Reste eines eingestürzten Daches liegen nach dem Orkan Zeynep auf einem Porsche. | dpa

Orkantief "Zeynep" Noch keine Normalität

Stand: 19.02.2022 18:42 Uhr

Nach dem Orkantief "Zeynep" sind erste Schätzungen zu den Schäden bekannt geworden. Die Aufräumarbeiten dürften noch Tage dauern - und auch Bahnreisende müssen weiter mit Ausfällen rechnen.

Der Sturm hat nachgelassen, doch seine Auswirkungen werden für viele noch einige Tage zur spüren sein. Noch bis Montagnachmittag müssen Bahnreisende in Norddeutschland und NRW mit Ausfällen und Verspätungen rechnen, teilte die Bahn mit. Nördlich von Berlin, Hannover und Dortmund würden bis mindestens Sonntagabend keine Fernverkehrszüge fahren. Reisen von und nach Hamburg und Bremen sollten vermieden werden, hieß es. Insgesamt sind bei den Stürmen der vergangenen Tage nach Bahnangaben Schäden auf mehr als 1000 Kilometern Bahnnetz entstanden.

Nach ersten Schätzungen soll "Zeynep" allein in Deutschland versicherte Schäden von mehr als 900 Millionen Euro verursacht haben und dürfte damit der intensivste Sturm seit "Kyrill" im Jahr 2007 gewesen sein. Das schätzt die auf Versicherungsmathematik spezialisierte Unternehmensberatung MSK. Die Gesamthöhe der Schäden dürfte noch größer sein, denn als versicherte Schäden werden nur solche gezählt, für die am Ende tatsächlich eine Versicherung aufkommt.

Tote und Verletzte

Allein in Deutschland kamen mindestens drei Menschen wegen des Sturms ums Leben, ein Mann wurde schwer verletzt. Auch in anderen europäischen Ländern sorgte der Sturm für Tote und Schäden, teils schon am Freitag. Insgesamt starben in Europa 13 Menschen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Hunderttausende Menschen in England, Polen und Tschechien waren zeitweise ohne Strom.

Spitzenwert bei 162 Kilometern pro Stunde

Das Sturmtief hatte Deutschland mit Windgeschwindigkeiten von örtlich mehr als 160 Kilometern pro Stunde überquert. Der höchste Wert wurde in der Nacht zum Samstag mit rund 162 Kilometern pro Stunde am Nordsee-Leuchtturm "Alte Weser" gemessen, wie der DWD mitteilte. Bei Büsum an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste erreichte der Orkan demnach Geschwindigkeiten von rund 143 km/h. Am Flugplatz Nordholz bei Cuxhaven und am Leuchtturm Kiel wurden in der Spitze rund 140 km/h registriert. Auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog blies der Orkan mit rund 135 Kilometern in der Stunde.

Auf den Gipfeln der Mittelgebirge wurden ebenfalls hohe Geschwindigkeiten gemessen. Der 1141 Meter hohe Brocken im Harz etwa meldete laut DWD rund 146 km/h.

Schwere Sturmflut an Nordseeküste und in Hamburg

An vielen Messstellen an der Nordseeküste überschritten die Pegel die Schwelle zur schweren Sturmflut etwa in Cuxhaven, Emden und auf der Insel Norderney. In Hamburg erreichte die Elbe am Pegel St. Pauli am Samstagmorgen gegen 5.30 Uhr 3,75 Meter über dem mittleren Hochwasser, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mitteilte. Damit erreichte auch die Hansestadt erstmals seit 2013 wieder eine sehr schwere Sturmflut mit mehr als 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser.

Strand auf Wangerooge weggespült

Die Nordseeinsel Wangerooge büßte im Sturm etwa 90 Prozent ihres Badestrandes ein. "Auf einer Länge von einem Kilometer gibt es kaum noch Sand", sagte Wangerooges Inselbürgermeister Marcel Fangohr. Die Schutzdünen vor dem Trinkwasserschutzgebiet hätten kein Deckwerk mehr, dies müsse wie der Strand neu aufgeschüttet werden. Dennoch sei der Sturm glimpflich ausgegangen.

Es bleibt windig

Vorübergehend soll die Wetterlage nun ruhiger werden, bis am Sonntag vor allem noch mal stärkere Böen erwartet werden - dann aber vor allem im Süden und in der Mitte Deutschlands. Dann nämlich ist "Antonia" aus Richtung Schottland und Island im Anmarsch. Auf höheren Bergen ist demnach auch mit teils schweren Sturmböen bis 100 Kilometern pro Stunde zu rechnen, sonst verbreitet mit bis zu 60 km/h.

Dieses neue Sturmtief bringt laut Wetterdienst auch erneut viel Regen mit sich, der auf die vielerorts schon gesättigten Böden fällt. Turbulent dürfte es in der Nacht zum Montag werden. Erst am Dienstag beruhige sich die Lage etwas.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Februar 2022 um 17:00 Uhr.