Leeres Klassenzimmer in Leipzig | AFP

Debatte um Schulöffnungen Schulstart - jeder in seinem Tempo

Stand: 24.01.2021 19:44 Uhr

Thüringen nach Ostern - Sachsen vielleicht schon im Februar? Die Frage der Schulöffnungen beschäftigt die Politik. Im Bericht aus Berlin sprach sich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig für individuelles Tempo aus.

Schulen und Kitas waren mit die letzten Einrichtungen, die nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr öffneten. Im Herbst zögerte man die erneute Schließung hingegen so lang es ging hinaus. Doch nun steht die Frage im Raum: Wann können und sollen Schulen wieder für den breiten Präsenzunterricht öffnen?

Thüringen, ein Bundesland, das mitunter die höchsten Sieben-Tages-Inzidenzen bundesweit aufweist, will hier nicht zu voreilig handeln. "Ich gehe davon aus, dass wir zumindest noch bis Ostern in dieser Situation verharren und mit diesem System der geschlossenen Schulen arbeiten müssen", sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter dem MDR. Das hieße - erst irgendwann Mitte April könnten Schülerinnen und Schüler wieder in die Klassenräume zurückkehren. Auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus warnte vor einer zu schnellen Öffnung. "Wir tun uns alle keinen Gefallen damit, den Präsenzunterricht wieder zu früh zuzulassen. Gesundheit geht vor", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Ruf nach schnellerer Öffnung - da, wo es möglich ist

"Ehrlich" seien die Aussagen aus Thüringen angesichts der Zahlen im Bundesland, sagte Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, im Bericht aus Berlin. "Es muss aber nicht in ganz Deutschland so sein." Als Entscheidungsträger sei man es den Kindern schuldig, konkret vor Ort zu schauen und da, wo es von der Infektionslage vertretbar sei, mehr zu ermöglichen als andernorts. Es sei wichtig, gerade Kleineren und Kindern aus bildungsfernen Familien, Möglichkeiten zum Präsenzunterricht zu bieten.

Auch in Sachsen sollen Schulen so schnell wie möglich wieder öffnen. Die ersten Lockerungen will Ministerpräsident Michael Kretschmer nach dem 14. Februar durchsetzen, wenn es verantwortbar ist.

Kritik am Bildungsföderalismus

Ein grundsätzliches Problem in der Bildungspolitik prangerte der Präsident des Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, an. "Wir haben doch jetzt alle gemerkt, dass schulpolitische Probleme jahrzehntelang bloß verschleppt und nicht gelöst wurden", sagte Meidinger der "Augsburger Allgemeinen" auch mit Blick auf die Corona-Krise. "Wenn die Politik etwa das Problem des Lehrermangels vorher gelöst hätte, dann wäre es aktuell einfacher, Risikopersonen unter den Lehrkräften zu ersetzen oder den Unterricht aufrechtzuerhalten, wenn Lehrer in Quarantäne müssen."

Die Bildungspolitik sei von "gescheiterten Reformen, Fehlern und einem katastrophalen Krisenmanagement" geprägt wie wenige andere Bereiche. Der Bildungsföderalismus sei derzeit überfordert "und zu keinen schnellen, einheitlichen Entscheidungen fähig", sagte Meidinger.

"Lockerungsdebatte wenig sinnvoll"

Angesichts leicht sinkender Zahlen werden auch die Stimmen wieder lauter, die eine Debatte über grundsätzliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen nach dem zunächst bis Mitte Februar vereinbarten Lockdown fordern. Neben Kretschmer hatten sich zuletzt auch andere Unionspolitiker dafür ausgesprochen, den Lockdown Mitte Februar zu beenden - und Widerspruch etwa vom CDU-Chef Armin Laschet bekommen.

Diese Diskussion hält Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller für wenig sinnvoll. "Jetzt über konkrete Daten für Lockerungen zu sprechen, wo wir kaum absehen können, wie sich die britische Mutante in den nächsten drei Wochen auswirkt, halte ich aktuell für wenig sinnvoll", sagte der SPD-Politiker der "Berliner Zeitung".

Ähnlich argumentiert auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Die jetzige Situation lasse es nicht zu, über Lockerungen wie etwa Schulöffnungen zu sprechen, sagte der Politiker im Bericht aus Berlin. Angesichts der neuen Virus-Varianten geht er nicht davon aus, dass der Lockdown schnell wieder aufgehoben werde.

Über dieses Thema berichtete der Bericht aus Berlin am 24. Januar 2021 um 18:05 Uhr im Ersten.

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KOMMENTARE

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Nachfragerin 24.01.2021 • 23:54 Uhr

@Bender Rodriguez - Virenlast

22:14 von Bender Rodriguez: "Der Verstand und die Biologie widersprechen halt den angeblichen Studien. Schulen sind nicht weniger superspeadingveranstaltungen , als Kneipen oder Großraumbüros, ÖPNV oder sonstige Großveranstaltungen." So leicht ist es nicht. Kinder entwickeln seltener Symptome und stoßen daher auch weniger Viren aus. Wenn sie dann noch passiv herumsitzenden und den Mund nicht aufbekommen, bleibt die Gefahr überschaubar. Anders sieht es aber beim Lehrer aus. Oft redet der Lehrer mehr als alle Schüler zusammen. Ein infizierter Lehrer wird daher schnell zum Superspreader. Die Jugendlichen halten sich allerdings nur sehr widerwillig an die Hygieneregeln. (Ansteckungen zwischen Schülern gab es an meiner Schule keine - zumindest nicht offiziell.)