Arzneien und Geld | Bildquelle: picture alliance

Präparate aus Griechenland Handel mit gestohlenen Krebsmedikamenten

Stand: 20.07.2018 17:38 Uhr

Eine Brandenburger Firma soll jahrelang in ganz Deutschland Krebsmedikamente vertrieben haben, die offenbar aus Griechenland gestohlen wurden. Die griechische Polizei warnt vor Gefahr für Gesundheitsrisiken.

Fragwürdige Medikamente gegen Krebserkrankungen sind offenbar in Deutschland in den Arzneihandel gelangt: Die Brandenburger Firma "Lunapharm" steht im Verdacht, jahrelang gestohlene Medikamente im Wert von mehreren Millionen Euro vertrieben zu haben.

Das geht aus einer Rückrufliste des brandenburgischen Gesundheitsministeriums hervor, die dem rbb vorliegt. Demnach sind Apotheken und Pharmahändler in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zwischen 2015 und 2017 von "Lunapharm" mit Medikamenten beliefert worden. Die Firma selbst bezog die Mittel demnach von einer griechischen Apotheke, die in Deutschland keine Großhandelslizenz hatte.

Hehlerware aus Griechenland in Deutschland vertrieben

Nach Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" sollen die Präparate aus Krankenhäusern in Griechenland gestohlen worden sein - griechische Behörden gehen von bis zu 14.000 Packungen und zehn verschiedenen Medikamenten aus.

Den Behörden nach sollen die gestohlenen Arzneimittel unter anderem auf einem Fischmarkt und in Privatwohnungen zwischengelagert worden seien, bevor sie in Koffern per Flugzeug nach Deutschland gebracht wurden.

Der Weiterverkauf in Deutschland entspräche einem Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittle inzwischen wegen Hehlerei gegen das Unternehmen "Lunapharm", sagte eine Sprecherin.

Griechische und deutsche Behörden uneins über Gefährlichkeit

Den mutmaßlichen Hehlern auf die Spur gekommen waren die Behörden über die polnische Arzneimittelüberwachung: Das brandenburgische Gesundheitsministerium sei im Dezember 2016 darauf aufmerksam gemacht worden, dass ein seltenes und sehr teures Krebsmedikaments in großer Menge in Polen entdeckt worden war.

Die zuständigen Behörden in Brandenburg riefen die betroffenen Medikamente, von denen viele bereits verbraucht worden sein dürften, jedoch erst diese Woche zurück. Für Patienten gebe es keinen Grund zur Besorgnis, teilte das Gesundheitsministerium mit: Untersuchte Proben seien in ihrer Qualität und ihrem Wirkstoffgehalt in Ordnung,

Die griechischen Behörden befürchten nach Angaben des rbb hingegen, dass die Medikamente unwirksam sein könnten, weil Kühl- und Lagervorschriften nicht eingehalten worden seien.

Aufgrund der Lagerung und des Transports sagte die griechische Polizei im Mai 2018, sie gehe von einer "Gefahr für die öffentliche Gesundheit" aus.

Informationshotline des Brandenburger Ministeriums

Das Gesundheitsministerium in Brandenburg hat der Firma "Lunapharm" inzwischen die Betriebserlaubnis entzogen - der entsprechende Bescheid sei am Freitag zugestellt worden, hieß es.

Gesundheitsministerin Diana Golze hat eine Task Force zur Aufklärung der Vorwürfe eingesetzt. Betroffene können sich unter einer Telefon-Hotline informieren, zudem ist auf der Internetseite des Ministeriums eine Liste der betroffenen Medizinprodukte einsehbar.

"Es liegt mir am Herzen, dass wir schnell aufklären und vor allem sämtliche Maßnahmen ergreifen, damit so etwas nie wieder passieren kann", sagte Golze. "Es wurde nach allem, was wir jetzt wissen, eindeutig gegen bestehende Regeln verstoßen, die zu diesem Behördenversagen geführt haben."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juli 2018 um 17:05 Uhr.

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