Ein Kreuz an der Straße für ein Unfallopfer | Bildquelle: dpa

Prognose des Bundesamtes Mehr Verkehrstote erwartet

Stand: 12.12.2018 15:47 Uhr

In den vergangenen zwei Jahren war die Zahl der Verkehrstoten gesunken - 2018 rechnet das Statistische Bundesamt wieder mit einem Anstieg. Nach Ansicht von Experten könnte dies mit dem Wetter zu tun haben.

Im Straßenverkehr wird es in diesem Jahr voraussichtlich wieder etwas mehr Tote und Verletzte geben. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass die Zahl der Verkehrstoten bis Jahresende gegenüber dem Vorjahr um etwa 40 Opfer (rund ein Prozent) auf 3220 steigen wird. Die Behörde errechnete die Schätzung auf Grundlage der Verkehrstotenzahlen von Januar bis September. Bei den Verletzten erwarten die Fachleute in diesem Jahr ebenfalls eine Zunahme - um etwa ein Prozent oder rund 3000 auf 393.000 Menschen.

Die Zahl der Verkehrstoten war in den vergangenen zwei Jahren gesunken und hatte 2017 den tiefsten Stand erreicht.

Bei der Zahl der von der Polizei erfassten Unfälle sei ein ebenfalls leichter Anstieg auf wieder mehr als 2,6 Millionen Unfälle zu erwarten. Davon seien 306.000 Unfälle, bei denen Personen zu Schaden gekommen seien. Basis der Schätzung sind die Unfallzahlen der ersten neun Monate.

Blumen und ein Grablicht stehen an einer Unfallstelle. | Bildquelle: dpa
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Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zufolge wird es 2018 wieder mehr Verkehrstote und Verletzte geben.

Experten sehen heißen Sommer als eine Ursache

"Inzwischen hängen wir in der Frage, ob es rauf oder runter geht, im Wesentlichen vom Wetter ab", sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann. So habe es mit dem langen Winter 2018 zunächst erneut weniger Verkehrstote gegeben. Doch dann kam der lange und heiße Sommer. Das lang anhaltende warme und trockene Wetter hätten mehr Menschen als sonst genutzt, um mit dem Rad zu fahren. Auch Motorradfahrer seien häufiger unterwegs gewesen.

Der ADAC nennt auch "den außergewöhnlich trockenen und heißen Sommer" als Grund. Dieser habe zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen geführt, nicht nur auf dem Motorrad und dem Fahrrad, sondern auch von Ausflüglern, sagt eine Sprecherin.

Deutsche Verkehrswacht besorgt

Die Deutsche Verkehrswacht (DVW) sieht die Bilanz "als klares Signal, Menschen noch stärker an ihre Verantwortung im Straßenverkehr zu erinnern". Die aktuelle Entwicklung sei "ein Schritt zurück", erklärte DVW-Präsident Kurt Bodewig. "Auf dem Weg zur Vision Zero müssen unsere Bemühungen verstärkt werden - beim Thema Alkohol und Drogen, Geschwindigkeit und Ablenkung brauchen wir mehr Verantwortung aller Verkehrsteilnehmer."

Forderungen nach mehr Schutz

Um die Unfälle mit Toten und Verletzten dauerhaft deutlich weiter zu senken, fordern Fachleute die Innenstädte stärker in den Blick zu nehmen. Dort seien inzwischen mehr Menschen zu Fuß unterwegs, sagt Unfallforscher Brockmann. "Und der Radverkehr steigt deutlich schneller als die Kommunen in der Lage sind, eine einigermaßen sichere Infrastruktur herzustellen."

"Während man in den Niederlanden für den Radverkehr ein komplett eigenes Wegesystem eingerichtet hat, bekommt der Radverkehr in Deutschland kaum eigenen Platz im Straßenraum", stellt die Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, Stephanie Krone, fest. Sie forderte zudem verpflichtende Abbiege- und Notbremsassistenten in Kraftfahrzeugen. "Es kann nicht sein, dass in Hightech-Deutschland jede Woche Menschen sterben, weil sie von Auto- und Lkw-Fahrern nicht gesehen werden", betont Krone.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Dezember 2018 um 10:15 Uhr in den Nachrichten.

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