Eine Frau in einem Kölner Altenheim. | Bildquelle: dpa

Deutsche Altenheime Mit Assistenten gegen den Pflegenotstand?

Stand: 25.02.2020 21:34 Uhr

Gut 100.000 Pfleger fehlen laut einem Gutachten in Altenheimen. Die Forscher meinen auch: Auffangen könnte man den Mangel zum großen Teil mit Assistenzkräften - wenn man die Aufgabenverteilung ändert.

Von Michael Weidemann, ARD-Hauptstadtstudio

In Deutschlands Pflegeheimen herrscht Personalnot, weil es zwar immer mehr fertig ausgebildete Fachkräfte gibt, aber noch mehr aktive Pflegekräfte aus dem Beruf ausscheiden. Die daraus resultierende Lücke hat ein Gutachten der Universität Bremen nun auf gut 100.000 Pflegerinnen und Pfleger beziffert.

Doch ein Teil der Personalprobleme in den Einrichtungen ließe sich deutlich abmildern, wenn die Aufgaben dort gezielter verteilt würden, so die Analyse der Gutachter. Derzeit würden viele Aufgaben, die ebenso gut von Assistenzpersonal ausgeführt werden könnten, von voll ausgebildeten Fachkräften übernommen - und die sind bekanntlich besonders knapp.

Die Auftraggeber der Studie - die Spitzenverbände der gesetzlichen Pflegekassen, privaten Heimbetreiber und der Freien Wohlfahrtspflege - teilen diese Erkenntnis. Zu oft würden sich hochqualifizierte Pflegerinnen und Pfleger um eher einfache Betreuungsabläufe kümmern, moniert Gernot Kiefer vom Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. "Eine Person mit Pflegegrad 1 braucht vielleicht nicht so häufig eine hochqualifizierte Pflegekraft, aber sicherlich regelmäßig und mit großer Zugewandtheit eine Pflege-Assistenzkraft."

Verbände wollen Aufgabenverteilung verändern

Dem Gutachten folgend wollen die Verbände nun in Kooperation mit den Landesregierungen die Verteilung der Aufgaben in den Alten- und Pflegeheimen verändern. Dadurch könnten Stress und Hetze verringert und der Pflegeberuf attraktiver gemacht werden, glaubt der Präsident des Bundesverbandes der privaten Heimbetreiber, Bernd Meurer:

"Insbesondere die Attraktivität des Berufes wird steigen, wenn eine Fachkraft nur noch Fachkraftaufgaben zu verrichten hat - und gegebenenfalls mehr anleitend, delegierend und kontrollierend tätig ist. Diese Umorganisation - die Herausnahme der Fachkraft aus den Assistenzleistungen - führt dazu, dass wir mehr Assistenten brauchen."

Insgesamt müsste der Personalbestand in allen Einrichtungen um durchschnittlich 36 Prozent gesteigert werden, um langfristig eine angemessene Betreuung garantieren zu können, haben die Gutachter der Uni Bremen errechnet. "Wichtigstes Instrument hierfür ist die Anhebung der Pflegeschlüssel, um die Zahl der Beschäftigten pro pflegebedürftige Person zu erhöhen", heißt es in der Analyse.

Frage der Finanzierung

Auf konkrete Vorschläge des Gutachtens - etwa im höchsten Pflegegrad 5 jede Pflegekraft rechnerisch nur noch 1,8 statt derzeit 2,5 Bewohner betreuen zu lassen - wollen sich die Spitzenverbände zwar nicht einlassen. Klar sei aber, so Maria Loheide als Vertreterin der Freien Wohlfahrtspflege, dass man hier eine Veränderung und eine Verbesserung des Personalschlüssels brauche. "Genauer hingucken, wer macht welche Aufgaben - das wird die Herausforderung sein. Da müssen wir ran. Und da müssen wir zu deutlich spürbaren Verbesserungen kommen. Das ist natürlich auch eine Frage, wie wird das dann finanziert?"

Und genau da kommen die Länder und Kommunen ins Spiel. Denn sie müssten die verbesserten Schlüssel nicht nur absegnen - sondern als Sozialhilfeträger auch mitfinanzieren.

Pflege-Gutachten: Aufgaben in Heimen umverteilen, Personalschlüssel verbessern
Michael Weidemann, ARD Berlin
25.02.2020 20:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2020 um 23:43 Uhr.

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Michael Weidemann, NDR

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