Studenten in Stuttgart | dpa

Studieren während Corona "Am Ende versauert jeder vor dem Rechner"

Stand: 12.12.2020 11:43 Uhr

Die Corona-Krise trifft auch die Studenten in Deutschland hart. Neben einem geregelten Studium fehlt es vielen vor allem an Geld, denn die Überbrückungshilfen kommen längst nicht bei jedem an.

Von Johannes Doerfert, ARD-Hauptstadtstudio

Allein zu Hause im Wohnheimzimmer, ohne großen Kontakt zu den Kommilitonen. Studieren macht im Moment nicht unbedingt viel Spaß. "Die Studenten sitzen abgeschottet zu Hause und treffen sich kaum noch mit ihren Kommilitonen. Wenn überhaupt dann mal zu zweit, damit man zusammen eine Vorlesung oder ein Seminar machen kann", sagt Maria Rosenberger, die bis vor Kurzem noch selbst studiert hat. Dieser Austausch sei zwar digital irgendwie möglich, "aber am Ende versauert doch jeder vor seinem Rechner und das zehrt enorm an den Nerven", so Rosenberger.

Und das merken auch die Studentenwerke, deren Beratungsangebote derzeit von Studierenden überlaufen werden. In allen Bereichen wird Hilfe gesucht: Organisatorisch, psychologisch, aber auch finanziell. Einer Studie zufolge müssen 40 Prozent der Studierenden mit weniger Geld auskommen als vor einem Jahr, denn die Pandemie bedeutet für viele: kein Nebenjob mehr. Und dann wird entweder das Ersparte angezapft, oder man nimmt staatliche Unterstützung in Anspruch. Die gibt es in Form von Überbrückungshilfen und zinsfreien Krediten und wird auch gut angenommen.

Überbrückungshilfe kommt nicht immer an

Das Deutsche Studentenwerk kritisiert: Studierenden sei die Überbrückungshilfe in einigen Fällen nicht ausgestellt worden, weil ihre finanzielle Notlage nicht pandemiebedingt sei. Das verschärfe ein strukturelles Problem, nämlich Armut unter Studierenden. Ein Problem, das noch größer werden könnte, denn in Deutschland studieren so viele Menschen wie noch nie zuvor - laut Statistischem Bundesamt in diesem Wintersemester fast drei Millionen.

Das Studentenwerk fordert daher Unterstützung. "Die Pandemie verschärft ja nur einen Investitionsstau, den wir bereits seit Jahren beklagen und anklagen", sagt Rolf-Dieter Postlep, Präsident des Studentenwerks. Und nun kämen zusätzlich neue Aufgaben wie die Digitalisierung des Studiums hinzu.

Studentenwerk fordert 3,5 Milliarden

3,5 Milliarden Euro fordert das Studentenwerk daher für einen Hochschulsozialpakt, mit dem Wohnheime und Mensen ausgebaut und saniert werden sollen. Denn es gebe viele Baustellen: Die Infrastruktur müsse digital fit gemacht werden - mit vernünftigem WLAN in den Wohnheimen, und dabei nachhaltig und möglichst klimaneutral.

Außerdem fordert das Studentenwerk eine Reform des BAföG: Mit höheren Sätzen und ohne die Kopplung an die Regelstudienzeit. Denn trotz der steigenden Anzahl an Studierenden würden immer weniger von ihnen BAföG bekommen. Und diese Hilfe werde dringend gebraucht - für die Zeit jetzt gerade vor dem Bildschirm, aber auch für die Zeit danach.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. November 2020 um 09:37 Uhr.