Eine Organtransportbox | Bildquelle: dpa

Debatte um Organspende Freiwillig oder "doppelte Schranke"

Stand: 31.03.2019 13:30 Uhr

Die Politik will die Zahl der Organspender erhöhen - doch wie? Im Bundestag zeichnet sich ein grundlegender Konflikt ab. Den Abgeordneten liegen zwei Vorschläge vor, die nicht gegensätzlicher sein könnten.

In der Debatte darüber, wie die Zahl der Organspender in Deutschland erhöht werden könnte, werden zwei Vorschläge aus dem Bundestag konkreter. Eine Gruppe von Abgeordneten um die Grünen-Chefin Annalena Baerbock betont die Freiwilligkeit der Spenden und wirbt für regelmäßige Befragungen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt dagegen zusammen mit anderen Abgeordneten auf die Widerspruchslösung.

Zu der Gruppe um Baerbock gehören insgesamt zehn Parlamentarier von Union, SPD, FDP, Linken und Grünen, unter ihnen die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Diese Abgeordneten wollen Organspenden nach dem Tod als bewusste und freiwillige Entscheidung behalten und stärken, wie es in einer Stellungnahmen heißt.

"Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist ein zentrales Element menschlicher Würde. (...) Die Freiheit zu einer Entscheidung über diese zutiefst persönliche Frage muss ohne Zwang erhalten bleiben."

Information beim Ausweisabholen

Die Gruppe schlägt vor, dass sich Bürger zu ihrer Spendenbereitschaft erklären, wenn sie einen neuen Personalausweis abholen. Das wäre spätestens alle zehn Jahre. Die zuständigen Ämter sollen den Bürgern Informationsmaterial aushändigen und für weitere Informationen auf die Hausärzte verweisen. Beim Abholen der Papiere sollen die Bürger dann aufgefordert werden, sich in ein entsprechendes Register eintragen zu lassen.

Die Bürger sollen die Erklärung jederzeit online ändern können. Außerdem sollen sie wie bei den bisherigen Spendeausweisen die Art der Organspende festlegen können - oder ob Angehörige entscheiden sollen. Die Parlamentarier stellen in ihrem Vorschlag aber klar: Wer sich nicht entscheidet, soll auch nicht registriert werden.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock | Bildquelle: dpa
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Die Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock will, dass die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleibt.

Spahn für zweistufiges Verfahren

In die andere Richtung geht das Konzept der Gruppe um Gesundheitsminister Spahn und SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach. Das Papier der zehn Parlamentarierer von Union, SPD und Linken sieht vor, dass alle Bürger ab 16 Jahren ausführlich informiert und als Spender registriert werden - außer sie widersprechen. Geplant ist dabei eine Art "doppelte Schranke"

Laut "Bild am Sonntag" soll ein Arzt nach dem Tod eines Patienten bei einem Register nachfragen, ob er der Organspende widersprochen hat. Falls nicht, gilt er als als Spender. Anschließend soll der Arzt den nächsten Angehörigen fragen, ob ihm ein schriftlicher Widerspruch oder ein zu Lebzeiten erklärter Wille des Patienten bekannt ist. Ist das nicht der Fall, ist der Patient automatisch Organspender.

Spahn wirbt bereits seit längerem für eine solche Widerspruchsregelung. Morgen sollen die Pläne in Berlin offiziell vorgestellt werden.

Jens Spahn | Bildquelle: REUTERS
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Die Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn fordert eine Widerspruchslösung - mit zweistufigem Verfahren.

Bisher zählt das ausdrückliche Ja

Zurzeit gilt in Deutschland bei Organspenden die Entscheidungsregelung. Entnahmen sind nur bei ausdrücklich erklärtem Ja der Patienten erlaubt. Ist der Entschluss des Verstorbenen nicht bekannt oder unklar, entscheiden die Angehörigen auf der Grundlage dessen mutmaßlichen Willens.

Die Krankenkassen schicken alle zwei Jahre Informationsmaterial zur Organspende an die Versicherten und fragen die Spendebereitschaft ab. Einen Zwang zur Entscheidung gibt es nicht. Viele Menschen schieben eine Entscheidung deshalb auf.

Es gibt zu wenige Spenderorgane

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am einem OP-Saal vorbeigetragen. | Bildquelle: dpa
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Auch wenn die Zahl wieder gestiegen ist: Es fehlen nach wie vor Organspender.

Erklärtes Ziel beider Vorstöße ist es, die Zahl der Organspenden zu erhöhen. In Deutschland warten zurzeit rund 9400 Patienten auf ein Spenderorgan. Nach einem längeren Rückgang stieg die Zahl der Spenden wieder an. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation spendeten im vergangenen Jahr bundesweit 955 Menschen nach dem Tod ihre Organe. Das war ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zu 2017.

Ab morgen gelten - unabhängig von der aktuellen Debatte - neue gesetzliche Regelungen, um die Bedingungen für die Organspende zu verbessern. In den Krankenhäusern steigen die Vergütungen. Die Transplantationsbeauftragten der Klinken bekommen mehr Kompetenzen und Freiräume.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. März 2019 um 23:35 Uhr.

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