Ein Mann geht in der Mainzer Innenstadt an einer verlorenen OP-Maske entlang, die auf dem Boden vor einem Einkaufszentrum liegt. | dpa

Omikron-Variante Kürzere Quarantäne - ist das sinnvoll?

Stand: 29.12.2021 16:41 Uhr

Corona-Infizierte sind oft nach wenigen Tagen nicht mehr so ansteckend. Besonders mit Blick auf die Omikron-Welle wird daher diskutiert, die Quarantänezeit zu verkürzen. Was spricht dafür, was dagegen?

Von Veronika Simon, SWR-Wissenschaftsredaktion

Fünf Tage Quarantäne und weitere fünf Tage konsequentes Maskentragen - diese Regeln gelten künftig in den USA für Menschen, die zwar positiv auf das Coronavirus getestet wurden, aber keine Krankheitssymptome entwickelt haben. Das gab die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC bekannt und halbierte damit die Dauer der verordneten Quarantäne.

Auch in Deutschland wird darüber diskutiert, ob es notwendig ist, jeden positiv Getesteten für 14 Tage zu isolieren. Das Argument: Durch die sehr ansteckende Omikron-Variante des Virus könnten sich sonst so viele Menschen gleichzeitig in Quarantäne befinden, dass das öffentliche Leben und die Infrastruktur zusammenbrechen könnte.

Diese Diskussion ist laut dem Frankfurter Virologen Martin Stürmer nicht neu. "Das ist ein zweischneidiges Schwert: Verkürzt man die Quarantäne, kann man produktiver sein. Aber man riskiert auch Infektionen, die durch eine längere Isolation verhindert werden könnten. Dieses Risiko muss man genau abwägen."

Unterschiedlich lange ansteckend

Wie lange man als Infizierter weitere Menschen anstecken kann, ist nicht immer gleich. Das hängt auch davon ab, wie stark die Erkrankung ausgeprägt ist. Menschen mit einem leichten oder symptomlosen Verlauf sind in der Regel kürzer ansteckend als Patienten und Patientinnen, die schwer erkranken oder eine Immunschwäche haben.

Bisher geht man aber davon aus, dass Infizierte in den Tagen kurz vor und kurz nach dem Auftreten der ersten Symptome am ansteckendsten sind. Auf diese Einschätzung beruft sich auch die US-Behörde CDC bei der Verkürzung der Isolation: "Die meisten Übertragungen von Sars-CoV-2 geschehen zu Beginn des Krankheitsverlaufs, meist in den ein bis zwei Tagen vor oder zwei bis drei Tagen nach Einsetzen der Symptome."

Das sei bei den bisherigen Virusvarianten schon länger bekannt, erklärt Wolfgang Preiser, Professor für Virologie an der Stellenbosch-Universität in Kapstadt. Er erforscht die Omikron-Variante des Virus, die sich mittlerweile in vielen Ländern durchgesetzt hat und sich auch in Deutschland ausbreitet.

Virologe rechnet mit kürzerer infektiöser Periode

Ob sich dieses Muster auch bei der neuen Virusvariante zeigen wird, könne man noch nicht mit Sicherheit sagen. Bislang kenne er noch keine Studien, die sich speziell damit beschäftigt haben, wann man bei einer Infektion mit Omikron am ansteckendsten sei, so Preiser. "Eine kürzere infektiöse Periode dürfte aber wohl die Regel sein, weil viele bereits eine Grundimmunität haben - entweder durch eine Impfung oder nach einer überstandenen Infektion."

Die Verkürzung der Quarantäne sei damit keine Reaktion auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern eine Anpassung an die aktuelle Situation und deren praktischen Erfordernisse.

Mit den geltenden Regeln auf Nummer sicher

In Deutschland gehe man mit den bisher geltenden Quarantäneregeln auf Nummer sicher, erklärt auch der Virologe Stürmer. Denn auch bei Menschen mit einem milden oder symptomlosen Verlauf ist es möglich, dass sie auch nach einer Woche noch ansteckend sind.

Wenn jedoch aus organisatorischen Gründen eine kürzere Isolation von Infizierten nötig sei, könne man auch hier zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen: "Zum Beispiel indem man nach einer Woche Quarantäne einen PCR-Test durchführt, bevor die Isolation beendet wird", so Stürmer.

So läuft es auch in Israel: Dessen Regierung hatte bereits im Juli beschlossen, dass sich Betroffene nach sieben Tagen mit einem negativen Test aus der Quarantäne befreien können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.