Eine ältere Frau geht in einem Senioren-Wohnstift durch einen Gang. | dpa

Corona-Situation in Pflegeheimen "Einsamkeit nimmt Lebensmut"

Stand: 25.04.2020 16:45 Uhr

Seit Wochen ist das soziale Leben von Pflegeheimbewohnern wegen der Beschränkungen in der Corona-Krise stark eingeschränkt. Der Bevollmächtige der Regierung fordert nun ein Ende der Kontaktsperren. Damit steht er nicht allein da.

Schon länger weisen Experten auf die derzeit belastende Situation für Bewohner von Pflegeheimen hin. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, gelten seit Wochen strikte Kontaktsperren. Nun hat der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, ein Ende dieser Beschränkungen gefordert.

Man müsse die Situation in den Pflegeeinrichtungen darauf anpassen, dass man "über einen längeren Zeitraum mit dem Coronavirus umgehen" müsse, sagte er der "Welt". Pauschale, restriktive Besuchsverbote könnten dabei keine Lösung sein. Bewohner von Pflegeeinrichtungen benötigten zwar besonderen Schutz, dürften aber nicht völlig isoliert werden, so Westerfellhaus weiter. Die Bundesländer müssten den Pflegeeinrichtungen entsprechende Spielräume geben.

Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates. | picture alliance / dpa

Westerfellhaus spricht sich für ein Ende der strikten Regelungen aus (Archivbild). Bild: picture alliance / dpa

In den meisten Pflegeheimen finden keine gemeinsamen Mahlzeiten und Aktivitäten mehr statt. Angehörige dürfen die Heime nicht betreten, vielfach haben auch Seelsorger und Physiotherapeuten derzeit keinen Zugang zu den Einrichtungen.

"Grundrecht auf Ehe und Familie"

Auch Vertreter von Kirchen und Sozialverbänden warnten vor den Auswirkungen der Isolation in Pflegeheimen während der Corona-Krise. Die frühere evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann sagte der "Welt", Angehörige seien in Sorge, dass Eltern oder Großeltern in Heimen frühzeitig stürben: "Nicht an Covid-19, sondern an der Isolation, weil die Einsamkeit ihnen den Lebensmut nimmt."

Ähnlich äußerte sich die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, in der "Welt". Die Schwächsten der Gesellschaft dürften nicht sozial isoliert werden. "Da werden langsam auch Grundrechte verletzt, zum Beispiel das Recht auf Ehe und Familie, wenn Ehepartner sich nicht mehr besuchen dürfen", sagte Bentele.

"So schnell wie möglich überwinden"

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie sagte der Zeitung, angesichts des immer noch dramatischen Mangels an Schutzkleidung in den Heimen gebe es zwar derzeit keine Alternative zu den Besuchsverboten. Jedoch müsse diese Situation so schnell wie möglich überwunden werden. Schutz dürfe "dauerhaft keinesfalls mit Isolation gleichgesetzt werden".

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte bundesweite Maßstäbe und Konzepte für Pflegeeinrichtungen. In jedem Heim müssten drei Bereiche eingerichtet werden: einer für Gesunde, einer für Corona-Infizierte und ein Graubereich für jene, die infiziert sein könnten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. April 2020 um 15:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Granroca 25.04.2020 • 22:50 Uhr

Am 25. April 2020 um 19:39 von meinungisterlaubt

"In Dortmund gibt es sage und schreibe 90 infizierte Menschen. 90 Da ist es wirklich angebracht, alles vor die Wand laufen zu lassen. Bei 0,02 % ist das schon schlimm. Und ja natürlich müssen die Heimbewohner über Wochen in ihr Zimmer eingesperrt werden. Scheiß auf Menschenrechte, bei so einer Infektionsquote. und scheiß auf die Wirtschaft. Hauptsache wir können uns den Untergang zurechtreden und blockwarten" Dank der Massnahmen, sonst waere die Quote hoeher, das werden sie nicht leugnen koennen und nein, es wird keinen Untergang geben... Wichtig ist: lasst die aelteren Menschen zu ihren Familien...lasst sie nicht alleine, das haben sie nicht verdient...