Das Dorf Spandahlem in der Nähe der US-Militärbasis | Bildquelle: dpa

US-Truppenabzug in Spangdahlem Eine Region sorgt sich um die Zukunft

Stand: 30.07.2020 17:46 Uhr

Die USA ziehen fast 12.000 Soldaten aus Deutschland ab. Betroffen ist auch der Fliegerhorst Spangdahlem in der Eifel. Für die strukturschwache Region ist die Entscheidung ein schwerer Schlag.

Von Christin Jordan, SWR

Wer nach Spangdahlem will, muss lange durch die Eifel fahren, über plattes Land mit Feldern, Wiesen, Wäldchen. Und dann, am Rande des Dorfes mit 800 Einwohnern, kommt die riesige Airbase. 4000 Soldaten arbeiten dort, leben mit ihren Familien in der Region. Sie sind Teil der Gemeinschaft - und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Spandahlem Ortsschild | Bildquelle: REUTERS
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In der Region hängen viele Jobs an den US-Soldaten und ihren Familien.

Der Abzug kostet Jobs

Karl Metz steht in seinem Autohaus am Ortsrand, 500 Meter Luftlinie trennen ihn vom Fliegerhorst. "Patriot Military Automobiles" heißt das Geschäft. Es gehört zu einer Kette, die an allen wichtigen US-Militär-Standorten Filialen hat. Die Kunden von Metz sind überwiegend amerikanische Soldaten. Was der Abzug für ihn bedeutet? "Wenn wir jetzt zehn Autos im Monat verkaufen, sind das in Zukunft vielleicht noch fünf, vielleicht auch weniger" sagt er. "Wenn weniger Gewinn gemacht wird, kostet das Jobs. Vielleicht nicht meinen, aber den meiner Kollegen."

900 Soldaten sollten abgezogen werden, habe er gehört - "aber dazu kommen ja noch die Familien." Bis zuletzt hatte Metz gehofft, dass der Standort nicht von den Plänen der US-Regierung betroffen ist. Und jetzt? "Das ist schon ein ganz hartes Ding für uns." Was er nicht versteht: "Die Amerikaner investieren erst Millionen, und von einem Tag auf den anderen ist alles vorbei."

Die USA haben viel Geld in die Airbase investiert

Investiert haben die Amerikaner in den Standort Spangdahlem nicht zu knapp - und teils erst vor kurzem. Manfred Rodens, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, deutet auf einen mächtigen Gebäudekomplex auf dem Gelände der Airbase: "Was Sie hier sehen, hätten Sie vor drei bis vier Jahren noch nicht gesehen, da war nämlich nichts. Der Sportplatz mit der Flutlichtanlage, der ist jetzt erst fertiggestellt worden, vor etwa zwei bis drei Wochen."

Rodens kommt aus dem Aufzählen nicht heraus: "Eine Grundschule, eine tolle Fitnesshalle mit einer 250-Meter-Bahn, eine Wahnsinns-Sporthalle mit einem riesigen Basketballfeld, eine neue Zahnklinik für 37 Millionen US-Dollar. Insgesamt wurden über 400 Millionen US-Dollar in den letzten Jahren hier investiert." Auch bei ihm herrscht Unverständnis und Enttäuschung über die Ankündigung, Truppen aus Spangdahlem abzuziehen. "Eigentlich standen die Fakten gut für uns. Aber es ist eine irrationale Entscheidung eines, man muss das leider sagen, bizarren Präsidenten."

Ein Fahrzeug steht vor der Hauptzufahrt des US-Militärflughafens in Spangdahlem. | Bildquelle: dpa
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Erst vor kurzem haben die USA hier noch investiert - nun sollen viele Soldaten abgezogen werden.

Spangdahlem fordert Unterstützung von Bund und Ländern

Zwei Jagdbomber donnern über die Airbase, Rodens schaut ihnen hinterher. "Es heißt, die F16 gehen nach Italien, das sind 24 Flugzeuge, mit den Menschen, die die betreuen, das sind ungefähr 100 Militärangehörige pro Maschine - das sind dann mindestens 2400 Soldatinnen und Soldaten, also ein Großteil der Leute, die hier in Spangdahlem sind."

In fast 70 Jahren waren etwa 500.000 Amerikaner mit ihren Familien hier stationiert - sie waren ein fester Bestandteil des Lebens in der Region. Dass die mal nicht mehr da sein sollten, sei für ihn eigentlich nicht vorstellbar, sagt Rodens. Jetzt heiße es erst mal abwarten, wie es weitergeht - zum Beispiel, wie der Kongress entscheide.

Die etwa 850 zivilen deutschen Beschäftigten auf der Airbase müssten eine positive Perspektive bekommen. "Und wir müssen uns um die heimische Wirtschaft kümmern, das Gewerbe, die jetzt auch in der Luft hängen." Seine Hoffnung ruht auf einem Konversionsprogramm, das den Aderlass abmildern könnte. "Hier sind ganz klar Land und Bund gefragt, ohne die können wir das nicht stemmen."

Die Einwohner sorgen sich um die Wirtschaft

Zurück im Dorf. An diesem heißen Nachmittag sind nur wenige hier unterwegs. Die schlechte Nachricht aus Washington hat sich schon herumgesprochen. Die Menschen machen sich Sorgen um die regionalen Firmen, die auf der Airbase gearbeitet haben, denen mit dem Abzug die Beschäftigungsfelder wegbrechen. Und um den Wohnungsmarkt, denn die Amerikaner konnten vergleichsweise hohe Mieten zahlen - darauf hätten viele Einheimische gesetzt. "Da werden einige ganz schön in die Röhre schauen", sagt ein älterer Mann.

Ein Transportflugzeug von Typ C-5 Galaxy startet vom US-Militärflughafen in Spangdahlem. | Bildquelle: dpa
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Ein Transportflugzeug startet auf dem Militärflughafen. Ein Geschwader mit Kampfjets soll von Spangdahlem nach Italien verlegt werden.

"Man verliert Freundschaften, Nachbarschaften"

Doch es geht noch um mehr. Über Jahrzehnte gewachsene Freundschaften, ein vertrauensvolles Miteinander - das alles stehe auf dem Spiel, beklagt der Ortsbürgermeister Alois Gerten. "Man verliert Freundschaften, Nachbarschaften." Der wirtschaftliche Aspekt ist auch in seinen Augen von großer Bedeutung für die strukturschwache Region. Gerten hofft, dass der Standort Spangdahlem nach einem Teilabzug nicht aufgegeben, sondern im Gegenteil möglicherweise wieder ausgebaut wird. "Wenn Aufgaben der Airbase verloren gehen, dann werden - davon gehe ich aus - auch andere wieder hinzukommen."

Ein Hoffnungsschimmer, den der Autohändler Metz nicht erkennen mag: "Heutzutage kann man sich auf gar nichts mehr verlassen. Man muss sich darauf orientieren, selber Lösungen zu finden für die Zukunft und selbst was zu unternehmen." Was das sein könnte? Alternativen gebe es wenige, gibt Metz zu. "Für mich - ich bin 54 - wird es hart, etwas anderes zu finden. Und das gilt für viele hier in der Gemeinschaft. Und die nächste Generation, die werden wahrscheinlich dann wegziehen Richtung Großstadt." Schlechte Aussichten für das kleine Dorf, das eine große Airbase hat - noch.

Über dieses Thema berichtete SWR aktuell am 30. Juli 2020 um 16:00 Uhr.

Korrespondentin

Christin Jordan, SWR | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

Christin Jordan, SWR

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