Ein Kind sitzt in seinem Zimmer und wirkt traurig. | dpa

Nationaler Rat gegen sexuelle Gewalt Maßnahmenkatalog zum Schutz der Kinder

Stand: 30.06.2021 12:02 Uhr

Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt schützen - dazu hat ein Expertengremium nun Vorschläge erarbeitet. Sie enthalten unter anderem Schutzkonzepte für Schulen. Bundespräsident Steinmeier forderte eine "Haltung des Hinschauens".

Der Nationale Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen fordert mehr Maßnahmen zum Schutz vor Missbrauch. Das Gremium, das aus Spitzenvertretern aus Politik und Zivilgesellschaft besteht, legte eine entsprechende "Gemeinsame Verständigung" vor.

Ziel der darin enthaltenen Maßnahmen soll es demnach sein, Schutz und Hilfen bei sexualisierter Gewalt und Ausbeutung zu verbessern, kindgerechte Gerichtsverfahren zu gewährleisten und die Forschung weiter voranzubringen. Aufgeführt sind auch Schutzkonzepte für Schulen und Vereine.

Steinmeier: Mehr Anstrengungen des Staates

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte eine "Haltung des Hinschauens" angesichts des weiter massiven Problems sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Steinmeier unterstützte die Forderungen nach mehr staatlichen Anstrengungen. So hätten sexuelle Gewalt und Ausbeutung in den digitalen Medien "ein unvorstellbares Ausmaß erreicht". Missbrauchsdarstellungen würden millionenfach weltweit verbreitet. "Im Corona-Jahr haben Verbreitung und Konsum solcher Bilder und Filme noch einmal stark zugenommen."

Die digitalen Medien wirkten "wie ein Brandbeschleuniger", so Steinmeier. Opfer würden in ihrem Umfeld übersehen oder eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht, noch immer komme in Institutionen die Aufarbeitung nur schleppend voran. Austausch und die Zusammenarbeit müssten gefördert werden.

Lambrecht: Maßnahmen weiter umsetzen

Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) erklärte, es komme jetzt darauf an, dass die von den staatlichen und nichtstaatlichen Spitzenakteuren vorgeschlagenen Maßnahmen in der nächsten Legislaturperiode weiter umgesetzt würden.

Von den vorgeschlagenen Maßnahmen hob sie besonders hervor, dass Gerichtsverfahren kindgerecht gestaltet werden sollten, damit Kinder und Jugendliche so wenig wie nötig erneut belastet würden.

Rörig: Grundsatzstrategie gegen sexuelle Gewalt im Netz

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, forderte mit Blick auf den Anstieg von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Internet, dass der nächste Bundestag und die nächste Bundesregierung eine starke Enquetekommission einsetzen sollten, die eine Grundsatzstrategie gegen sexuelle Gewalt im Netz beschließen solle.

Rörig forderte auch, den vor gut eineinhalb Jahren eingesetzten Nationalen Rat als ständigen "Thinktank" zu etablieren. Zu der gemeinsamen Verständigung des Nationalen Rats gehört die Forderung nach einem weiteren Ausbau von Schutzkonzepten. Außerdem sollen die Systeme der Kinder- und Jugendhilfe sowie des Gesundheitswesens und der sozialen Entschädigung sich besser vernetzen, die Mitarbeiter dort sollen eine verbesserte Qualifizierung bekommen.

"Angst und Bange" davor, entdeckt zu werden

Sonja Howard, die Mitglied im Betroffenenrat beim Missbrauchsbeauftragten ist, forderte, dass der Bundestag den Kinderschutz prioritär behandelt. Es dürfe nicht vom Glück oder Zufall abhängen, ob einem Kinder bei einem Missbrauch geholfen werde. Tätern müsse "Angst und Bange" davor werden, entdeckt zu werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juni 2021 um 11:00 Uhr.