Die Sonne geht über dem Pazifik auf. | dpa

"Dekade der Ozeanforschung" Lebensraum, Lebensgrundlage - stark gefährdet

Stand: 01.06.2021 16:06 Uhr

Ozeane und Meere sind die größten Lebensräume der Erde. Die Vereinten Nationen haben deshalb die "Dekade der Ozeanforschung" ausgerufen. Damit soll der Schutz und die nachhaltige Entwicklung vorangetrieben werden.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Aus dem Weltall betrachtet, wirkt unser Planet ziemlich blau. Was daran liegt, dass mehr als 70 Prozent der Erde mit Wasser bedeckt sind, wie Kinder bereits früh in der Schule lernen. Gemessen an ihrer Größe, kennen wir unsere Weltmeere jedoch ziemlich schlecht.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Auch die Bundeskanzlerin erinnerte jetzt noch einmal an die 70-Prozent-Zahl und an die Bedeutung, die Ozeane für unser Leben haben. Die Zukunft unserer Erde hänge wesentlich davon ab, "wie wir mit den Meeren umgehen und sie nutzen", sagte Angela Merkel anlässlich der Auftaktkonferenz der "UN-Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung". Zugleich erinnerte Merkel daran, dass Erforschung und Schutz der Ozeane - ebenso wie der Kampf gegen den Klimawandel - nur gelingen könnten, wenn dabei global zusammengearbeitet werde.

Die Weltmeere verstehen - und ihnen helfen

Mit der "Dekade der Ozeanforschung" wollen die Vereinten Nationen das Blaue am "Blauen Planeten" in den Fokus rücken. Es geht ihnen darum, die Weltmeere besser zu verstehen und letztlich auch sauberer, gesünder und widerstandsfähiger zu machen. "Die Covid-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind, wie alles miteinander zusammenhängt und wie sehr wir auf einen gesunden Planeten - und einen gesunden Ozean - für unser Überleben angewiesen sind", erklärte UN-Generalsekretär Antonio Guterres beim Startschuss für das Ozeanforschungsjahrzehnt.

Welche Bedeutung das Meer für die Menschen hat, ließ sich schon daran ablesen, wie lange und erbittert sich EU und Großbritannien bei den Brexit-Verhandlungen über den Fischfang stritten. Die Ozeane sind Nahrungsquelle für mehr als drei Milliarden Menschen weltweit, sie spielen eine entscheidende Rolle beim Welthandel und helfen auch dabei, die Erderwärmung abzumildern, indem sie CO2 speichern: "Sie sind damit sozusagen Puffer für den Klimawandel", erläuterte Forschungsministerin Anja Karliczek, die in diesem Zusammenhang auch von der "Klimamaschine Meer" sprach.

Diese Maschine aber ächzt und stöhnt angesichts der Belastungen und stößt bei der Eindämmung der Erderwärmung zunehmend an ihre Grenzen. Dabei ist aus Sicht von Wissenschaftlern längst klar: Wenn die Menschheit ihre Meere besser schützt, schützt sie letztlich auch sich selbst. 

Nur ein kleiner Teil der Meere bislang erforscht

Umso begrüßenswerter findet es auch die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Antje Boetius, dass auch der Ozean mittlerweile in den UN-Nachhaltigkeitszielen für 2030 vorkommt und nun mehr Aufmerksamkeit bekommen soll: "Wie neulich ein Schüler bei einer Videokonferenz zu den Meeren gesagt hat: Es geht einfach um 'mehr Meer'. Ich hoffe, er hat es richtig buchstabieren können."

Was das Verständnis unseres Planeten angeht, so sind im Grunde wir alle noch in gewisser Weise Analphabeten: Nur ein kleiner Teil der Meere und des Meeresbodens sind überhaupt erforscht: "Wir entdecken immer noch Gebirge im Ozean, so wenig wissen wir", mahnt Boetius.  

Um da Abhilfe zu schaffen, gibt Deutschland Forschungsministerin Karliczek zufolge jährlich 400 Millionen Euro zu Meeresforschungszwecken aus. In zehn Jahren dann, so wollen es die Vereinten Nationen, sollen wir dann alle etwas "mehr vom Meer" wissen. Und damit über jene 70 Prozent unseres Planeten, die wir noch nicht besonders gut kennen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juni 2021 um 15:32 Uhr.