Zwei Männer öffnen ein Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei". | dpa

Chronik Rechte Übergriffe auf Gedenkstätten

Stand: 09.05.2022 18:00 Uhr

Ob Erinnerungstafeln, Gedenkorte, Stolpersteine oder KZ-Gedenkstätten - immer wieder werden Mahnmale geschändet und von Rechtsextremen für Auftritte missbraucht. Eine Chronologie, beginnend im Jahr 2016.

Von Peter Laudenbach und John Goetz, NDR

Die Chronik bildet politisch motivierte Übergriffe auf Gedenkstätten im Zeitraum Mai 2016 bis heute ab. Die Übergriffe reichen von Beleidigungen und Holocaustleugnung, Verhöhnung der Ermordeten, schweren Sachbeschädigungen bis hin zu Diffamierung im Netz. Die Chronik ist nicht vollständig. Die häufigen Beschädigungen von Stolpersteinen werden z.B. nur exemplarisch abgebildet.

Braunschweig (Niedersachsen), Mai 2016

Unbekannte Täter beschmieren Wände und Infotafeln der KZ-Gedenkstätte Schillstraße, wo mehrere Hundert der im Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme internierten Zwangsarbeiter umgekommen waren. Wenige Tage zuvor hatten Rechtsradikale eine Gedenkveranstaltung gestört. Nach einer Veranstaltung abgelegte Kränze wurden zertrampelt.

Landkreis Dahme-Spreewald (Brandenburg), Mai 2016

Innerhalb einer Woche werden zwei Anschläge in der Gedenkstätte des Lagers Jamlitz-Lieberose, einem Nebenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen, verübt. Die zwei Meter hohe Eingangstafel der Freiluftausstellung des Gedenkortes wird bei einem Sprengstoffanschlag vollständig zerstört. Eine Woche zuvor waren zwei Informationstafeln der gläsernen Gedenkstätte mutwillig zerstört worden. Im Lager Jamlitz waren etwa 10.000 jüdische Häftlinge interniert. Von ihnen überlebten weniger als 400.

Weimar, Mai 2016

Die britische "National Action" veröffentlicht ein Foto, das zeigt, wie zwei Rechtsradikale im Keller des Krematoriums der KZ-Gedenkstätte Buchenwald den Hitler-Gruß zeigen.

Berlin, Juni 2016

In Berlin-Moabit wird ein Mahnmal, das an die im Nationalsozialismus deportierten Juden erinnert, unter anderem mit dem Wort "Lüge" beschmiert.

Berlin, August 2016

Auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Berlin-Mitte wird die Skulptur "Jüdische Opfer des Faschismus" des Künstlers Will Lammert beschädigt. Das Mahnmal erinnert an die Deportation von 55.000 Berliner Juden.

Hamburg, November 2016

Das Denkmal für den pazifistischen Schriftsteller Wolfgang Borchert wird mit dem roten Schriftzug "Identität" beschmiert. Borchert war im Krieg wegen "Wehrkraftzersetzung" inhaftiert worden und starb zwei Jahre nach Kriegsende an den Folgen der Haft.

Wittstock / Neustadt (Brandenburg), Januar 2017

Die Gedenktafel für die Opfer des Todesmarschs der Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen wird mit einem Hakenkreuz besprüht. Auf einer Gedenktafel für 48 KZ-Häftlinge auf dem jüdischen Friedhof von Zernitz-Lohm bei Neustadt werden ein Hakenkreuz und ein Davidstern eingeritzt.

Stuttgart, Januar 2017

Die AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg stellt den Antrag, den Zuschuss des Landes für die NS-Gedenkstätte im französischen Gurs in Höhe von 120.000 Euro zu streichen. Der Antrag wird von den anderen Landtagsfraktionen abgelehnt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Albrecht Schütte kommentiert den Antrag der AfD unmissverständlich: "Im Oktober 1940 wurde die jüdische Bevölkerung aus dem damaligen Gau Baden und damit auch aus meinem Wahlkreis nach Frankreich in das Lager Gurs deportiert. Nur wenigen gelang danach noch die Ausreise oder die Flucht, vielen kamen aufgrund der Bedingungen im Lager um, die meisten wurden später in die Vernichtungslager im Osten transportiert und dort umgebracht."

Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen), April 2017

Unbekannte beschädigen eine Gedenktafel, die an den katholischen Priester und Antifaschisten Heinrich König erinnert. Er wurde 1941 nach einer Denunziation wegen regimekritischen Äußerungen und "Wehrkraftzersetzung" verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort wurde er 1942 bei medizinischen Experimenten ermordet. Die Tafel wird im Mai 2018 und im April 2019 erneut beschädigt.

Braunschweig (Niedersachsen), Mai 2017

Unbekannte besprühen dutzende Gedenktafeln der KZ-Gedenkstätte Schillstrasse mit silbernem Lack und schreiben mit einer Schablone das Wort "Lüge" darüber. 

Bobbard (Rheinland-Pfalz), Mai 2017

Zwei Stolpersteine werden gewaltsam aus dem Gehweg gerissen und entwendet. Sie sind der 1941 in die USA emigrierten Sally Siegler und der 1942 nach ihrer Deportation ermordeten Lina Mayer gewidmet.

Wolfsburg (Niedersachsen), Juni 2017

Anlässlich der Debatte um eine geplante Gedenkstätte für ein Zwangsarbeiterlager erklärt Thomas Schlick, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Rat der Stadt Wolfsburg: "Wir haben in der letzten Zeit ziemlich oft zu hören bekommen, dass die Vergangenheit und die Lehren daraus wichtig sind und dass dies nicht vergessen werden darf (...) Als quasi Wiedergutmachung (...) wird es jetzt also richtig teuer, und wir bekommen wohl ein eigenes kleines Museum, welches für viele Jahre hohe Folgekosten nach sich ziehen wird. Und das ist der Punkt, den die AfD nicht mitgehen wird! (...) Die Angst davor, auch mal ein 'Nein' zu sagen, darf nicht dazu führen, dass aus reinem Schuldkomplex wirtschaftliche Erwägungen keine Rolle mehr spielen."

Falkensee (Brandenburg), Juni 2017

Im Eingangsbereich der Gedenkstätte des KZ-Außenlagers Sachsenhausen wird eine Bronzetafel aus einer Betonstele gebrochen und entwendet.  

Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg (Nordrhein-Westfalen), seit 2017

Die Hausordnung der Gedenkstätte verbietet das Tragen rechtsextremer Symbole. Die Folge: Besucher diskutieren diese Regelung mit dem Personal der Gedenkstätte. Besucher hinterlassen negative Äußerungen und Schmierereien wie Hakenkreuze oder SS-Runen im Besucherbuch. Die Museumsleitung erhält aggressive Mails. Während öffentlicher Führungen werden vermehrt Äußerungen laut, die die Verbrechen im Konzentrationslager verharmlosen. Die umgebaute Wewelsburg war ein zentraler Versammlungsort der SS-Führung. Die Bauarbeiten wurden von rund 4000 Zwangsarbeitern aus dem Konzentrationslager Niederhagen-Wewelsburg ausgeführt, mehr als 1200 Häftlinge starben dort an Misshandlungen, Exekutionen und den Arbeits- und Haftbedingungen.

Braunschweig (Niedersachsen), Juli 2017

Die AfD-Fraktion der Stadt Braunschweig sammelt Unterschriften gegen die geplante Errichtung eines "Gartens der Erinnerung", der an Kriegsverbrechen von Soldaten des 92. Infanterieregiments aus Braunschweig im belgischen Roselies während des 1.Weltkriegs erinnern soll. Die AfD-Fraktion beklagt einen "unsinnigen Denkmalskult" und lehnt den Gedenkort ab: "Ein Denkmal ist fehl am Platz."

Berlin, November 2017

In Berlin Neukölln werden 16 Stolpersteine, die an NS-Opfer erinnern, aus den Gehwegen gebrochen und entwendet. Gunter Demning, der Künstler, der die Stolpersteine verlegt, erklärt, bisher seien bundesweit 630 Steine beschädigt oder aus Gehwegen gebrochen und gestohlen worden.

Nordhausen (Thüringen), Dezember 2017

Unbekannte schmieren an ein Hinweisschild zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora das Wort "Neueröffnung". Im Konzentrationslager Mittelbau-Dora waren mehr als 60.000 Zwangsarbeiter der Rüstungsindustrie interniert. Etwa ein Drittel von ihnen kam dort um.

Fürth (Bayern), Dezember 2017

In eine Gedenktafel für zwei im Holocaust ermordete Fürther Juden wird ein Hakenkreuz gekratzt. Die Inschrift war erst kurz zuvor wieder angebracht worden, nachdem im Sommer eine erste Gedenktafel gestohlen worden war.

Bremen, Dezember 2017

Unbekannte schmieren die Parole "Stoppt den Schuldkult" auf eine Betonwand in der Nähe des Gedenkorts Bunker Valentin. In der Vergangenheit waren auf Bänke am Gedenkort Hakenkreuze geritzt worden. Die Bremer "Junge Alternative", die AfD-Jugendorganisation, polemisiert im gleichen Zeitraum auf Facebook gegen "Schuldkult". Während der Bauarbeiten der U-Boot-Werft und des Bunkers Valentin waren dort über 1600 Zwangsarbeiter durch Unterernährung, Krankheiten und willkürliche Morde umgekommen.

Walldorf (Hessen), Februar 2018

Unbekannte zerstören Glasscheiben der Gedenkstätte Margit-Horváth-Zentrum über den freigelegten Mauerresten des KZ-Außenlagers Walldorf.

Berlin, April 2018

In der Friedrichstraße wird eine Gedenktafel aus der Verankerung gerissen, die an den von der SA von März bis Mai 1933 als provisorisches Konzentrationslager genutzten "Gutschow-Keller" erinnert. Der Keller eines Mietshauses diente der SA als Folterlager, in das sie Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden aus Wohnungen, Arbeitsstätten und von der Straße verschleppte. Es folgten oft tagelange Verhöre und Folter. Zahlreiche Opfer der SA überlebten die Misshandlungen im Keller des Mietshauses nicht. Die Schreie der Gefolterten waren bis auf die Straße zu hören.

Ravensbrück (Brandenburg), April 2018

Polnische Nationalisten stören in der Gedenkstätte die Feier zum Gedenken an die Befreiung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. Sie tragen paramilitärischer Kleidung und zahlreiche Fahnen. Die Situation eskaliert, als sich mehrere polnische Nationalisten demonstrativ direkt vor die Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis aufstellen und deren Transparente mit ihren Fahnen verdecken. Augenzeugen beschreiben ihr Auftreten als bedrohlich. Als sie von Besucher aufgefordert werden, ihre Transparente einzurollen, reagierten sie laut und aggressiv.

Weimar, Mai 2018

In der Gedenkstätte Buchenwald mischt sich der als "Volkslehrer" bekannt gewordene Rechtsradikale Nikolai Nerling unter eine Besuchergruppe. Laut Presseberichten äußert er während einer Führung immer wieder antisemitische Parolen und leugnet den Holocaust.

Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen), Mai 2018

Zerstörung eines Gedenkschildes an einem Wohnhaus, das an den jüdischen Rechtsanwalt Emil Kochmann erinnert, der in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Diebstahl der Gedenktafel im Stadtgarten, die an ermordete Zwangsarbeiter erinnert. Die daraufhin neu angebrachte Tafel wird im Juni 2019 erneut zerstört.

Weimar, Juni 2018

In der Gedenkstätte im früheren Konzentrationslager Buchenwald werden Flugblätter der rechtsextremen "Identitären Bewegung" abgelegt.

Oranienburg (Brandenburg), Juli 2018

Mindestens ein Teilnehmer einer von der AfD-Bundestagsabgeordneten Alice Weidel nach Berlin eingeladenen Besuchergruppe aus ihrem Wahlkreis stellt in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen die Massenmorde in Sachsenhausen und die Gaskammern infrage. Er wird 2019 wegen Störung der Totenruhe und Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 4000 Euro verurteilt. Nach Darstellung der Stiftung brandenburgische Gedenkstätten hatten auch mehrere andere Teilnehmer der von Weidel eingeladenen Gruppe die Existenz von Gaskammern in Zweifel gezogen, die KZ-Verbrechen verharmlost und dem Referenten der Gedenkstätte mangelnde Kompetenz unterstellt. Dieser brach den Besuch daraufhin ab. Die Berlin-Reisen der von Bundestagsabgeordneten eingeladenen Personen werden vom Bundespresseamt organisiert. "Im Gespräch mit Vertretern von Gedenkstätten hat das Bundespresseamt Hinweise bekommen, dass es im Zusammenhang mit Besuchergruppen von AfD-Abgeordneten zu Auffälligkeiten gekommen ist", erklärte Regierungssprecher Seibert. Bereits im Juni war es nach einem Besuch einer vom AfD-Bundestagsabgeordneten Volker Münz eingeladenen Gruppe in der Gedenkstätte zu einem Zwischenfall gekommen: Auf Facebook wurde ein Foto aus der KZ-Gedenkstätte benutzt, um die Judenverfolgung im Nationalsozialismus zu verharmlosen und diese mit ablehnenden Haltungen gegenüber der AfD gleichzusetzen.

Rangsdorf (Brandenburg), August 2018

Unbekannte stehlen eine Tafel an einem Gedenkstein für den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Die Tafel wird samt Schrauben und Dübeln aus dem massiven Stein gerissen.

Hannover, September 2018

Die Beleuchtung des Holocaust-Denkmals auf dem Opernplatz wird von Unbekannten gewaltsam zerstört.

Dachau (Bayern), September 2018

Ein Bundeswehrsoldat verbreitet Handy-Fotos von sich, auf denen er zu sehen ist, wie er vor Brennöfen in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau den Hitlergruß zeigt.

Köpenick (Brandenburg), September 2018

Unbekannte beschmieren den Gedenkstein des NS-Opfers Werner Sylten mit einer zähflüssigen, übelriechenden, blauen Masse. Sylten war evangelischer Pfarrer jüdischer Abstammung. Er unterstützte 1939 Tausende Christen aus jüdischen Familien bei der Emigration. Sylten wurde im Februar 1941 von der Gestapo verhaftet, im Konzentrationslager Dachau interniert und am 26. August 1942 in der NS-Tötungsanstalt Hartheim mit Gas ermordet.

Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern), September 2018

Unbekannte sprühen ein Hakenkreuz auf die Haupttreppe der Gedenkstätte auf dem jüdischen Friedhof.

Berlin, Oktober 2018

Am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten brennen Unbekannte den Schriftzug "HIV" in eine Steinplatte.

Gütersloh (Nordrhein-Westfalen), November 2018

Zahlreiche Kerzen, die am Vortag von Bürgern bei einem Festakt vor einem Gedenkstein für die Opfer der Reichspogromnacht aufgestellt worden waren, werden von Unbekannten zertrampelt.

Boldsthof (Mecklenburg-Vorpommern), November 2018

Ein Denkmal für 22 desertierte und im Frühjahr 1945 in Boldsthof erschossene Wehrmachtssoldaten wird mit roter Farbe übergossen.

Berlin, November 2018

An einem Schweigemarsch zum Gedenken an die im Nationalsozialismus ermordeten Juden Berlins anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht nehmen der Regierender Bürgermeister Michael Müller und andere Politiker teil. Einer der Teilnehmer ist der Berliner AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Wild. Er trägt am Revers eine künstliche blaue Kornblume. In Österreich war die blaue Kornblume das Symbol der antisemitischen, großdeutschen Bewegung. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich diente es von 1933 bis 1938 als Erkennungszeichen der Nationalsozialisten. Wild erklärt, sein Blumenschmuck sei Zufall und "keine Absicht" gewesen. Die Blume sei "ein Erkennungszeichen, das wir blau orientierten Leute seit einigen Wochen tragen. Als Ausdruck zu unserer Verbundenheit zum Vaterland."

München, Januar 2019

Bei einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus im Bayerischen Landtag verlässt ein Großteil der AfD-Fraktion den Saal, als Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, der Partei in ihrer Rede vorwirft, die NS-Verbrechen zu verharmlosen. In den folgenden Tagen wird Knobloch in zahlreichen anonymen E-Mails und Telefonanrufen beleidigt und bedroht.

Gedenkstätte Bergen-Belsen (Niedersachsen), Januar 2019

In der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen zweifelt der als "Volkslehrer" bekannt gewordene Rechtsradikale Nikolai Nerling die Opferzahlen der in Bergen-Belsen Ermordeten an. Nerling beschimpft eine Schülergruppe, sie würden sich "Schuldkult" einimpfen lassen und macht sich über das Tagebuch der in Bergen-Belsen umgekommenen Anne Frank als "kindliches Fantasieprodukt" lustig. Nerling filmt seinen Auftritt und veröffentlicht ihn auf Youtube. Die Gedenkstätte zwingt ihn unter Androhung einer einstweiligen Verfügung, das Video vom Netz zu nehmen.

Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen), Januar und April 2019

Vertreter der Partei "Die Rechte" nutzen den Platz vor der Dokumentationsstätte Gelsenkirchen im Nationalsozialismus für Wahlkampfauftritte zu den Europawahlen. Wahlplakaten zeigen die Aufschrift "Israel ist unser Unglück". Die Plakate werden auch vor der Neuen Synagoge in Gelsenkirchen angebracht.

Dachau (Bayern), Februar 2019

Der Rechtsradikale Nikolai Nerling dreht vor der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau ein Video, in dem er sagt: "Ich fühle mich nicht schuldig. Geht zu Gedenksteinen, geht zu Lagern und sagt, dass ihr euch nicht schuldig fühlt. Für ein freies Deutschland und gegen den Schuldkult." Laut Presseberichten fordert er vor der Gedenkstätte eine Schüler-Besuchergruppe auf, sie sollten nicht glauben, was ihnen in der Gedenkstätte erzählt werde. Eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte fordert ihn auf, den Ort zu verlassen, daraufhin filmt er ihr Namensschild und beleidigt sie. Als sie sagt, ihr eigener Großvater sei in Dachau inhaftiert gewesen und habe nur mit knapper Not überlebt, verhöhnt sie Nerling laut Presseberichten: "Da habe es der Opa ja nicht so schlecht gehabt, wenn er überlebt habe." Im Dezember wird Nerling wegen dieses Auftritts in erster Instanz wegen Volksverhetzung und Hausfriedensbruch zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt. Die Urteilsbegründung konstatiert, Nerlings Äußerungen zielten "in der Gesamtschau darauf ab, den Völkermord nicht nur zu verharmlosen, sondern auch zu leugnen". Am 27. November 2020 bestätigt das Landgericht München das Urteil des Amtsgerichts Dachau wegen Volksverhetzung, reduzierte die Geldstrafe jedoch auf 6000 Euro und lässt den Vorwurf des Hausfriedensbruchs fallen, da das Anzeigeprotokoll dazu bei der Polizei abhanden gekommen ist.

Schwedt (Brandenburg), März 2019

In der Parkanlage Stengerhain wird die Gedenktafel für einen kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs hingerichteten Wehrmachtsoldaten zerschlagen. Die Inschrift der Tafel: "Hier wurde im März 1945 ein junger Soldat von Faschisten erhängt, weil er den Frieden wollte". Der 20-jährige Panzergrenadier Norbert Robert hatte in einem Flüchtlingstreck, der die Stadt passierte, seine Mutter entdeckt und sie einen Kilometer lang begleitet. Dafür wurde er wegen "unerlaubter Entfernung von der Truppe" zum Tode verurteilt.

Türkheim (Bayern), April 2019

Unbekannte werfen eine Scheibe der Gedenkstätte des Außenlagers des KZ Dachau ein. Die Polizei geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus. Bereits 2014 und 2017 hatten Unbekannte ein Kreuz und einen Davidstern aus der Gedenkstätte entwendet.

Spremberg (Brandenburg), Mai 2019

Am sowjetischen Ehrenfriedhof werden vier bis zu 1,50 Meter große Hakenkreuze, meterlange Schriftzüge und ein Davidsstern aufgeschmiert. Bei 57 Grabsteinen sowjetischer Soldaten werden die Namen mit Signalfarbe überschmiert.

Heide (Schleswig-Holstein), Juli 2019

Unbekannte zerstören eine Gedenktafel auf der Kriegsgräberstätte Westermoorweg, die an umgekommene russische Zwangsarbeiter erinnert.

Berlin, Juni, September 2019

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Tiergarten wird wiederholt mit schwarzer Farbe beschmiert.

Weimar, September 2019

Zwei Personen posieren grinsend auf und in den Verbrennungsöfen des ehemaligen Krematoriums, fotografieren sich und veröffentlichen die Bilder auf ihrem Instagram-Kanal.

Bad Segeberg (Schleswig Holstein), Juli 2019

Unbekannte beschädigen die erst wenige Tage zuvor installierte Gedenktafel für Josef Tichy, der während eines Todesmarschs vom Konzentrationslager Hamburg-Fuhlsbüttel ins Arbeitserziehungslager Nordmark am 12. April 1945 von einem SS-Mann erschossen wurde.

