Fragen und Antworten

Hühner im Stall | Bildquelle: dpa

Vogelgrippe in Deutschland Wie gefährlich ist das Virus H5N8?

Stand: 15.11.2016 15:41 Uhr

In Deutschland ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Viele Verbraucher wollen nun wissen, wie sie sich vor dem Virus schützen können und ob eine Übertragung auf Menschen und Haustiere möglich ist.

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Von Alexander Drost, tagesschau.de

Die Geflügelpest in Deutschland breitet sich aus. Nachdem der Erreger zunächst in Wildvögeln nachgewiesen worden war, sind nun auch Nutztiere betroffen. In Schleswig-Holstein mussten in einem Hühnerbetrieb bereits 30.000 Tiere getötet werden.

Besteht für Verbraucher ein Gesundheitsrisiko durch Geflügelprodukte?

Wer momentan eine Ente oder Gans auf dem Markt oder im Lebensmittelgeschäft kauft, könne sicher sein, dass die Tiere nicht infiziert seien, heißt es beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Eine Übertragung des Erregers über infizierte Lebensmittel auf Menschen sei zwar theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät aber dazu, auf alle Fälle grundsätzliche Hygieneregeln im Umgang mit und bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukten zu beachten:

  • rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, insbesondere wenn Letztere nicht noch einmal erhitzt werden

  • Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohen Geflügelprodukten in Berührung gekommen sind, gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen

  • Verpackungsmaterialien, Auftauwasser u.ä. sofort entsorgen

  • Hände mit warmem Wasser und Seife waschen

  • Geflügelspeisen gründlich durchgaren. Das bedeutet, dass für mindestens zwei Minuten eine Kerntemperatur von 70 °C erreicht werden muss.

  • Eier sollten vor dem Verzehr so lange kochen, bis Eiweiß und Eigelb fest sind, d.h. je nach Größe für mindestens sechs Minuten.

Ist H5N8 überhaupt auf den Menschen übertragbar?

Infektionen des Menschen mit diesem Virus sind nach Angaben des FLI bislang weltweit nicht nachgewiesen worden. Wie bei allen Geflügelpestviren seien aber auch bei H5N8 erhöhte Schutzmaßnahmen beim Umgang mit potenziell infiziertem Geflügel und Wildvögeln einzuhalten. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, "in Gebieten, die von der Vogelgrippe betroffen sind, Geflügelmärkte zu meiden, keine toten Vögel anzufassen und auf eine gute Händehygiene zu achten."

Kann das Virus auf Haustiere - wie Hunde und Katzen - übertragen werden?

Dass sich aasfressende Säuger wie Katzen, Hunde oder Füchse an infizierten Wildvögeln anstecken, ist nach Auskunft des FLI unwahrscheinlich. Dennoch will das Bundesforschungsinstitut diese Möglichkeit prüfen. Experimentelle Versuche in den Hochsicherheitslaboren des Instituts sollen klären, ob der Erreger prinzipiell in der Lage ist, auf Säuger überzugehen. Unter anderem sollen Schweine, Mäuse und auch Frettchen künstlich infiziert werden.

Bei industrieller Tiernahrung gibt das FLI Entwarnung: Der Herstellungsstandard für Tierfutter in Deutschland schließe eine Belastung mit entsprechenden Erregern aus. Aber: Selbst zubereitetes Futter mit Geflügelfleisch sollte über 70 Grad erhitzt werden, um Influenzaviren abzutöten.

Welche finanziellen Folgen hat die Pest?

Wenn die Geflügelpest - trotz Stallpflicht - einen Betrieb befällt, müssen alle Tiere getötet werden. Für Geflügelzüchter ist das zunächst eine drastische Maßnahme. In diesem Fall werden Landwirte allerdings aus den Seuchenkassen entschädigt - allerdings nur, wenn die Bestimmungen in Punkto Stallpflicht und Seuchenbekämpfung auch eingehalten wurden. Sonst gehen die Betriebe leer aus.

Der niedersächsische Landesverband der Geflügelwirtschaft fürchtet darüber hinaus, dass die heimischen Gänse jetzt in Ställen untergebracht werden müssen. Auf dem engen Raum könnten die Tieren aggressiv werden und sich gegenseitig verletzen. In diesem Fall wären die Gänse nicht mehr verkäuflich.

Die Vogelgrippe breitet sich in Deutschland aus
morgenmagazin, 14.11.2016, Tobias Gellert, NDR

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Wie kann die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden?

In diesem Zusammenhang verweist das FLI auf EU-weite und nationale Vorschriften, mit denen es gelingen soll, die Geflügelpest zu bekämpfen. Grundsätzlich werde das Geflügel in infizierten Beständen getötet und beseitigt. Zudem würden die zuständigen Behörden Schutz- bzw. Überwachungszonen einrichten, in denen Geflügelbestände unter besonderer Beobachtung stünden, um eine weitere Verbreitung des Erregers zu verhindern.

Zur Eindämmung der Grippe setzt das Bundesagrarministerium konkret darauf, dass die betroffenen Bundesländer eine Stallpflicht in Gebieten anordnen sollen, in denen die Wahrscheinlichkeit eines Virus-Eintrages hoch seien. Auf diese Weise sollen Nutztiere von Wild- und Zugvögeln abgeschottet werden.

Gänse im Stall | Bildquelle: dpa
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Gänse leben im Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen) im Stall. In bestimmten Teilen Nordrhein-Westfalens gilt seit heute wegen der Vogelgrippe eine Stallpflicht für Geflügel.

Der "Nordwest-Zeitung" sagt Thomas Mettenleiter vom FLI, dass die Stallpflicht das geeignete Mittel zur Eindämmung der Vogelgrippe sei. Verhindert werden müssten auch indirekte Kontakte über Einstreu, Futter, Trinkwasser und über Personen oder Fahrzeuge. Betroffen von dem Virus seien vor allem Wasservögel, inzwischen aber auch Greifvögel wie Bussarde.

Keine Ausnahme für Merkels Weihnachtsgans

Die Pommerngans für die Kanzlerin muss wegen der Vogelgrippe ihre letzten Wochen im Stall verbringen. Zusammen mit etwa 20 weiteren Tieren hat der vorpommersche Hobbygeflügelhalter Wolfhard Molkentin die Gans wegen der Geflügelpest nun von der Wiese geholt. "Natürlich habe ich wie andere Tierhalter die Weisung des Ministers umgesetzt", sagte der 75-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Seit 14.11.2016 gilt in Mecklenburg-Vorpommern wegen der Vogelgrippe die Stallpflicht. Kanzlerin Merkel bezieht seit Jahren zu Weihnachten eine Pommerngans vom Pensionär Molkentin, der diese normalerweise bis zur Schlachtung in Freilandhaltung großzieht.

Woher kommt das Virus?

Vermutlich ist der Erreger von Zugvögeln aus Russland nach Mitteleuropa getragen worden. FLI-Präsident Thomas Mettenleiter sagte, das Virus sei im Sommer 2016 bei Wildvögeln in Zentralrussland, Sibirien und der Mongolei nachgewiesen worden. Da der aktuell in Mitteleuropa auftretende Erreger dem im Sommer gefundenen "sehr ähnele", könne man davon ausgehen, dass er von dort über Wildvögel nach Westen gelangt sei.

Das FLI hält es durchaus für möglich, dass sich die Situation noch verschärfen könnte. Hintergrund ist, dass sich der Vogelzug, bei dem Hunderttausende Vögel allwinterlich vor der Kälte im Osten und Norden Europas nach Westen fliehen, erst am Anfang stehe.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. November 2016 um 16:03 Uhr

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