Polizisten und THW räumen Dach der Eissporthalle in Berchtesgaden | Bildquelle: REUTERS

Schnee in den Alpen Gefahr durch Lawinen und Hochwasser

Stand: 14.01.2019 12:15 Uhr

Weite Teile von Bayern und Österreich haben weiter mit heftigen Schneefällen zu kämpfen. Die Lawinengefahr bleibt hoch und könnte noch steigen. Weiter nördlich traten Flüsse über die Ufer.

Die Wetterlage in den Alpen bleibt angespannt. In fünf oberbayerischen Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Berchtesgadener Land gilt weiterhin der Katastrophenfall. Viele Straßen sind gesperrt, Lawinen und schwere Schneelasten auf Dächern sorgen für Gefahr. Für die bayerischen Alpen gilt die zweithöchste Lawinenwarnstufe vier.

Am Montagmorgen traf eine Lawine ein Hotel im Winterskiort Balderschwang. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand. Die Lawine mit einer Breite von 300 Metern drückte Fenster des Hotels ein und Schnee gelangte ins Innere. Die etwa 100 Hotelgäste wurden anderweitig untergebracht.

Lawine trifft Hotel in Balderschwang
tagesschau 14:00 Uhr, 14.01.2019, Eckhart Querner, BR

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Einsatzkräfte waren vor Ort, konnten aber zunächst nicht mit Räumungsarbeiten beginnen. Experten mussten zuerst klären, ob sich weitere Schneebretter lösen könnten. Die Zufahrt zur Gemeinde Balderschwang ist wegen der Lawinengefahr seit Sonntag nur für Einsatzfahrzeuge freigegeben. Rund 1300 Menschen sitzen in dem Wintersportort fest.

In Niederbayern entspannte sich in der Nacht hingegen die Lage: Die Zufahrtsstraßen zum Wintersportort Sankt Englmar sind wieder offen. Das Landratsamt gab um 5.00 Uhr die Zufahrtsstraßen frei, nachdem mehrere Forstmaschinen die durch Schneelast umgestürzten Bäume von der Fahrbahn geräumt und Schnee von den Bäumen geschüttelt hatten. Die Lifte im Skigebiet, die Langlaufloipen und Wanderwege bleiben aber bis auf weiteres geschlossen.

Seehofer schickt 230 Bundespolizisten

Bei einem Besuch in Berchtesgaden versprach Bundesinnenminister Horst Seehofer, 230 Bundespolizisten zur Unterstützung der Helfer in den verschneiten Gebieten zur Verfügung zu stellen. "Das ist ein Signal, dass man in einer solchen Situation einfach zusammensteht", sagte er. Der Landrat des Berchtesgadener Lands habe die Bundespolizei am Samstag um Hilfe gebeten.

Seehofer dankte den Tausenden Hilfskräften für ihren Einsatz. Die Menschen leisteten seit Tagen "Übermenschliches", sagte er. Nach Angaben Seehofers beteiligen sich allein im Landkreis Berchtesgaden derzeit mehr als 200 Bundespolizisten daran, Dächer und Straßen zu räumen. Der zunächst auf drei Tage befristete Einsatz werde nötigenfalls verlängert.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte den Helfern ihre Wertschätzung. Merkel drücke ihre Anerkennung für alle aus, die im Dauereinsatz seien, um ihren Mitbürgern zu helfen und Verkehr und Versorgung so weit als möglich zu gewährleisten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Alle Kräfte vor Ort leisteten großartige Arbeit. Angesichts der Naturgewalten zeige sich, "wie wir zusammenstehen", sagte Seibert.

Mehr als 1000 Helfer von Bundeswehr, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk räumen unter anderem Schneemassen von einsturzgefährdeten Dächern.

Straßensperre auf der Zufahrt zum Riedbergpass | Bildquelle: dpa
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Die Zufahrt zum Riedbergpass in Richtung Balderschwang ist schon seit Sonntag wegen Lawinengefahr gesperrt.

Flüsse treten über die Ufer

Schmelzwasser und Regen sorgen unterdessen in tiefer gelegenen Teilen Bayerns und in Baden-Württemberg für Überschwemmungen. Mehrere Flüsse und Bäche traten in der Nacht über die Ufer. Vor allem in der Mitte und im Norden von Bayern wurden teilweise Äcker und Wiesen überflutet. Für den oberfränkischen Landkreis Kulmbach warnten die Behörden vor Überschwemmungen in bebauten Gebieten.

