Wikipedia-Logo auf einem Computerbildschirm | Bildquelle: picture alliance / Sven Hoppe/dp

Online-Enzyklopädie Wikipedia geht aus Protest offline

Stand: 26.03.2019 14:06 Uhr

Das deutschsprachige Wikipedia ist heute abgeschaltet - für den ganzen Tag. Der Schritt ist ein Zeichen des Protestes gegen die EU-Urheberrechtsreform und geplante Upload-Filter.

Von David Zajonz, ARD-Hauptstadtstudio

Keinen einzigen deutschen Wikipedia-Artikel können Internetnutzer heute auf der Wikipedia-Homepage lesen. Für die Komplett-Blockade haben sich die ehrenamtlichen Wikipedia-Autoren entschieden - aus Protest gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform.

"Unsere Ablehnung kommt daher, dass uns klar ist, was es bedeutet, wenn sämtliche Äußerungen im Netz, die irgendetwas mit fremden Inhalten tun, erstmal durch Filter laufen und ihre Rechtmäßigkeit belegen müssen, bevor sie erscheinen können", sagt John Weitzmann von Wikimedia-Deutschland. Im Zentrum der Kritik stehen sogenannte Upload-Filter. Das sind Computerprogramme, die vorher prüfen, ob ein Nutzer urheberrechtlich geschütztes Material hochlädt.

Upload-Filter schüren Befürchtungen

Wikipedia fürchtet, dass sich die geplante EU-Reform des Urheberrechts nur mit Filtern umsetzen lässt. Die seien aber fehleranfällig. "Es würde immer wieder zu 'Overblocking' kommen. Dass Dinge, die eigentlich zulässig gepostet und geteilt werden dürfen, dann auf einmal nicht erscheinen", warnt Weitzmann.

Der Protest gegen Upload-Filter läuft auf Hochtouren. Millionen Unterschriften wurden gesammelt. Tausende Menschen gehen auf die Straßen. Dass der Widerstand in Deutschland besonders groß ist, liegt nach Einschätzung des Internet-Experten Sascha Lobo an der gut organisierten Netzgemeinde. Dazu zählt Lobo auch die YouTube Stars mit ihren Millionen Fans. "Die YouTube-Größen sind manchmal verstörend unpolitisch", sagt Lobo. "Wenn es dann aber wirklich um Dinge geht, die sie betreffen, werden sie auf einmal relativ schnell laut."

Protest gegen geplante EU-Urheberrechtsreform: Wikipedia geht offline für einen Tag
tagesschau 12:00 Uhr, 21.03.2019, Claudia Dexel, NDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Große Koalition in der Kritik

Zum Unmut trägt bei, dass die Bundesregierung keine gute Figur macht. Im Koalitionsvertrag lehnte sie die Upload-Filter klar ab. Der EU-Reform stimmte sie am Ende aber zu. Seitdem verbreitet sich in den sozialen Medien der Hashtag #NiemehrCDU. Auch die SPD wird kritisiert, weil eine SPD-Ministerin die Regierung in Brüssel vertreten hat.

"Justizministerin Katarina Barley meinte vor der letzten Trilog-Verhandlung, dass sie Filter nicht möchte. In den Verhandlungen hat sie dafür gestimmt. Wie glaubwürdig sind diese Sozialdemokraten noch?", fragt die AfD-Digitalpolitikerin Joana Cotar. Auch Linke, Grüne und FDP sind gegen Upload-Filter.

SPD lehnt jüngsten CDU-Vorstoß ab

Vor einigen Tagen zauberten CDU und CSU einen Lösungsvorschlag aus dem Hut. Deutschland solle bei der nationalen Umsetzung der EU-Richtlinie Upload-Filter verhindern. Durch eine Regel, bei der Plattformen wie YouTube pauschal Lizenzgebühren an Urheber zahlen sollen.

Der neue Generalsekretär Paul Ziemiak beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg. | Bildquelle: REUTERS
galerie

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak verärgert mit dem Unionsvorschlag die SPD.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak trieb diese Idee voran. "Wir wollen natürlich Urheberrechte schützen und am Ende aber jetzt auch die Rechte von Nutzern in der digitalen Welt stärken", sagt er.

Upload-Filter ja, aber nicht in Deutschland? Carsten Schneider, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, lehnt das ab. "Ich finde es dreist von der CDU zu sagen 'wir werden es in Deutschland nicht einführen', wenn ihre Abgeordneten im Europäischen Parlament dafür stimmen. Das macht keinen Sinn", sagt Schneider. Die SPD-Spitze will sich für eine europaweite statt nationale Regelung einsetzen, die Upload-Filter verhindert. Bei einem Parteikonvent an diesem Samstag wollen die Sozialdemokraten einen Beschluss dazu fassen. Das würde Änderungen in letzter Minute bedeuten. Die Wikipedia-Autoren und viele andere Netzaktivisten hoffen darauf.

Hinweis der Redaktion: Über die App sind die Wikipedia-Inhalte abrufbar.

Upload-Filter: Warum die deutsche Wikipedia heute offline ist
D. Zajonz, ARD Berlin
21.03.2019 09:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten das ARD Morgenmagazin am 21. März 2019 um 05:45 Uhr.

Korrespondent

David Zajonz | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo WDR

David Zajonz, WDR

Darstellung: