Der Thermostat einer Heizung in einer Wohnung steht auf 4. | dpa

Gasverbrauch Bundesnetzagentur mahnt zur Sparsamkeit

Stand: 29.09.2022 17:22 Uhr

Haushalte und kleinere Betriebe haben in der vergangenen Woche deutlich mehr Gas verbraucht als zu dieser Zeit üblich. Die Bundesnetzagentur warnt deshalb vor einer Gasmangellage und fordert dazu auf, mehr zu sparen.

Der Gasverbrauch von Haushalten und Gewerbe ist stark angestiegen. In der vergangenen Woche lag er deutlich über dem durchschnittlichen Verbrauch in den Vorjahren, wie die Bundesnetzagentur mitteilte. Behördenchef Klaus Müller warnte: "Ohne erhebliche Einsparungen auch im privaten Bereich wird es schwer, eine Gasmangellage im Winter zu vermeiden."

Verbrauch steigt bei sinkenden Temperaturen

Der Gasverbrauch hatte bis Mitte September teils deutlich unter den Verbräuchen der Vorjahre gelegen. Weil die privaten Verbraucher Gas hauptsächlich zum Heizen nutzen, hatten sie zu den Einsparungen bislang kaum beigetragen.

Dass der Verbrauch nun mit sinkenden Temperaturen stark anstieg, veranlasste die Bundesnetzagentur zu Aufrufen zum Sparen. "Einsparungen müssen auch bei weiter sinkenden Temperaturen stattfinden", erklärte Agentur-Chef Müller. "Da wird es auf jeden Einzelnen ankommen."

Laut Bundesnetzagentur sind die privaten Haushalte und kleineren Gewerbekunden in Deutschland für rund 40 Prozent des Gasverbrauchs verantwortlich. Die großen Industriekunden waren bislang für rund 60 Prozent des deutschen Gasverbrauchs verantwortlich. Hier sank der Verbrauch laut Bundesnetzagentur im August nominal um 22 Prozent und lag auch in der Kalenderwoche 38 - Mitte September - deutlich unter dem durchschnittlichen Verbrauch der Vorjahre.

"Wenn eine Gasmangellage eintritt, dann haben alle verloren"

Auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnte vor einer Gasmangellage in Deutschland. "Wenn eine Gasmangellage eintritt, dann haben alle verloren, ob mit oder ohne Gaspreisbremse", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Grimm soll eine Expertenkommission leiten, die einen Vorschlag für die von der Bundesregierung angekündigte Gaspreisbremse ausarbeiten soll. Schwerpunkt der Kommission sollen laut Grimm auch Anreize sein, Gas zu sparen. Dies müsse "oberste Priorität haben", so Grimm in der FAZ.

Es werde wichtig sein, ein Instrument zu finden, das eine Reihe von Anforderungen erfüllt, sagte die Ökonomin mit Blick auf die Gaspreisbremse. "Es muss wenig bürokratisch und schnell umsetzbar sein". Außerdem müsse die Lösung fair sein und starke Anreize zum Gassparen setzen.

Derzeit gilt Alarmstufe zwei von drei

Die Bundesnetzagentur geht derzeit davon aus, dass zur Vermeidung einer Gasmangellage ein Rückgang des Verbrauchs um mindestens 20 Prozent erforderlich ist. In Sachen Gasversorgung gilt aktuell in Deutschland die Alarmstufe als zweite von drei Warnstufen des Notfallplans Gas. Sollte sich die Gasversorgungslage in Deutschland oder in den EU-Mitgliedsstaaten weiter verschlechtern, kann die Bundesregierung die Notfallstufe als höchste Stufe ausrufen.

Die Bundesnetzagentur wird dann zum sogenannten Bundeslastverteiler und bestimmt, wer bei Gasmangel noch Gas erhält. Besonders geschützt sind Haushaltskunden, Kindergärten, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Altenheime und Arztpraxen, Polizei und Feuerwehr, die Bundeswehr, die Strom- und Wasserversorger, die Müllabfuhr, aber auch viele kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Gewerbe, Handel und Dienstleistungen.

"Sicherheitsplattform Gas" freigeschaltet

Die Bundesnetzagentur verkündete außerdem die Freischaltung einer Onlineplattform, die für den Fall eines Gasnotstands helfen soll, möglichst kluge Entscheidungen über Gas-Abschaltungen zu treffen.

Auf der "Sicherheitsplattform Gas" können sich wichtige Akteure am Gasmarkt wie große Verbraucher, Gasversorger, Händler und Netzbetreiber registrieren und ihre Daten angeben. Abgefragt werden etwa aktuelle und geplante Gasverbräuche. Netzagentur-Präsident Müller sagte dazu: "Die Sicherheitsplattform Gas versetzt uns noch besser in die Lage, zielgerichtete und angemessene Maßnahmen im Falle der Notfallstufe zu ergreifen."

Die Plattform wird von der Trading Hub Europe GmbH verwaltet. Das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Ferngasleitungsnetzbetreiber ist für die deutsche Gasmarkt-Organisation zuständig.