Fürth (Bayern), August 2019

Drei Birken, die an die im Konzentrationslager Dachau ermordeten jüdischen Kommunisten Rudolf Benario und Ernst Goldmann aus Fürth erinnern, werden gewaltsam beschädigt und müssen gefällt werden. Benario und Goldmann gehörten 1933 zu den ersten Opfern der Nationalsozialisten in der Stadt. Zum Zeitpunkt ihrer Ermordung waren beide 24 Jahre alt. Bereits in den Vorjahren war der Erinnerungsort wiederholt geschändet woren. 2013 stahlen Rechtsradikale eine Gedenktafel und hinterließen eine Schmiererei: "Hans Steinbrenner hier." Der SS-Mann Steinbrenner folterte in Dachau zahlreiche Häftlinge und war an Hinrichtungen beteiligt, auch an der Erschießung von Rudolf Benario und Ernst Goldmann. Überlebende des Konzentrationslagers Dachau beschreiben ihn als fanatischen Sadisten.

Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen), August 2019

Unbekannte Täter beschmieren das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Stadtgarten auf der gesamten Fläche mit nationalsozialistischen Symbolen.

Weimar, September 2019

In der Gedenkstätte Buchenwald werden drei Gedenksteine mit Hakenkreuzen beschmiert.

Bohmte (Niedersachen), September 2019

Unbekannte beschmieren auf dem Friedhof eine Informationstafel mit dem Wort "Adolf". Auf dem Friedhof sind NS-Opfer, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter bestattet.

Hamburg, Oktober 2019

Rechtsextremisten nutzen vor dem Landgericht Hamburg den Prozess gegen einen ehemaligen KZ-Wachmann, der wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 5230 Fällen angeklagt ist, für Propaganda-Auftritte. Am Rande des Prozesses sind an den beiden ersten Verhandlungstagen unter anderem der Hamburger NPD-Landesvorsitzende, Lennart Schwarzbach, und der als "Volkslehrer" bekannt gewordene Nikolai Nerling präsent. Nerling provoziert vor dem Strafjustizgebäude Angehörige des "Auschwitz-Komitees" und veröffentlicht zum Prozess-Auftakt ein Video, in dem er behauptet, das Verfahren sei ein Akt der "Rache", die Taten des früheren KZ-Wachmanns seien damals nicht strafbar gewesen. Als der Angeklagte nach Ende der Verhandlung aus dem Gerichtsgebäude gefahren wird, salutieren Nerling und weitere Rechtsextremisten vor ihm. Am zweiten Prozesstag halten Rechtsextremisten eine Kundgebung vor dem Gericht ab, als Redner treten Nerling und der schleswig-holsteinische NPD-Vorsitzende Ingo Stawitz auf. In den Reden soll laut Presseberichten der Holocaust verharmlost und ein Freispruch für den Angeklagten gefordert worden sein.

Neustrelitz (Brandenburg), Oktober 2019

Neben einem Gedenkstein, der an die während der Reichsprogrammnacht 1938 zerstörte Synagoge in Altstrelitz erinnert, werden zwei Bänke mit Hakenkreuzen beschmiert.

Berlin, Oktober 2019

Unbekannte beschmieren in Berlin-Tiergarten die Gedenk- und Informationsstätte für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde mit rosa Farbe.

Einbeck (Niedersachsen), November 2019

Auf einer Facebook-Seite veröffentlicht die rechtsradikale Gruppe "Nationaler Aufbruch Einbeck" ein Foto, das drei Rechtsradikale mit erhobenem Daumen vor der Konzentrationslager-Gedenkstätte Moringen zeigt. Sie tragen T-Shirts mit einem durchgestrichenen Davidstern, dem Schriftzug "Fuck you Israel" und einer Hakenkreuz-Anspielung. Ebenfalls im November stören Rechtsextreme in der Gedenkstätten eine Führung.

München, November 2019

In der Schwabinger Clemensstraße wird eine vor wenigen Tagen aufgestellte Stele, die an den von den Nationalsozialisten ermordeten Historiker Michael Strich erinnert, mit lila Farbe beschmiert und beschädigt. Strich wurde im November 1941 als einer von rund 1000 Münchner Juden nach Litauen deportiert und dort am 25.November von SS-Männern erschossen.

Cottbus (Brandenburg), Dezember 2019

Eine Gedenktafel für jüdische Holocaustopfer des Konzentrationslagers Lieberose, ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen, wird abgerissen.

Berlin, Dezember 2019

Unbekannte beschädigen in Berlin-Westend ein Denkmal für Opfer der NS-Militärjustiz. Das Denkmal der Künstlerin Patricia Pisani besteht aus insgesamt 106 Verkehrsspiegeln. Auf 16 Spiegeln sind Texte eingraviert, die darüber informieren, dass an dieser Stelle im Nationalsozialismus Befehlsverweigerer und Deserteure erschossen wurden. Mehr als 230 Getötete sind namentlich bekannt. Die Plaketten an den Spiegeln werden gewaltsam mit Zangen oder Brecheisen abgerissen, die Spiegel werden zerkratzt und mit Hakenkreuzen beschmiert.

Nordhausen (Thüringen), Januar 2020

Am Eingang der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora wird ein Päckchen mit laut Polizeibericht "zündfähigem Sprengkörper mit ernstzunehmender Wirkung" abgelegt.

Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern), April 2020

Ein Gedenkstein, der an die 1938 während der Novemberpogrome niedergebrannte Synagoge erinnert, wird beschmiert.

Berlin, April 2020

Eine Zoom-Videokonferenz der Israelischen Botschaft mit dem Holocaust-Überlebende Tswi Herschel zum Gedenken an die in den Vernichtungslagern Ermordeten wird von Hackern mit Hitler-Bildern und Pornos gestört.

Berlin, April 2020

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Juden Europas wird mutwillig beschädigt: Ein oder mehrere Täter schlagen mit zwei Hämmern vier Ecken einer Stele ab.

Berlin, Mai 2020

Ein Denkmal, das im Bayerischen Viertel an eine Synagoge erinnert, die dort bis zum Kriegsende stand, wird mit einem Hakenkreuz und NS-Symbolen beschmiert.

Schöndorf (Thüringen), Juli 2020

Unbekannte beschädigen mehrere Bäume des Erinnerungsprojekts "1000 Buchen", Baumspitzen werden gewaltsam abgeknickt, ein Baum muss gefällt werden. Schon im Vorjahr waren mehrere Bäume des Erinnerungsortes gewaltsam beschädigt worden. Das Gedenkprojekt "1000 Buchen" erinnert an die Opfer der "Euthanasie"-Morde der Nationalsozialisten und der Todesmärsche aus dem Konzentrationslager Buchenwald in das bayerische Konzentrationslager Flossenbürg.

Chiemgau (Bayern), November 2020

Sepp Schuster, AfD-Gemeinderat in Prien am Chiemsee, leugnet in einem Facebook-Beitrag den Holocaust.

Salzgitter (Niedersachsen), November 2020

Der AfD-Kreisverband Salzgitter verbreitet auf Telegram eine Bildmontage mit einem Tor des KZ Sachsenhausen, um gegen einen vermeintlichen "Impfzwang" zu protestieren. Der im KZ-Tor angebrachte Satz "Arbeit macht frei" wird in der Montage durch den Satz "Impfung macht frei" ersetzt.

Dachau (Bayern), November 2020

Fünf Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Dachau erhalten Briefe mit antisemitischen Beleidigungen, Holocaustleugnungen und der Verhöhnung der von den Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern), Dezember 2020

Vier Stolpersteine, die an jüdische Güstrower Bürger erinnern, die 1942 nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet wurden, werden aus dem Boden gebrochen und entwendet.

Jamlitz (Brandenburg), März 2021

In der Dokumentations- und Gedenkstätte Jamlitz-Lieberose, die an das Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen erinnert, werden mehrere Informationstafeln mit antisemitischen Schriftzügen beschmiert.

Linz, Mauthausen (Österreich), März 2021

Stefan Bauer, damals aktives Mitglied der AfD Rosenheim, filmt sich am Zaun der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und veröffentlicht das Video auf seinem Telegram-Kanal. Darin vergleicht er die Behandlung von Coronaleugnern mit der Behandlung von Insassen der NS-Konzentrationslager und vergleicht Impfstoffe mit dem in den Konzentrationslagern zum Massenmord eingesetzten Zyklon B: "Wir brauchen kein neues Zyklon B, sei es als AstraZeneca oder als Biontech."

Berlin, Mai 2021

In Berlin-Lichtenberg wird im Ortsteil Alt-Hohenschönhausen, Konrad-Wolf-Strasse, ein Gedenkstein, der an die 1938 zerstörte Synagoge erinnert, mit grüner Farbe übergossen.

Nürnberg, Mai 2021

Der AfD-Kreisrat Klaus Norgall verlangt, dass der Landkreis Nürnberger Land sich nicht an der Finanzierung eines Kunstprojekts beteiligt, bei dem sich Schulklassen und Künstler mit dem Hersbrucker Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg auseinandersetzen. In dem Außenlager kamen etwa 4000 Juden und Kriegsgefangene um. In einer Kreistagssitzung vertritt der AfD-Kreisrat die Ansicht, das Kunstprojekt spalte die Gesellschaft: Es gebe Bürger, die sich dadurch "gedemütigt" fühlten und keinem "Tätervolk" angehören wollten. Der AfD-Politiker erklärt, er sehe sich als Vertreter von Bürgern, die einen "Schuldkult" ablehnten: "Bemühen wir uns nicht um die Aufarbeitung längst verlorener Schlachten, von den damals Getöteten wird niemand mehr zum Leben erweckt werden."

Cottbus, August 2021

Der Gedenkstein für die bei den Novemberpogromen 1938 zerstörte Synagoge an der Karl-Liebknecht-Straße wird mit roter Farbe beschmiert.

Berlin, September 2021

In Berlin-Pankow wird die Gedenktafel, die an den Journalisten und Pazifisten Carl von Ossietzky erinnert, gewaltsam zerstört. Der Antifaschist starb am 4. Mai 1938 im Pankower Krankenhaus Nord an den Folgen der jahrelangen schweren Misshandlungen in mehreren Konzentrationslagern.

Weimar, September 2021

Auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald wird ein Wahlplakat der AfD mit der Parole "Mut zur Wahrheit" angebracht. Die Leitung der Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner kommentiert das in einem Interview: "Ein solches Plakat in einer KZ-Gedenkstätte, das ist eine sehr gezielte Provokation: Es suggeriert, hier würden geschichtliche Wahrheiten unterdrückt."

