Cem Özdemir, Robert Habeck, Anton Hofreiter

Suche nach Grünen-Spitzenkandidat Drei Männer - ein Posten

Stand: 09.07.2016 15:22 Uhr

Die Grünen suchen noch nach einem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017. Bei den Frauen gilt Katrin Göring-Eckardt gesetzt - doch wer wird das Rennen bei den Männern machen? Drei recht verschiedene Typen stehen zur Wahl. Ein Überblick.

Von Axel Finkenwirth, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Die Grünen haben die Wahl: Anton Hofreiter, Robert Habeck oder Cem Özdemir - wer kann die Partei als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen?

Cem Özdemir - der Etablierte

Cem Özdemir
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Cem Özdemir: Angekommen im Berliner Polit-Establishment.

Nicht erst seit der umstrittenen Armenienresolution ist Cem Özdemir der starke Mann an der Spitze der Grünen. Sein unbequemer Vorstoß hat ihm zwar viel Ärger und Kritik, aber auch - nicht nur parteiintern - viel Applaus eingebracht. Der Parteivorsitzende der Grünen ist angekommen im Berliner Polit-Establishment: Anzüge, gepanzerte Limousinen und inzwischen sogar Personenschutz. Letzteres ist eine Folge seiner Armenienpolitik, aber auch ein Symbol der Macht. Etwas, das sonst nur gefährdete Minister oder die Kanzlerin genießen.

Özdemir ist ein Mann der Mitte, der dem sogenannten Realo-Lager zugeordnet wird. Für ihn wäre ein schwarz-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl fast so etwas wie eine Herzensangelegenheit - aber da folgen ihm längst nicht alle. Außerdem ist ja noch nicht klar, ob er zum Spitzenkandidaten auf- oder in die zweite Reihe absteigt.

Der Parteivorsitzende hält sich für geeignet und nimmt den Wahlkampf um die Spitzenkandidatur an. Für Özdemir eine logische Entscheidung, werden doch aus seiner Sicht die Haupthemen im Bundestagswahlkampf Umwelt, Gerechtigkeit und Integration sein. "Von allen drei Themen verstehe ich was", sagte er im April dem ARD-Hauptstadtstudio.

Robert Habeck - der Smarte

Grünen-Politiker Robert Habeck
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Robert Habeck: Er will die Grünen aus der Öko-Ecke rausholen.

Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck hält sich für geeignet, die Grünen in den Wahlkampf zu führen. Zur Bedingung für seine Kandidatur hatte er ein deutliches Ergebnis bei seiner Wahl auf dem vergangenen Landesparteitag gemacht. Und er bekam die Bestätigung: Mehr als 81 Prozent der Delegierten stimmten für eine Kandidatur Habecks als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl.

Habeck ist so etwas wie die noch smartere Version von Özdemir, auch er gilt als Realo. Er will die Grünen rausholen aus der Öko-Ecke und sie als "gestaltende Kraft" in der Mitte der Gesellschaft etablieren. "Wir sind nicht mehr die Umwelt-App, die sich CDU und SPD herunterladen können", sagte er in seiner Parteitagsrede. "Jetzt beginnt das dritte Zeitalter der Grünen." Nach Protestjahren und den rot-grünen Projektjahren komme nun eine neue Phase.

Habeck scheint alles auf eine Karte zu setzen. Aber sollte er bei der Grünen-Urwahl verlieren, ist seine politische Zukunft gänzlich offen. Einen sicheren Listenplatz für die Landtags- oder die Bundestagswahl hat er bereits abgelehnt. Kein unerhebliches Risiko.

Anton Hofreiter - der Bodenständige

Der Fraktionsvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Anton Hofreiter.
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Anton Hofreiter: Kandidat aus dem linken Lager der Grünen.

Denn noch ein Kandidat, der sich durchaus Chancen auf die Spitzenkandidatur ausrechnet, hat sich positioniert: Toni Hofreiter. Er will das Amt - daraus macht er keinen Hehl und zeigt sich kämpferisch. Er habe keine Angst vor Auseinandersetzungen, ließ er die Konkurrenz wissen. Hofreiter, der dem linken Parteiflügel zugeordnet wird, sagte, er kämpfe für "echte Veränderungen", um die Lebensgrundlagen der Menschen zu schützen. Der Bayer hat eine hohe Glaubwürdigkeit bei den "grünen Kernthemen" wie Klimaschutz oder Agrarwende.

Als linkes Gegenmodell zur bereits gesetzten Katrin Göring-Eckardt, die dem Realo-Flügel zugeordnet wird, könnte Hofreiter durchaus Chancen haben.

Wer sich aber durchsetzt, darüber entscheiden die bundesweit rund 60.000 Parteimitglieder bei einer Urwahl um die Jahreswende.

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