Eine Gewitterfront zieht vor einem Windrad am Himmel bei Hannover (Niedersachsen) auf. | dpa

Deutscher Wetterdienst Unwetter mit Hagel und Böen erwartet

Stand: 20.05.2022 16:52 Uhr

Der Deutsche Wetterdienst warnt weiter vor kräftigen Gewittern, vor allem im Westen und in der Mitte Deutschlands. Für Teile von Nordrhein-Westfalen wurde bereits eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet zum Start ins Wochenende mit ersten kräftigen Gewittern. Den Meteorologen zufolge sollten die Unwetter im Westen beginnen und sich später auf die Mitte Deutschlands ausdehnen. Es bestehe "sehr große Unwettergefahr" durch größeren Hagel, schwere Sturm- bis Orkanböen und teils extrem heftigen Starkregen.

Der DWD gab am frühen Nachmittag wegen schwerer Gewitter eine erste amtliche Unwetterwarnung für Teile von Nordrhein-Westfalen heraus. Bäume könnten entwurzelt werden, Dachziegel herabstürzen, Keller und Straßen mit Wasser volllaufen. Auch Schäden durch Hagel- oder Blitzschlag an Gebäuden, Autos und in der Landwirtschaft seien möglich.

Beeinträchtigungen in NRW

Im Regierungsbezirk Köln endete der Schulunterricht nach Angaben der Bezirksregierung um 11.30 Uhr, damit die Schülerinnen und Schüler sicher nach Hause kommen konnten. In den vier übrigen Regierungsbezirken in Nordrhein-Westfalen lag die Entscheidung bei den Schulen oder den einzelnen Kommunen. Die für Freitag angesetzten Abitur-Nachschreibklausuren und Prüfungen an den Berufskollegs soll es laut NRW-Schulministerium aber wie geplant geben.

Angesichts der Wetterprognosen aktivierte das Landesamt für Natur und Umwelt in NRW den Hochwasserinformationsdienst: Die Niederschläge könnten sich auf die Abflüsse in den Gewässern im Land auswirken. Eine konkrete Vorhersage sei noch nicht möglich. In von Starkregen betroffenen Gebieten könne es zu örtlichen Überflutungen kommen, die Wasserstände könnten in den betroffenen Gebieten deutlich ansteigen.

Welche Regionen sind noch betroffen?

Gewitter soll es laut dem DWD auch in einem Streifen von Mosel und Main bis zum Erzgebirge geben - lokal mit Starkregen und Hagel. Der DWD warnt auch in Rheinland-Pfalz vor Unwettern. Lokal könne es in diesen Regionen heftigen Starkregen um 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, großen Hagel bis fünf Zentimeter und schwere Sturmböen bis Orkanböen mit Geschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern geben. Am Nachmittag zögen die Gewitter ostwärts - am Abend könne es dann auch im Süden des Landes einzelne kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial vor allem durch Starkregen und Hagel geben.

Insbesondere Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen sich in den kommenden beiden Tagen auf heftige Gewitter einstellen. Am heftigsten wird es nach Angaben des DWD im Norden Sachsen-Anhalts in der Altmark. Es müsse mit überschwemmten Straßen, überfluteten Kellern, herabfallenden Ästen und sprunghaft ansteigenden Bächen gerechnet werden.

Wegen der Warnung vor Starkregen und Sturmböen bleiben am Freitag alle Schulen in Trägerschaft des Kreises Ahrweiler in Rheinland-Pfalz geschlossen. Der Kreis appellierte zudem an alle Eltern von Kita-Kindern, die Kinder zu Hause zu betreuen. Die Bevölkerung solle die weiteren Wettervorhersagen im Radio, TV und Internet sowie über die Warnapps Katwarn und Nina mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen.

"Ideale Bedingungen für Tornados"

Nach Einschätzung eines DWD-Meteorologen dürfte vielerorts die höchste Warnstufe (Stufe 4) ausgerufen werden. "Damit drohen dort, wo der Gewitterkomplex lang zieht, massive Schäden." Wahrscheinlich bilden sich demnach auch sogenannte Superzellen - sich drehende Systeme mit starken Aufwinden, die sich völlig eigenständig und damit schwer vorhersehbar bewegen. Auch für Tornados und heftige Orkanböen gebe es "ideale Bedingungen".

Schäden am Donnerstag weniger schwer als befürchtet

Trotz umgestürzter Bäume und Beeinträchtigungen im Flug- und Bahnverkehr war das Unwetter in Deutschland am Donnerstag etwas weniger heftig ausgefallen als vorhergesagt. Der DWD hatte vor Starkregen, schweren Sturm- und orkanartigen Böen und Hagel gewarnt. 

Die Gewitterfront erreichte Nordrhein-Westfalen am Nachmittag über den Südwesten bei Aachen und zog dann über das Rheinland sowie das Münsterland und das Ruhrgebiet hinweg. Vielerorts verdunkelte sich schlagartig der Himmel. Es gab lokal heftige Regenfälle, Donner und Blitze. Später zog die Gewitter-Front weiter über Südwestfalen Richtung Ostwestfalen-Lippe.

Blitz verletzt Mann schwer

Bei einem Blitzeinschlag wurde ein Mann auf einem Frachtschiff in Duisburg schwer verletzt. Zwischen Düsseldorf und Leverkusen stürzte ein Baum auf die Nord-Süd-Hauptstrecke. Zwischen Haltern und Dülmen stürzte ebenfalls ein Baum um. Betroffen waren hier zwei Regionalexpress-Linien.

In Köln lösten heftiger Regen, Orkanböen und Hagel etwa 100 Einsätze der Feuerwehr aus: Es gab vollgelaufene Keller, lose Dachziegel und Gerüste, abgebrochene Äste sowie umgestürzte Bäume auf Straßen und Bahngleisen. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, musste in den benachbarten Niederlanden der Bahnverkehr nach Deutschland wegen des Gewitters zeitweise eingestellt werden. Besonders betroffen war die Strecke von Köln nach Amsterdam.

Lage in Niedersachsen beruhigt sich

Eine Wetterwarnung des DWD für Niedersachsen wurde inzwischen aufgehoben. Erste Niederschläge waren in Westniedersachsen in den Landkreisen Emsland, Grafschaft Bentheim und Osnabrück zu verzeichnen. In der Nacht gab es vor allem in Franken noch einzelne, teils kräftige Gewitter mit Starkregen, kleinerem Hagel und Sturmböen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Mai 2022 um 02:10 Uhr.