Weimar, Oktober 2021

In der Gedenkstätte des Konzentrationslager Buchenwald ruft ein Mann vor dem Glockenturm "Heil Hitler" und hebt den rechten Arm. Laut Polizei handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 26-Jährigen, der sich mit zwei weiteren Männern und einer Frau dort aufgehalten habe.

Landkreis Dachau (Bayern), Oktober 2021

Eine Gedenktafel für den "Weg des Erinnerns" in Markt Indersdorf wird mit den durchgestrichenen Worten "Israel" und "Holocaust" beschmiert. Der Gedenkort erinnert an ermordete Kleinkinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen. An der Gedenkstätte SS-Schießplatz Hebertshausen bei Dachau werden auf Gedenksteine Hakenkreuze geschmiert. Dort wurden 1941 und 1942 mehr als 4000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet und Todesurteile der SS- und Polizeigerichte vollstreckt.

Dachau (Bayern), Oktober 2021

Auf dem Gelände der Gedenkstätte des KZ Dachau zeigen zwei Touristen aus Finnland den Hitlergruß und lassen sich von einem dritten dabei fotografieren.

Waldshut-Tiengen (Baden-Württemberg), Oktober 2021

Das Mahnmal im Stadtpark wird am Jahrestag der Deportation von Juden aus Waldshut-Tiengen mit Farbe beschmiert. Die Gedenkstele erinnert an die Verschleppung von 6504 jüdischen Bürgern Süddeutschlands in das französische Internierungslager Gurs. Am 22. Oktober 1940 deportierten die Nationalsozialisten sieben Bürgerinnen Waldshut-Tiengens nach Gurs, nur drei von ihnen überlebten. Der Gedenkstein ist den Schwestern Jenny und Klara Aufrichtig aus Waldshut gewidmet, sie lebten über 40 Jahre in der Gemeinde und führten ein Schuhgeschäft. Jenny Aufrichtig überlebte das Lager, Klara Aufrichtig wurde 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Riesa (Sachsen), November 2021

Vor dem ehemaligen Kaufhaus Troplowitz wird eine Gedenktafel, die an die jüdische Familie Lenczynski erinnert, von Unbekannten mit Gewalt aus dem Pflaster gebrochen. Berta und Fritz Lenczynski wurden 1943 in das Konzentrationslager Ausschwitz deportiert und dort ermordet.

Lünen (Nordrhein-Westfalen), November 2021

Im Vorfeld des Gedenktages zur Reichspogromnacht wird ein Mahnmal an der Lippebrücke mit antisemitischen Parolen beschmiert. Das Mahnmal erinnert an die Opfer der Reichspogromnacht in Lünen, bei der drei jüdische Bürger der Stadt ermordet wurden, ein weiterer starb an den Folgen der Misshandlungen.

Oranienburg (Brandenburg), November 2021

Unbekannte Täter beschmieren Türen einer öffentlichen Toilette am Besucherparkplatz vor dem Gelände der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Sachsenhausen mit einem Hakenkreuz und verschiedenen Ziffern.

Dortmund, Dezember 2021

Am Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma wird das Wandbild mit dem Schriftzug "Den Lebenden zur Mahnung - Den ermordeten Sinti und Roma zum Gedenken" mit dem von den Nationalsozialisten verwendeten Schimpfwort "Zigeuner" beschmiert. Das Wandbild war erst im August 2021 eingeweiht worden. Das Mahnmal befindet sich am ehemaligen Dortmunder Ostbahnhof. Von dort wurden im März 1943 mehr als 1000 jüdische Bürger und mehr als 150 Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.

Braunschweig (Niedersachsen), Dezember 2021

Die erst im November aufgestellte Informationsstele an der Gedenkstätte in der Buchhorst wird kurz vor der offiziellen Einweihung durch einen Brandanschlag zerstört. Der militärische Schießübungsplatz war von den Nationalsozialisten genutzt worden, um dort Soldaten und Zivilisten zu erschießen, die von Militärjustiz oder Volksgerichtshof als Deserteure oder Widerstandskämpfer zum Tode verurteilt worden waren.

Bamberg (Bayern), Dezember 2021

In einer öffentlichen Grünanlage wird an einem Denkmal für Bamberger Antifaschisten eine Box mit Informationsmaterial zerstört. Das Denkmal erinnert an Claus Schenk Graf von Stauffenberg und die Bamberger Bürger Willy Aron und Hans Wölfel. Aron war Gerichtsreferendar, Jude, Sozialist und aktiver Antifaschist. Kurz nach der Regierungsübernahme Hitlers wurde er in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert und tagelang gefoltert. Er starb am 19.Mai 1933 an den Folgen der Misshandlungen im Alter von 25 Jahren. Wölfel war Katholik, Rechtsanwalt und vor 1933 in der Bayerischen Volkspartei aktiv. Nach einer Denunziation wurde er am 3. Juli 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden im Alter von 42 Jahren hingerichtet.

Magdeburg, Dezember 2021

In der Max-Otten-Straße wird ein Stolperstein für Otto Wolff ausgegraben und gestohlen. Der jüdische Magdeburger Otto Wolff wurde 1942 in das Ghetto Warschau deportiert und im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Sein Bruder Leopold Wolff und dessen Frau Frieda Wolff werden ebenfalls 1942 in Treblinka ermordet.

