Eine Tierärztin legt eine tote Reiherente auf einen Metalltisch. | dpa

Bundesweite Stallpflicht? Die Angst vor der Vogelgrippe ist zurück

Stand: 14.11.2016 14:28 Uhr

Das Vogelgrippevirus H5N8 ist zurück. Am Wochenende wurden in Schleswig-Holstein 30.000 Hühner getötet, nachdem der Erreger in dem Zuchtbetrieb nachgewiesen werden konnte. Auch Wildvögel in mehreren Ländern sind erkrankt. H5N8 ist in diesem Jahr besonders aggressiv.

Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe sind die Veterinbehörden bundesweit alarmiert. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zog eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel in Erwägung, um Kontakte mit erkrankten Wildvögeln zu verhindern. "Wir werden in Abstimmung mit den Ländern, wenn sich es ausdehnt, auch in eigener Entscheidung auf Bundesebene mit dem Krisenstab eine Aufstallungspflicht beschließen", kündigte er an. Er werde mit seinen niederländischen, dänischen und polnischen Kollegen über das weitere Vorgehen beraten, sagte Schmidt.

Mitarbeiter eines Biohofs in Mecklenburg-Vorpommern treiben bisher freilebende Waldputen zusammen  | dpa

Mitarbeiter eines Biohofs in Mecklenburg-Vorpommern treiben bisher freilebende Waldputen zusammen. Bild: dpa

30.000 Tiere getötet

Nach Untersuchungen des für Tierseuchen zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist das in diesem Jahr auftretende Geflügelpest-Virus H5N8 aggressiver als beim Befall vor zwei Jahren. Befallene Wildvögel würden etwa sehr krank. Das sei vor zwei Jahren nicht so gewesen. Damals hätten manche Wildtiere die Erkrankung überlebt. Zudem habe vor zwei Jahren auch ein Zuchtentenbestand in Großbritannien die Infektion überlebt. Gefahren für Menschen oder Säugetiere bestünden jedoch nicht.

Bislang wurde die Vogelgrippe bei zwei Geflügelhaltern in Schleswig-Holstein und einem in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. 30.000 Tiere im Kreis Schleswig-Flensburg mussten getötet werden. Um den Hof wurde eine Sperrzone eingerichtet. In Mecklenburg-Vorpommern wurden fünf Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete etwa am Nordufer des Schweriner Sees oder der Insel Riems eingerichtet. Aus Sperrbezirken darf für die Dauer von 21 Tagen kein Geflügel heraustransportiert werden. Dasselbe gilt für Fleisch oder Fleischerzeugnisse.

Eine Tierärztin legt eine tote Reiherente auf einen Metalltisch. | dpa

Eine Tierärztin legt im Diagnostikzentrum des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes in Aulendorf (Baden-Württemberg) eine tote Reiherente auf einen Metalltisch. Bild: dpa

Präventive Stallpflicht

Daneben gibt es zahlreiche bestätigte Fälle unter Wildvögeln. So wurde etwa in Baden-Württemberg bis Montag zunächst bei 126 Wildvögeln das Virus nachgewiesen. Betroffen ist vor allem die Bodensee-Region. In drei Landkreisen wurde deswegen eine Einstallungspflicht erlassen. Niedersachsen erließ für die Hälfte der Landesfläche eine präventive Aufstallpflicht. In Nordrhein-Westfalen gilt ab Dienstag in sogenannten Risikogebieten ein Zwang zur Haltung in geschlossenen Stellen.

Der Erreger wurde bisher bei Wildvögeln in Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden, Kroatien und Israel festgestellt.

Über dieses Thema berichtete u.a. tagesschau24 am 14. November 2016 um 11:00, 12:15 und 15:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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firefighter1975 14.11.2016 • 18:39 Uhr

17:39 von captainmic

" was macht man denn, wenn die ersten 20 menschen an "vogelgrippe" erkranken? den ort absperren? das ganze land?" Man isoliert die betreffenden Fälle, behandelt sie bestmöglich und versucht zeitgleich, Fall 0 zu finden, um den Ausgangspunkt und die Verbreitungswege zu bestimmen. Zusätzlich isoliert man die Personen, die als mögliche Kontaktpersonen der Erkrankten gehandelt werden und beobachtet diese. Erkranken die Kontaktpersonen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (Inkubationszeit) NICHT, werden sie als gesund entlassen. Sollten Sie als promovierter Biologe und Gentechniker doch eigentlich wissen?