Auch in Mittelfranken stellte sich die Polizei auf Überflutungen ein. "Das Hochwasser kommt langsam", sagte eine Polizeisprecherin. In Niederbayern stiegen einem Polizeisprecher zufolge die Wasserstände leicht an. Straßen seien aber noch nicht überflutet worden.

Die Wörnitz im bayerischen Harburg ist über die Ufer getreten. | Bildquelle: dpa
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Die Wörnitz im bayerischen Harburg ist nach den Niederschlägen und der Schneeschmelze über die Ufer getreten.

Tausende Österreicher eingeschneit

Auch in Österreich spitzt sich die Lage weiter zu. Mehr als 180 Straßen sind gesperrt, Orte wie Lech und Zürs nicht mehr erreichbar. Auch die Ortschaft Stuben am Arlberg war wegen der Lawinengefahr von der Außenwelt abgeschnitten. Der Fernpass, eine wichtige Verbindung zwischen Deutschland und Österreich, kann derzeit ebenfalls nicht befahren werden.

Allein im Bundesland Salzburg sind 17.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Wie die Behörden berichteten, wurde am Sonntagabend auch die Straße nach Obertauern wegen Lawinengefahr gesperrt. Auch in der Steiermark müssen mehr als 1000 Menschen in eingeschneiten Ortschaften ausharren.

In Tirol gingen viele teils sehr große Lawinen ab. Wie der Lawinenwarndienst des österreichischen Bundeslandes mitteilte, wurde daher die höchste Lawinenwarnstufe auf weitere Regionen des Landes ausgeweitet. "Es fiel vor allem am Karwendel mehr Schnee als erwartet", teilten die Experten in ihrem Lagebericht mit.

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik geht davon aus, dass es in Tirol und Vorarlberg gebietsweise bis zu fünf Grad warm werden könnte. Damit stiege die Lawinengefahr vor allem in mittleren und hohen Lagen deutlich an. In Teilen Österreichs gilt wegen der neuen Schneefälle wieder die höchste Lawinenwarnstufe.

Anspannung in der Schweiz

Auch in der Schweiz ist die Lage angespannt: Über das Wochenende fiel in den Schweizer Alpen etwa ein Meter Neuschnee. Ein teils stürmischer Wind mit Geschwindigkeiten bis 100 Kilometern pro Stunde sorgte für Verwehungen. In der Folge wurden in den Bergregionen viele Straßen und Schienenwege blockiert.

In der Region Surselva in Graubünden ist nach einem Lawinenabgang die für ihr Benediktiner-Kloster bekannte Gemeinde Disentis von der Außenwelt abgeschnitten. Im Kanton Uri verschüttete eine Lawine vier Fahrzeuge auf einer Straße. Verletzt wurde niemand.

Die Lawinengefahr wurde vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in mehreren Gebieten auf die höchste Stufe angehoben. Bis Montagabend werden vom östlichen Berner Oberland bis in den Alpstein, im nördlichen Oberwallis und in der Silvretta weitere 60 bis 100 Zentimeter Schnee erwartet.

Verschiedene Arten von Schneelawinen
11.01.2019

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Schneefall bis mindestens Dienstag

Laut ORF soll es in den Nord- und Zentralalpen bis Dienstagmittag nahezu ununterbrochen schneien. Zwischen Vorarlberg und Niederösterreich rechnen die Wetterexperten mit 50 bis 150 Zentimeter Neuschnee. Dieser könnte zusammen mit Sturm und Schneeverwehungen die Lawinengefahr steigern.

Der Deutsche Wetterdienst erwartet für die bayerischen Alpen ebenfalls wieder Neuschnee. Teilweise könne bis zu einem Meter Schnee fallen, so die Prognose der Meteorologen. Für andere Teile Bayerns sagen sie Schneematsch voraus. Die Last auf Bäumen und Dächern könne weiter zunehmen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. Januar 2019 um 23:15 Uhr und in der Tagesschau am 14. Januar 2019 um 09:00 Uhr.

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