Ein Hinweisschild mit der Aufschrift "Centogene Corona Testcenter Eingang" steht auf dem Hamburg Airport Helmut Schmidt im Terminal 1 vor einem Corona-Testcenter. | dpa

Coronavirus Ist Deutschland auf die Omikron-Welle vorbereitet?

Stand: 29.12.2021 08:35 Uhr

In anderen Ländern wütet die Omikron-Welle bereits so stark, dass massenhaft Personal ausfällt - bei den Airlines, aber auch im Bahnverkehr, bei der Feuerwehr. In Deutschland steht die Welle laut Experten noch bevor.

Von Isabel Reifenrath, ARD-Hauptstadtstudio

Kerzen, eine Taschenlampe, ausreichend Babynahrung und genügend Lebensmittel für zehn Tage - diesen Vorrat sollte man immer zu Hause haben, so empfiehlt es das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK. Während der Omikron-Welle, heißt es, könne es zu Einschränkungen kommen, aber nicht zu Zusammenbrüchen der kritischen Infrastruktur.

Isabel Reifenrath ARD-Hauptstadtstudio

Supermärkte, die Polizei, Feuerwehr, Medien, Krankenhäuser, Behörden und Verkehrsunternehmen sind dazu aufgerufen, ihre Pandemiepläne erneut zu überprüfen. Selbst der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Sepp Müller, hat keine Angst vor Ausfällen, zum Beispiel beim Strom: "Ich hoffe nicht, und wir sind eines der Industrieländer, die am besten vorbereitet sind vor Blackouts."

Firmen behalten sich "Einkasernierung" vor

Viele Energieversorger haben Impfkampagnen durchgeführt. Im Notfall will E.ON seine Mitarbeiter zum Beispiel vorübergehend am Standort unterbringen. Auch andere Firmen behalten sich die Möglichkeit der "Einkasernierung" vor. Rettungsstellen arbeiten Reservepersonal ein, die Feuerwehr kann im Notfall auf freiwillige Helfer setzen - andere Bereiche auch auf Pensionäre. Laut dem BBK sehen die Pandemiepläne auch bereits vor, Quarantäneregeln aufzulockern - sollte die kritische Infrastruktur ansonsten nicht aufrechterhalten werden können.

Der Mediziner und Grünen-Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen macht sich dennoch Sorgen: "Ich glaube, es wird nicht ausreichen, wenn sich alle Notfallpläne darauf konzentrieren, dass jedes Krankenhaus, jedes Wasserwerk allein sich versucht vorzubereiten. Wir müssen uns auch darauf vorbereiten, dass sich gegenseitig benachbarte Strukturen helfen, dass das eine Krankenhaus im Falle des Ausfalls eines anderen Krankenhauses Aufgaben übernimmt und die Pandemiepläne miteinander abgestimmt werden."

Das BBK sieht sich dafür nicht in der Verantwortung. Die Bundesbehörde leiste erst Amtshilfe, wenn ein Land sie darum bittet. Die Regierende Bürgermeisterin Berlins, Franziska Giffey, geht davon aus, dass die kritische Infrastruktur Berlins einen Personalausfall von dreißig Prozent verkraften kann: "Das muss vorbereitet werden und natürlich können wir immer nur sagen, dass die Impfaktion von entscheidender Bedeutung ist."

Müller fordert Verschärfung der Einreiseregeln

In Berlin kommt der Krisenstab des Landes heute zusammen. Die Vorbereitungen laufen also an. Müller von der CDU versteht nicht, warum Deutschland nicht längst seine Einreiseregeln verschärft hat, wie zum Beispiel Österreich - um die Verbreitung der Omikron-Variante zu verlangsamen. "Es macht einen Unterschied, ob wir Mitte Januar Omikron vorherrschend haben oder Mitte Februar", sagt er. "Das macht 30 Tage und im besten Fall 30 Millionen Impfungen Unterschied - womit wir die Welle im besten Fall brechen könnten."

Das Bundesinnenministerium sieht die kritische Infrastruktur bestens vorbereitet. Demnach verfügen die Unternehmen und Betreiber mittlerweile über Erfahrungen aus vier Pandemiewellen, heißt es in einer Mail an das ARD-Hauptstadtstudio. Dahmen mahnt, der Bundestag und die Landesparlamente müssten sofort zusammentreten können, sollte sich die Lage verschärfen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Dezember 2021 um 07:48 und 08:48 Uhr.

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Moderation 29.12.2021 • 13:04 Uhr

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