Abschiebung von Terror-Helfer Mounir El Motassadeq | Bildquelle: dpa

9/11-Terrorhelfer Motassadeq auf dem Weg nach Marokko

Stand: 15.10.2018 18:53 Uhr

Motassadeq war ein Komplize der Terroristen vom 11. September 2001 und wurde zu 15 Jahren Gefängnis in Hamburg verurteilt. Nun wird er abgeschoben, er kehrt nach Marokko zurück.

Von Georg Mascolo und Gabor Halasz, NDR

Er trägt eine Augenbinde und schalldichte Kopfhörer, er ist an Händen und Füßen gefesselt. Polizisten führen den verurteilten Terroristen wenige Meter über eine Rasenfläche auf dem Hamburger Flughafen. Scharfschützen stehen auf dem Dach einer Halle.

Mit einem Polizeihubschrauber wurde Mounir al-Motassadeq die nur zwei Kilometer kurze Strecke vom Gefängnis Fuhlsbüttel zum Geschäftsfliegerzentrum am Flughafen gebracht. Hier stieg er nur kurz um, ein weiterer Hubschrauber brachte ihn nach Frankfurt. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Bundespolizei berichtet, befindet er sich inzwischen an Bord eines Flugzeugs, das ihn in sein Heimatland Marokko bringen soll. Demnach verließ die Maschine den Frankfurter Flughafen um kurz vor 18 Uhr.

Drei von vier Todespiloten des 11. September stammten aus der Terrorzelle in Hamburg-Harburg. Motassadeq, ein Student aus Marrakesch, ging bei ihnen ein und aus, und so wurden die Ermittler schnell auf ihn aufmerksam. Mit der Abschiebung zieht Hamburg einen vorläufigen Schlussstrich unter das unliebsame Kapitel. Ein Schlussstrich, der lange vorbereitet und von Landes- und Bundesbehörden akribisch geplant worden war.

Keine Einreise nach Deutschland bis 2064

Ende August eskortierten schwer bewaffnete Spezialeinheiten Motassadeq bereits in das Hamburger Polizeipräsidium. Er wurde fotografiert und sein Körper auf Muttermale, Narben und Tätowierungen untersucht. Das alles wird in Datenbanken gespeichert, um es Grenzpolizisten zu ermöglichen, Motassadeq überall zu erkennen und seine Einreise zu verhindern. Der verurteilte Terrorist soll für lange Zeit nicht nach Deutschland zurückkehren dürfen. Die formale Einreisesperre gilt bis zum 3. April 2064. Das wäre der 90. Geburtstag des Marokkaners.

Der Terrorhelfer Mounir El Motassadeq wird von Hamburg aus nach Marokko abgeschoben. | Bildquelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX/Shutt
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Ein Polizeihubschrauber brachte Motassadeq zum Hamburger Flughafen, von dort aus ging es in einem Helikopter der Bundespolizei weiter.

Spekulation um Abschiebung

Noch vor wenigen Tagen war spekuliert worden, die Abschiebung werde womöglich scheitern. Marokko verweigere die notwendigen Passersatzpapiere, es gebe Probleme mit dem Flugzeug oder der US-Geheimdienst CIA könnte Motassadeq kidnappen. Doch am Ende lagen die nötigen Dokumente rechtzeitig vor, und es lief alles erstaunlich glatt. Der 15. Oktober war der erste Tag für die mögliche Abschiebung. Das Zeitfenster war von der Bundesanwaltschaft berechnet worden.

Dass Motassadeq jemals zurück nach Deutschland will, ist allerdings unwahrscheinlich. Sein Anwalt unternahm keinerlei Versuche, die Abschiebung zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Motassadeq schien nur noch nach Marokko zu wollen. Dort leben sein Vater, seine Frau und die beiden Kinder, die ihn während der Haft auch immer wieder besuchten. Offizielles Haftende wäre erst der 16. Januar 2019 gewesen.

Kein einziges Wort des Bedauerns

Aber durch ein abgeschlossenes Fernstudium an der Universität Hagen hatte er sich eine ganze Reihe von sogenannten Bonustagen verdient. Diese hätte er theoretisch für einen Hafturlaub nutzen können. Doch für jemanden wie Motassadeq sah der Vollzugsplan keinerlei Lockerungen vor. Obwohl er als gut integriert galt, keinerlei Schwierigkeiten machte und in der Fußballmannschaft FC Fuhlsbüttel kickte. Aber bei Motassadeq hat es bis zuletzt Zweifel gegeben, ob er etwas bereut, sich von der Tat distanziert. Motassadeq bestritt nicht nur weiter die Tat, sondern er brachte kein einziges bedauerndes Wort zustande.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 am 15. Oktober 2018 um 13:00 Uhr.

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