Ein Transportschiff fährt auf dem Rhein | Bildquelle: dpa

Ebbe im Flussbett Wirtschaft klagt über Niedrigwasser

Stand: 22.10.2018 12:44 Uhr

Nach langer Dürre wird leichter Regen erwartet. Doch auf das Niedrigwasser in Rhein und Elbe dürfte dies kaum Auswirkungen haben, sagen Experten. Die Folgen: keine Schiffsreisen, gedrosselte Produktion, teureres Heizöl.

Trotz angekündigten Regens dürfte sich die schwierige Lage für die Binnenschifffahrt in Rhein und Elbe nicht verbessern. "Wir erwarten heute maximal fünf Liter Niederschlag pro Quadratmeter", sagt Diplom-Meteorologe Michael Köckritz. Dabei sei im besten Fall der Norden betroffen, am Rhein würde es kaum regnen. "Dies wird aber auch kaum zu einem Anstieg der Pegelstände führen", vermutet der ARD-Wetterexperte im Gespräch mit tagesschau.de. Auch der vorhergesagte morgige Niederschlag dürfte die Lage kaum entspannen.

Somit müssen Transportunternehmer, die die großen Wasserwege in Deutschland nutzen, weiterhin Geduld haben. Das Problem: Die Schiffe können wegen des Niedrigwassers nicht mehr so schwer beladen werden. Am Rhein dürften manche Schiffe nur etwa ein Drittel der üblichen Ladung transportieren, sagte Roberto Spranzi von der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt der Deutschen Presse-Agentur. Die Preise je beladener Tonne hätten sich durch die hohe Nachfrage nach zusätzlichen Schiffen in etwa vervierfacht.

Ein Binnenschiff passiert in der verbliebenen, schmalen Fahrrinne bei Bodenheim. | Bildquelle: dpa
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Schmale Fahrrinne: Ein Binnenschiff auf dem Rhein bei Bodenheim.

"Alles, was schwimmen kann, fährt momentan"

Dementsprechend sind mehr Schiffe auf dem Rhein unterwegs. "Alles, was schwimmen kann, fährt momentan", sagt Spranzi. So musste der Industriekonzern Thyssenkrupp zusätzliche Schiffe mieten, die zwischen Rotterdam und Duisburg verkehren.

Auch der Kölner Spezialchemiehersteller Lanxess nutzt mehr Schiffe als sonst. Der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen musste wegen des extremen Niedrigwassers die Produktion drosseln. Im Leverkusener Chempark und beim Chemiekonzern Lanxess werden Lieferungen auf Straße und Schiene umgelagert.

Auch der Schrotthandel beklagt deutlich höhere Kosten. Laut der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen haben sich die Frachtkosten auf Rhein, Main und Neckar auf bis zu 40 Euro pro Tonne vervierfacht.

Heizölpreise steigen

Nach Angaben der Seite "Heizoel24" seien die niedrigen Wasserstände der Flüsse auch Grund für die gestiegenen Preise für Heizöl. Sie haben ihren höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Im bundesweiten Durchschnitt waren mehr als 84 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern) zu bezahlen, wie aus den Preisseiten im Internet hervorgeht.

Auch für den Tourismus gibt es Einschränkungen: Auf der Elbe bei Magdeburg fahren seit Monaten keine Binnenschiffe und Ausflugsdampfer mehr, wie das Wasser- und Schifffahrtsamt mitteilte. In Brandenburg dürfen auf Elbe und Oder bereits seit dem Frühsommer keine Güterschiffe verkehren.

Das Niedrigwasser wirkt sich auch auf den Main-Donau-Kanal aus, wo im September nur rund ein Drittel der üblichen Gütermengen passieren konnte. Einzelne Flusskreuzfahrtschiffe oder Ausflugsdampfer können bundesweit Städte nicht mehr anfahren, müssen umleiten oder beendeten die Saison frühzeitig, teilte der Bonner Reiseveranstalter Phoenix Reisen mit. "Der wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich", heißt es vom Branchenverband IG River Cruise.

"Kaum bemerkbar"

Bis es zu einem deutlichen Anstieg der Pegelstände kommt, dürfte es noch dauern. "Damit sich der Niederschlag bemerkbar macht, muss es zumindest einige Tage lang regnen", sagt Bernhard Meßmer, Leiter des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamtes in Bingen, tagesschau.de.

Auch Jan Böhme, der Hydrologe des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Duisburg-Rhein, sagt: Der Regen werde zunächst keine nachhaltige Wirkung haben. Der Pegelstand des Rheins bei Duisburg betrug Montagvormittag 156 und in Köln 70 Zentimeter. In Bingen lag er am Mittag bei 47 Zentimeter.

Immerhin: Diplom-Meteorologe Köckritz verweist sehr vorsichtig auf das Wochenende. "Am Wochenende könnten stärkere Regenfälle anstehen", sagte er, "allerdings ist das noch unsicher". Ob diese dann auch wirklich die Pegelstände steigen lassen, bleibt ungewiss.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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