Badegäste in Scharbeutz | dpa

"Klimabudget" geplant Spahn will Schutz vor Hitzewellen verbessern

Stand: 19.06.2021 11:44 Uhr

Es wird nicht bei dieser einen Hitzewelle bleiben - da sind sich Politik und Wissenschaft einig. Angesichts einer wachsenden Zahl von Hitzetoten will Gesundheitsminister Spahn vor allem Ältere besser schützen.

Angesichts einer steigenden Zahl von Hitzetoten im Sommer hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen besseren Schutz vor allem für die ältere Bevölkerung angekündigt. Dazu wolle er sein Ministerium mit einem eigenen "Klimabudget" ausstatten, sagte Spahn den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. Eine Summe oder Details zur Verwendung nannte er nicht.

"Es gibt in Deutschland seit einigen Jahren im Sommer eine Übersterblichkeit", sagte Spahn. Alleine im vergangenen August seien Schätzungen zufolge mehr als 4000 Menschen "wohl wegen der Hitze gestorben", so der Minister. Temperaturen bis zu 40 Grad bedeuteten gerade für ältere Menschen eine hohe gesundheitliche Belastung, und Deutschland habe eine der ältesten Bevölkerungen der Welt. 

Spahn betonte: Klimaschutz sei Gesundheitsschutz. In seinem Ressort gehe es aber primär um die Anpassung an den Klimawandel. Der Minister verwies auf ein neues Online-Informationsportal Klima-Mensch-Gesundheit bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das heute freigeschaltet wurde.

Schutz für Krankenhäuser und Pflegeheime

Einen besonderen Blick richtet Spahn beim Schutz vor Hitze auf Gesundheitseinrichtungen. Krankenhäuser und Pflegeheime müssten "so umgebaut werden, dass die Räume nicht mehr überhitzen können". Dies liege in der "Investitionsverantwortung" der Länder. Darüber werde er mit diesen sprechen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, äußerte sich skeptisch gegenüber den Plänen des Ministers. "Damit wird klar, dass dieser Vorschlag keine Chance auf Umsetzung hat. Denn die Bundesländer kommen selbst ihrem Grundbedarf an Bau- und Sanierungsmaßnahmen nicht nach“, kritisierte Brysch. Er forderte die Bundesregierung auf, den ungenügenden Wärmeschutz in Pflegeheimen und Krankenhäusern selbst mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm zu lösen. Brysch appellierte zudem an die Bundesländer, die Bauvorschriften für Neubauten und die anstehenden Sanierungen der Altbauten sofort an einen effektiven Schutz anzupassen.

"Wir sind mitten im Klimawandel"

In weiten Teilen Deutschlands herrscht derzeit eine Hitzewelle. Die Temperaturen liegen laut Deutschem Wetterdienst verbreitet über 30 Grad. Aus Sicht des Klimaforschers Fred Hattermann wird es in diesem Jahr noch häufiger Hitzewellen geben. "Wir sind mitten im Klimawandel", sagte Hattermann, Experte für Klimarisiken am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dem RBB. In Deutschland sei es 1,6 Grad wärmer geworden, dadurch steige auch die Wahrscheinlichkeit für extrem heiße Tage.

Das Institut für Klimafolgenforschung habe die aktuellen Wetterextreme schon vor 20 Jahren prognostiziert. Sie entsprächen dem schlimmsten Szenario, das man damals berechnet habe, sagte Hattermann. "Wir sehen an Seeständen, Grundwasserständen, Waldsterben, dass der Klimawandel uns wirklich betrifft und auch in vollem Zuge ist." Um den Klimawandel einzugrenzen und um sich an die neuen Verhältnisse anzupassen, brauche man nun dringend weitere Maßnahmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.