Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu trifft Bundesaußenminister Heiko Maas. | Bildquelle: dpa

Cavusoglu trifft Maas Reisewarnung für die Türkei bleibt

Stand: 02.07.2020 14:36 Uhr

Vor Urlaubsreisen in die Türkei warnt die Bundesregierung weiterhin. Der türkische Außenminister Cavusoglu warb bei seinem deutschen Kollegen Maas vergeblich für eine "sofortige" Aufhebung.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Es ist eine Absage, aber eine recht freundlich verpackte. Der deutsche Außenminister Heiko Maas macht klar, dass sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu von ihm heute keine Entscheidung erwarten konnte bezüglich der Reisewarnung in die Türkei, denn: "Für Deutschland ist dabei die Abstimmung innerhalb der EU von großer Bedeutung. Denn, nur wenn wir in Europa möglichst im Gleichklang handeln, ist es auch möglich, das Virus in seiner Ausbreitung zu kontrollieren."

Die EU hatte gerade erst entschieden, die Warnung für einige Länder aufzuheben, die Türkei ist allerdings nicht darunter. Aber Maas betont, die Europäische Union überprüfe ihre Reise-Empfehlungen ja alle zwei Wochen. Er habe dazu heute wichtige Informationen über die Lage in der Türkei bekommen, so Maas und er sagt einen Satz, der seinem türkischen Gast vorsichtig Hoffnung machen dürfte: "Wir sind uns einig, dass die regionalen Zahlen in Zukunft wichtig sein werden, um zu lokalisieren, wo es ein größeres Infektionsgeschehen gibt und wo möglicherweise eben nicht mehr."

Keine Warnung vor Reisen zu Familienangehörigen

Das könnte bedeuten, dass solche Warnungen nur für bestimmte Teile der Türkei gelten. Maas unterstreicht, dass Reisen zum Besuch von Familienangehörigen in der Türkei grundsätzlich nicht unter die Warnung fallen - ein wichtiger Hinweis für die vielen Deutsch-Türken im Land.

Cavusoglu betont, die Türkei sei ein sicher: "Wir sind bereit dafür, unsere Freunde aus Deutschland in der Türkei aufzunehmen." Die Rücknahme der Reisewarnung sei auch für die deutsche Tourismusbranche ganz wichtig, sagt Cavusoglu, denn die beiden Länder seien wirtschaftlich eng verflochten. Er fordert, die Positivliste der EU mit den Ländern, für die keine Reisewarnung mehr gelte, müsse sich an objektiven Kriterien orientieren.

Türkei pocht auf wissenschaftlicher Auswertung

Aus seinen Worten wird sehr deutlich, dass sich die Türkei im Vergleich zu anderen Ländern ungerecht behandelt fühlt: "Es gibt einige Länder, die wirklich überhaupt nicht transparent sind, die auf dieser Positivliste sind. Die Türkei fehlt und da sagen wir, dass das politische Entscheidungen sind, dabei sollte die wissenschaftliche Auswertung doch im Vordergrund stehen."

Politiker von Linkspartei und Grünen hatten den deutschen Außenminister Maas vor dem Gespräch davor gewarnt, die Reisewarnung für die Türkei aufzuheben. Sie diene dem Gesundheitsschutz und sei keine politische Verhandlungsmasse. Deshalb müsse sie so lange aufrecht erhalten bleiben, wie das Robert Koch-Institut die Türkei als Risikogebiet einstufe.

Reisewarnung der Bundesregierung für Türkei bleibt erstmal
Sabine Müller, ARD Berlin
02.07.2020 13:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juli 2020 um 13:02 Uhr.

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