Zwei rettungskräfte gehen durch eine nach Unwettern von Schutt und Trümmern übersäte Straße im rheinland-pfälzischen Schuld. | dpa

Starkregen und Überschwemmungen Zahl der Unwettertoten erhöht sich

Stand: 15.07.2021 19:41 Uhr

In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz laufen nach den schweren Unwettern die Rettungs- und Bergungseinsätze. 58 Todesopfer wurden bislang geborgen. Zahlreiche Menschen gelten noch als vermisst.

Im Zusammenhang mit dem schweren Unwetter sind in Nordrhein-Westfalen mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte das NRW-Innenministerium mit. 57 Personen seien zudem verletzt. Auch im benachbarten Belgien starben mindestens vier Menschen.

Die Kölner Polizei meldete aus dem Köln-Bonner Raum mindestens 20 Todesopfer. In der Domstadt wurden zwei Leichen geborgen, im Kreis Euskirchen waren es bislang 15 Tote. Weitere Tote gibt es in Solingen und im Kreis Unna - Menschen, die von den Fluten weggerissen wurden oder in ihren gefluteten Kellern starben.

In Solingen retteten Einsatzkräfte etwa 130 Menschen aus akuter Not vor den Fluten. Da an vielen Orten das Strom- und Telefonnetz ausfiel und Rettungseinsätze noch liefen, ist die Lage unübersichtlich. Mehrere Kreise in der Eifel riefen Katastrophenalarm aus.

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Überflutungen und Zerstörungen

Bisher 28 Tote in Rheinland-Pfalz

Im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland Pfalz kamen durch das Hochwasser laut Polizeiangaben mindestens 19 Menschen ums Leben. Zahlreiche Einwohner gelten zudem noch als vermisst, ganze Ortschaften sind von der Außenwelt abgeschnitten. Am Vormittag sprach die Polizei von mehr als 70 Menschen, die in den Unwettergebieten noch vermisst würden. Teilweise konnten sich die Menschen nur noch auf ihre Hausdächer retten und mussten mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden.

Die Zahl der Toten in den beiden Bundesländern lag damit noch während der laufenden Rettungsmaßnahmen bereits mehr als doppelt so hoch wie beim sogenannten Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002, bei dem in Deutschland 21 Menschen starben. 

Karte Rheinland-Pfalz und Ahrweiler

Auskunftsstelle für Hinweise eingerichtet

Die Polizei richtete eine telefonische Auskunftsstelle für Angehörige ein. Menschen aus der Region wurden darum gebeten, der Polizei Videos und Fotos zu übermitteln, die Hinweise auf Vermisste und Tote geben könnten. Zudem forderte die Polizei die Menschen auf, Rettungswege freizuhalten, da Schaulustige den Einsatz blockiert hätten.

Auch im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen gilt mittlerweile der Katastrophenfall. Die Behörden forderten die kreisangehörigen Kommunen auf, "die notwendigen Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes wie insbesondere Evakuierungen und Unterbringungen vorzubereiten und vorzunehmen".

An einigen Talsperren wird das Wasser kontrolliert abgelassen, einige anliegende Ortschaften werden evakuiert. So droht etwa die Steinbachtalsperre in Rheinland-Pfalz den Wassermassen nicht Stand halten zu können. Nach Fehlmeldungen, die Sperre sei bereits gebrochen, hatten viele der Bewohner des Ortes Heimersheim höhergelegenes Terrain aufgesucht.

Bundeswehr und THW unterstützen Rettungsarbeiten

In beiden Bundesländern waren unzählige Rettungskräfte und Freiwillige im Einsatz, um den Betroffenen zu helfen, darunter auch Kräfte der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks (THW). Rettungshubschrauber aus Baden-Württemberg, Bayern und Hessen sowie der Bundeswehr unterstützen die Arbeiten.

THW-Präsident Gerd Friedsam sprach von etwa 2500 ehrenamtlichen Hilfskräften, die gegen die Auswirkungen der Unwetter kämpften. Der Regen habe mittlerweile in weiten Teilen des Landes nachgelassen, die Lage bleibe aber sehr angespannt.

Allein in der nordrhein-westfälischen Stadt Hagen waren etwa 440 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW und 100 Kräfte der Bundeswehr im Einsatz. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) war im Laufe des Tages in den Ort gereist, um sich ein Bild der Unwetterschäden zu machen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sprach von "verheerenden" Auswirkungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich "erschüttert" über die Katastrophe. Sie hält sich derzeit in den USA auf.

Bahn rät von Reisen in Unwettergebiet ab

Die Deutsche Bahn meldete Verspätungen und Zugausfälle. Nach wie vor sollten Reisende Fahrten in die von den Unwettern betroffenen Regionen vermeiden. Gleise, Signalanlagen und Weichen seien zerstört oder beschädigt worden. Bahnhöfe können teilweise nicht angefahren werden.

DWD warnt vor weiteren Gewittern

Laut der Prognose des Deutschen Wetterdienstes soll sich die Lage nach und nach entspannen. Für den Abend und in der Nacht warnte der DWD aber trotzdem vor erneuten Gewittern und teilweise auch noch vor Starkregen - beginnend im östlichen Mittelgebirgsraum und im Bayerischen Wald. Später sollen die Gewitter ins Münsterland und bis ins Ruhrgebiet weiterziehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juli 2021 um 17:00 Uhr.