Angela Merkel | EPA

Corona-Lage Merkel will mehr Kontaktbeschränkungen

Stand: 25.11.2021 18:45 Uhr

Kanzlerin Merkel hält die derzeitigen Corona-Maßnahmen für unzureichend. Auch Kanzleramtschef Braun drängt auf eine Verschärfung. Gleichzeitig werden Forderungen laut, die nächste Bund-Länder-Runde vorzuziehen.

Angesichts des ungebremsten Anstiegs der Corona-Infektionszahlen dringt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. "Hier zählt jeder Tag", sagte Merkel in Berlin. Man müsse aufpassen, dass es nicht zu einer Überlastung der Krankenhäuser komme.

Die Zahl der Corona-Toten in Deutschland hatte zuvor die Schwelle von 100.000 überschritten. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf fast 420. In mehreren Bundesländern liefen die Vorbereitungen zur Verlegung von Corona-Intensivpatienten in andere Bundesländer.

Merkel bekräftigte ihre Forderung nach einem entschlosseneren Vorgehen zur Bekämpfung der Pandemie. Sie machte deutlich, dass sie die ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der vierten Welle für unzureichend hält. "Wir brauchen mehr Beschränkungen von Kontakten", sagte sie.

"Große Ernsthaftigkeit der Situation"

Merkel erklärte, dass sie die aktuelle Entwicklung als sehr gefährlich einschätzt. Sie habe daher sehr aufmerksam gehört, dass der designierte Kanzler Olaf Scholz (SPD) einen Krisenstab einrichten wolle. "Ich habe ihm heute auch deutlich gemacht, dass wir das in dieser Übergangsphase gemeinsam bewerkstelligen können." Sie sei "von der großen Ernsthaftigkeit der Situation überzeugt", sagte Merkel. "Die Lage ist deshalb so ernst, weil wir nach wie vor in einem exponentiellen Wachstum sind. Und weil die Fälle, die wir heute erkranken sehen, im Grunde die Intensivpatienten in zehn oder 14 Tagen sind."

Braun: "Wir brauchen jetzt eine Notbremse"

Auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) setzt sich für verschärfte Maßnahmen ein. In einer Schaltkonferenz mit seinen Länder-Kolleginnen und -Kollegen machte Braun laut Teilnehmern Druck auf die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP. Er wurde mit den Worten zitiert: "Wir brauchen jetzt eine Notbremse." Demnach verlangte Braun: "Entweder macht die Ampel ein Gesetz oder wir brauchen eine Ministerpräsidentenkonferenz, die eine klare Notbremse beschließt."

In den nächsten zwei Wochen drohe eine erhebliche Überlastung des Gesundheitswesens. Die jetzt im Nachgang zur Bund-Länder-Runde von vergangener Woche geplanten Maßnahmen und jene, die der voraussichtliche nächste Kanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Vorstellung des Ampel-Koalitionsvertrages gemacht habe, reichten nicht aus, um dies zu vermeiden. Er sei auch bereit, sofort den von der Ampel geplanten Krisenstab im Kanzleramt einzusetzen, sagte Braun. Ihm liege angesichts der Krise ein guter Übergang zwischen beiden Regierungen am Herzen. Die Lage erlaube kein Zögern und keine geschäftsführende Zurückhaltung.

Söder und Hans für vorgezogene MPK

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plädierte für eine vorgezogene Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundesregierung. "Jede Möglichkeit, die derzeitige Krisenlage zu verbessern, muss genutzt werden", sagte Söder der "Süddeutschen Zeitung". Zuvor hatte bereits der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) ein rasches Treffen der Länder-Regierungschefs gefordert, am besten noch in dieser Woche. Eigentlich war der 9. Dezember für das Treffen vorgesehen.

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 25. November 2021 um 06:07 Uhr.