Passagiere auf dem Frankfurter Flughafen | dpa

Corona-Tests für Rückkehrer Ab jetzt wird priorisiert

Stand: 15.09.2020 03:59 Uhr

Heute enden die kostenlosen freiwilligen Tests für Reiserückkehrer. Bund und Länder haben ihre Strategie geändert. Aber war die massive Ausweitung der Tests wirklich sinnvoll?

Von Christopher Jähnert,

ARD-Hauptstadtstudio

Die Sommerferien sind inzwischen in allen Bundesländern zu Ende, damit gibt es auch keine Möglichkeit mehr, sich nach der Rückreise aus Nicht-Risikogebieten kostenlos auf Corona-Infektionen testen zu lassen. Bislang ging das innerhalb von 72 Stunden nach Einreise. Bund und Länder hatten sich jedoch entschieden, die kostenlosen Tests nicht mehr fortzuführen. Ein Grund dafür: Das Gesundheitssystem soll nicht überlastet werden. Insbesondere geht es dabei um die Testlabore.

Christopher Jähnert ARD-Hauptstadtstudio

Die Gefahr ist durchaus gegeben: Dies wird unter anderem an den Zahlen deutlich, die das Robert Koch-Institut (RKI) sammelt. Konkret: In der letzten Juli-Woche wurden noch rund 580.000 Tests an die Labore geliefert. Zuletzt waren es, auch ausgelöst durch die "Gratis-Tests" für Reiserückkehrer, gut 1,1 Millionen - was nur knapp unter der Kapazitätsgrenze liegt. Die wird unter anderem bestimmt durch das verfügbare Personal und das vorhandene und lieferbare Material.

Warnungen gab es schon vor Längerem

Das RKI hatte deshalb schon Ende August vor einer Überlastung gewarnt. Sinngemäß hieß es: Je mehr Tests an die Labore geschickt werden, desto länger dauere die Bearbeitung. Und das wiederum könne dazu führen, dass Gesundheitsämter entsprechende Maßnahmen zu spät ergreifen. Die Empfehlung des RKI lautete deshalb: Tests sollten danach priorisiert werden, wann sie wirklich sinnvoll sind.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach im Juni noch davon, dass es viel teurer sei "zu wenig zu testen als zu viel zu testen". Die Labore hatten zwar noch ausreichend Kapazität frei, aber schon damals zeigten rund 60 Hausärzte in einem Brief, dass sie von der massiven Ausweitung der Tests wenig begeistert sind. Sie warfen Spahn Konzeptlosigkeit vor - und, dass sie vor den Plänen nicht gefragt wurden: "Das werden wir nicht bewältigen können", war die Befürchtung. 

Kostenlose Tests nur noch, wenn es sinnvoll ist

Jetzt wird tatsächlich wieder priorisiert: Kostenlos getestet werden künftig nur noch Menschen, bei denen es einen konkreten Anlass gibt - wenn also Symptome vorliegen oder sie durch ihren Beruf, beispielsweise im Gesundheitswesen, besonders gefährdet sind.

Auch Rückkehrer aus Risikogebieten, die ohnehin zu einem Test verpflichtet sind, werden vorübergehend weiter kostenlos getestet. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich bei ihrem Treffen Ende August darauf verständigt, dass die Regelung für Risikogebiete "möglichst ab dem 1. Oktober" geändert werden soll. Ab dann gilt wahrscheinlich eine Pflichtquarantäne, die nur durch einen Corona-Test verkürzt werden kann. Dieser Test soll frühestens fünf Tage nach der Einreise gemacht werden können.

Pannen sorgen für Verunsicherung

Abgesehen von der Beinahe-Überlastung der Labore war der Plan, kostenlose Tests für Reiserückkehrer anzubieten, auch sonst kein durchgängiger Erfolg. In Bayern hat eine große Panne für Verunsicherung gesorgt. Zehntausende Testergebnisse konnten nicht mehr zugeordnet werden. Mehr als 1000 davon waren wohl positiv, wovon viele Betroffene nichts oder erst zu spät erfahren haben. Zudem gab es Berichte über ein größeres Chaos an den Teststationen.

Wie hoch war die Aufdeckungsquote?

Die Frage, wie sinnvoll die massive Ausweitung der Corona-Tests war, ist schwer zu beantworten. Die Aufdeckungsquote jedenfalls sieht auf den ersten Blick recht gering aus. Laut Robert Koch-Institut liegt sie bei etwas mehr als einem Prozent. Das bedeutet: Nur etwa jeder Hundertste Getestete war tatsächlich infiziert. Das RKI will diese Zahl jedoch nicht bewerten.

Bundesgesundheitsminister Spahn ist nach wie vor überzeugt, dass die Ausweitung richtig war: "Die Pandemie zwingt uns, unsere Strategie ständig der dynamischen Lage anzupassen. Für die Urlaubszeit war es wichtig, möglichst alle Reisende auf das Corona-Virus zu testen." Eine endgültige Bewertung ist aber, wie bei fast allen Corona-Maßnahmen, noch offen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 15. September 2020 um 08:16 Uhr.