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Urwahl des Spitzenkandidaten Grün gewinnt und zwei verlieren

Stand: 22.10.2016 15:41 Uhr

Ring frei zur ersten Runde der Urwahl: Heute treten Cem Özdemir, Anton Hofreiter und Robert Habeck in Hannover gegeneinander an. Nur einer von ihnen kann am Ende Spitzenkandidat der Grünen werden. Klar ist damit schon vor Beginn Wahl: Sie wird vor allem Verlierer produzieren.

Von Matthias Deiß, ARD-Hauptstadtstudio

Bitter wäre eine Niederlage vor allem für Parteichef Cem Özdemir. 2012, bei der ersten Urwahl, hatte er sich gegen Jürgen Trittin kaum Chancen ausgerechnet und gekniffen. So jedenfalls sehen es viele Parteikollegen. Diesmal ist seine Position gestärkt, Özdemir ist zur Zeit der bekannteste und wohl auch profilierteste Grüne. Doch ein Parteivorsitzender, der bei der Basis durchfällt, wäre kein starker Parteivorsitzender mehr und einer ohne Anspruch auf einen Ministerposten bei einer möglichen Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl.

Matthias Deiß ARD-Hauptstadtstudio

Auch Robert Habeck riskiert mit seiner Kandidatur viel. Der stellvertretende Ministerpräsident von Schleswig-Holstein geht nach eigenen Worten "All in" und hat eine Rückkehr in die Landespolitik ausgeschlossen.

Cem Özdemir, Robert Habeck, Anton Hofreiter

Cem Özdemir, Robert Habeck und Anton Hofreiter wollen Spitzenkandidat der Grünen werden.

Wählerschaft schwer berechenbar

Wie die Basis am Ende entscheidet, gilt als schwer vorhersagbar, denn ein Großteil der Parteimitglieder tritt außerhalb der Urwahl nicht in Erscheinung.  Vor Beginn der Urwahl verzeichnet Michael Kellner, der Bundesgeschäftsführer der Grünen, einen spürbaren Mitgliederzuwachs um rund 900 Mitglieder mehr als zu Beginn des Jahres. "Das zeigt: Diese Urwahl mobilisiert nach innen und nach außen", sagte Kellner tagesschau.de, "die Grünen sind die einzige Partei, bei der alle Mitglieder mitentscheiden können. Und ich bin mir auch sicher, davon werden sie auch rege Gebrauch machen."

Urwahl in Wahrheit nur ein Urwählchen

Egal, wie das Ergebnis am Ende ausgeht, eins ist jetzt schon sicher: Katrin Göring-Eckardt ist für den Posten der weiblichen Spitzenkandidatin gesetzt. Die Fraktionsvorsitzende stellt sich zwar dem Urwahlverfahren und damit dem Votum der Basis, allerdings ohne Gegenkandidatin. Weil die Parteibasis damit nur über einen von zwei Spitzenkandidaten entscheiden kann, ist die Urwahl in Wahrheit nur eine halbe.

Nach dem Auftakt in Hannover touren die Spitzenkandidaten durch ganz Deutschland. Insgesamt finden bundesweit zehn Urwahl-Foren statt.  Anfang Dezember erhalten die Parteimitglieder dann ihre Briefwahlunterlagen. Gewählt werden kann bis zum 13. Januar 2017. In der dritten Januarwoche wollen die Grünen dann verkünden, wer von Vier gewinnt und wer verliert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Oktober 2016 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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WilhelmWolff 22.10.2016 • 19:39 Uhr

Simone Peter

Schade, dass Simone Peter nicht antritt. Sie ist zwar nicht übermäßig präsent in den Medien, mir aber öfters positiv aufgefallen als Götring-Eckardt. Im Übrigen haben einige Kommentierende hier schon zurecht angemerkt, dass es eigenartig ist, wie negativ die Urwahl hier durch den "Verlierer"-Begriff dargestellt wird. Dass Auswahl besteht und die Entscheidung der Basis überlassen wird, ist doch unter demokratischen Gesichtspunkten sehr begrüßenswert.