in den Antsemitismusvorwürfen gegen ihren Kandidaten eine "absurde Unterstellung" und "billiges Framing", schreibt sie auf Twitter:

Anfragen von tagesschau.de zu Stellungnahmen und möglichen Konsequenzen aus den Aussagen Bhakdis wurden bisher weder von der Basispartei noch von den MWGFD beantwortet.

Über dieses Thema berichtete der BR am 09. Juli 2021 um 06:05 Uhr in der Sendung "radioWelt".