Mittenwalde (Brandenburg), Dezember 2021

Am früheren jüdischen Friedhof werden zwei Informationstafeln aus ihrer Verankerung gerissen. Der Friedhof Mittenwalde wurde während der Reichsprogromnacht 1938 durch die Nationalsozialisten geschändet und ist heute eine Gedenkstätte.

Weimar, Januar 2022

Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald erreichen im Zeitraum weniger Wochen mehr als 250 hasserfüllte Briefe und E-Mails, die den Holocaust zum Teil massiv relativieren. Auslöser der Briefe sind offenbar die seit November 2021 auch in der Gedenkstätte geltenden 2G-Hygiene-Regel zur Eindämmung der Pandemie. "Diese Hassmails haben eine neue Qualität durch die Aggressivität, die darin zum Ausdruck kommt. Uns wurden Screenshots geschickt von Impfgegnern, wo Memes über Telegram geteilt wurden, nach dem Motto: In Buchenwald ist die Diktatur wieder eingeführt, und jetzt werden Ungeimpfte genauso verfolgt wie Juden bis 1945", erklärt Gedenkstätten-Direktor Jens-Christian Wagner.

Ahrensbök (Schleswig-Holstein),  Januar 2022

Ein Online-Vortrag der Gedenkstätte Ahrensbök zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus wird von sechs mutmaßlich Rechtsradikalen gestört. Während des Vortrags des Historikers Jörg Wollenberg halten Teilnehmer Abbildungen mit Hakenkreuzen in die Kamera und skandieren "Heil Hitler".

Garderlegen (Sachsen-Anhalt), Januar 2022

Zwei der Gedenksteine, die an Opfer der Todesmärsche und Massaker an KZ-Häftlingen erinnern, werden von Unbekannten gezielt beschädigt und lose gerüttelt. Kurz vor Kriegsende, im April 194,5 wurden in und um Gardelegen mehr als 1000 KZ-Häftlinge ermordet.

Mainz, Januar 2022

Eine Gedenkstele auf dem Ernst-Ludwig-Platz, die an die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgten Opfer des Nationalsozialismus erinnert, wird mit zwei Hakenkreuzen beschmiert. Die Inschrift "Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transidente, Intergeschlechtliche und Queere" wird durchgestrichen. Der Täter wird kurz darauf festgenommen. Bereits im August 2021 war die erst im Juli zuvor errichtete Stele großflächig mit roter Farbe beschmiert worden.

Gommern (Sachsen-Anhalt) , Februar 2022

In das Eingangstor einer Gedenkstätte, die an die Opfer des Holocaust erinnert, wird ein handtellergroßes Hakenkreuz geritzt. Das Tor war erst kurz zuvor neu angebracht worden und ist frisch lackiert. Das Tor führt zu einem Gedenkstein auf dem Gelände eines ehemaligen jüdischen Friedhofs.

Frankfurt am Main (Hessen), Februar 2022

Die an einem Luftschutzbunker angebrachte Gedenktafel, die auf den früheren Standort der Höchster Synagoge am Ettinghausenplatz und die Deportation der Juden in Höchst hinweist, wird von Unbekannten abgerissen und auf dem Boden zurückgelassen.

Wesel (Nordrherin-Westfalen), April 2022

Ein Stolperstein für Netty David wird in der Torfstraße aus dem Gehweg gestemmt und gestohlen. Netty David wurde am 28. Dezember 1920 im Haus ihrer Eltern Siegfried David und Berta Grünberg, Torfstraße 11, geboren, das bereits ihrem Urgroßvater Israel David gehört hatte. Mit ihren Eltern emigrierte sie im Oktober 1939 in die Niederlande und überlebte den Krieg versteckt im Untergrund. Ihre Eltern wurden im März 1943 im Konzentrationslager Sobibor ermordet.

Lemnitzhammer (Thüringen), April 2022

Ein hölzernes Gedenkkreuz, das an die Opfer des Todesmarsches der Häftlinge des Konzentrationslager Buchenwald erinnert, wird angesägt. Die Gedenkstätte erinnert an Sieben am Lemnitthammer von der SS ermordete und verscharrte KZ-Häftlinge. Der Anschlag erfolgte am 11.April, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald durch die Alliierten. Bereits im Vorjahr war das 2020 aufgestellte Gedenkkreuz am gleichen Datum angesägt und mutwillig beschädigt worden.

München, April 2022

In der Orleansstraße wird eine Informationstafel am Gedenkort "Weiße-Rose-Zaun" zerstört. An diesem Zaun war 1941 ein Foto von Sophie Scholl und Mitgliedern der Widerstandsgruppe Aktiven Weiße Rose aufgenommen worden. Sophie Scholl wurde 1943 im Alter von 22 Jahren als Widerstandskämpferin hingerichtet.

Wiebelskirchen (Saarland), April 2022

Unbekannte ritzen vier Hakenkreuze in eine an einer Brücke angebrachte Gedenktafel, die an den Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch erinnert. Deutsch war ab im 1943 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau interniert. Seine Frau Thea Deutsch und sein Sohn Dennis Deutsch wurden in Ausschwitz ermordet, sein Bruder Zoltan Deutsch kam in einem Außenlager des Konzentrationslagers Majdanek ums Leben.

Quellen: Presseberichte, Mails von und Interviews mit Gedenkstättenmitarbeitern, Protokolle von Landtags- und Stadtratssitzungen